Kunst & Kultur

Impulse zu neuem Denken

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Im Rahmen von „katharinen+passion" wird es an der Frankfurter Hauptwache neben Andachten auch eine Ausstellung mit Fastentüchern aus verschiedenen Epochen geben. Eine Verbindung ist „Zittau".

Das kleine Zittauer Fastentuch von 1573 (li.) und aktuelle Fastentücher der Künstlerin Gisela Hafer
Das kleine Zittauer Fastentuch von 1573 (li.) und aktuelle Fastentücher der Künstlerin Gisela Hafer

Unter dem Titel „katharinen+passion" verbirgt sich ein umfangreiches Programm für die Frankfurter Innenstadtkirche Sankt Katharinen. Bei manchen der geplanten Veranstalungen ist unklar, ob die Corona-Regeln sie kurz vor Ostern zulassen, gewiss ist, dass von Aschermittwoch an mittwochs um 18 Uhr Andachten in dem Gotteshaus an der Frankfurter Hauptwache stattfinden. Nicht nur auf Liturgie und Musik wird die Aufmerksamkeit der Anwesenden gerichtet, sondern auch auf Kunst. „,katharinen+passion‘ heißt sehen, hören, wahrnehmen, heißt Anregungen für Geist und Seele bekommen, heißt neu nachdenken, was unser Leben beschwert und was unser Leben trägt“, umschreibt der Stadtkirchenpfarrer an Sankt Katharinen, Olaf Lewerenz, die Intention.

Gezeigt werden in der Kirche zweierlei Fastentücher. Gelungen ist es zum einen, für die Passionszeit eine Kopie des kleinen Zittauer Fastentuchs von 1573 auszuleihen, das nach der Reformation von einer evangelischen Kirchengemeinde in Auftrag gegeben wurde. In der Ausstellung kontrastiert es mit aktuellen Fastentüchern der Künstlerin Gisela Hafer.

Fastentücher wurden im Mittelalter während der Passionszeit vor Altäre gehängt, um die prachtvollen Figuren in dieser Zeit des Leidens Christi zu verbergen, ähnlich wie die späteren Flügelaltäre in der Fastenzeit zugeklappt wurden. Leider sind fast alle dieser Tücher im Laufe der Zeit verloren gegangen. In Zittau haben zwei Fastentücher die wechselvolle Geschichte überstanden. Neben dem großen Zittauer Fastentuch (8,20 x 6,80 Meter) von 1472, das gegenwärtig in Wiesbaden ausgestellt wird, ist das Zittauer Fastentuch von 1573 mit nur 4,30 x 3,50 Metern eher klein. Es stellt eine Kreuzigungsszene dar, um die herum die Marterwerkzeuge des Leidens Christi (die Arma Christi) angeordnet sind.

Auf dem Tuch ist der Moment festgehalten, in dem Christus stirbt. Maria aus Magdala umklammert das Kreuz, in der Mitte stehen der Lieblingsjünger Johannes mit erhobenen Armen, daneben mit ausgebreiteten Armen die Mutter Maria. Am Kreuz schwebt ein Engel, der in einem Kelch Jesu Blut auffängt. Rechts oben ist Gott mit drei Engeln zu sehen. Umrahmt wird das Bild von 30 Arma Christi, 30 Werkzeugen und Symbolen des Leidens Christi: die Lanze, um Jesu in die Seite zu stechen, das Waschbecken, in dem Pontius Pilatus sich die Hände in Unschuld wäscht und die Dornenkrone zählen dazu. Als Vorlage für das Fastentuch diente ein Stich nach einem Werk von Lambert Lombards von 1563, das der Maler des Tuchs auf das große Format geschickt umsetzte.

Gisela Hafer, Künstlerin, Textilgestalterin und Diplom-Ingenieurin, wurde in Zittau geboren und lebt in Frankfurt. Sie setzt sich in ihren hier ausgestellten Fastentüchern mit Frankfurt und unserem Kreisen um Geld und Macht auseinander. Die drei ausgewählten Tücher greifen die grassierende Gier nach immer mehr auf: mehr Geld, mehr Gold, steigende Aktienkurse. Doch was bleibt, wenn dadurch unsere Umwelt zerstört wird, Mensch und Natur ausgebeutet werden, unser Miteinander auf der Strecke bleibt?

Die Ausstellung konfrontiert uns mit unserem Tanz ums goldene Kalb: König Midas hatte einen Wunsch frei. Er wünschte sich, dass alles, was er berührte, zu purem Gold wurde. Erst als sich Brot und Obst und Wasser und Wein in Gold wandelte, merkte Midas, wie töricht sein Wunsch war. Wie töricht ist unser Wunsch, alles zu Gold zu machen, ohne Rücksicht auf Mitmenschen und die Schöpfung? Wenn die Börsenkurse fallen und unsere Bankenlandschaft auflösen, bleibt ein blauer lichter Himmel zurück. Wer denkt an die Menschen, die den Mehrwert erarbeitet haben? Welchen Wert hat Geld? Aus Geld wird Staub, es rostet und schimmelt. Was passiert, wenn alles nur noch nach seinem Geldwert taxiert wird? „Wohl dem, der einen Schatz im Himmel hat.“


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