Kunst & Kultur

Neunzigtausend Minuten Orgelmusik in der Katharinenkirche

Jeden Montag und Donnerstag um 16.30 Uhr sitzt Kantor Martin Lücker an der Orgel der Katharinenkirche und spielt: am kommenden Donnerstag, 3. Juli, zum dreitausendsten Mal.

Spielt jeden Montag und Donnerstag ein halbstündiges Konzert in der Katharinenkirche: Organist Martin Lücker. Foto: Rolf Oeser
Spielt jeden Montag und Donnerstag ein halbstündiges Konzert in der Katharinenkirche: Organist Martin Lücker. Foto: Rolf Oeser

Insgesamt neunzigtausend Minuten Orgelmusik haben sich auf diese Weise angesammelt, seit die Reihe im September 1983 gestartet ist. Rund 70 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgen im Schnitt die kostenlosen Konzerte an der Hauptwache; Einheimische und Touristen, Musikliebhaberinnen ebenso wie Passanten, die hier nur zufällig vorbeischauen. Aber kaum einer verlässt vorzeitig die Kirche, „wer kommt der bleibt“, hat Lücker beobachtet.

Mehr als ein Pausenfüller beim Shopping

Das Programm bietet aber auch mehr als bloße Pausenfüller am Rand der Shoppingmeile. „Es kann ruhig auch mal eine Herausforderung dabei sein“, sagt Lücker, der an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst lehrt. Bach und die Romantiker zählen zum Repertoire, auch Zeitgenössisches nimmt Lücker auf. Das Kirchenjahr prägt dabei die Planung. Manches Stück kommt jedes Jahr einmal vor – häufiger aber nie – andere nur alle zwei, drei Jahre.

Fast immer sitzt Martin Lücker selbst an der Rieger-Orgel, nur selten lässt er sich vertreten. „Die große Bedeutung von Ferien heute ist für mich auch ein Zeichen von Entfremdung“, sagt er. Nur zwei längere Unterbrechungen gab es in den 31 Jahren, 1998 etwa sechs Monate beim Orgelneubau und 2001 während der Innenrenovierung der Kirche. Einmal hat Lücker ein Konzert verschlafen; um viertel vor Fünf fand er neun besorgte Rückfragen auf seinem Anrufbeantworter.

Inzwischen Ableger in Bremen und Berlin

Stolz macht Lücker, dass junge Organisten inzwischen die Idee weitertragen in andere Städte. So habe sein Schüler Hilger Kespohl die „30 Minuten Orgelmusik“ in Bremen eingeführt, Gerhard Löffler, der bei ihm lernte und später als Organist in Schwanheim und Bockenheim wirkte, hat die halbe Stunde Orgelmusik jetzt auch in Berlin-Friedenau installiert, wo er inzwischen tätig ist.

Während der Konzerte baut Lücker immer einen Spannungsbogen auf. „Das erste Stück sollte nicht zu leise sein“, er möchte sein Publikum ja nicht einlullen. Bezeichnungen wie „Orgelmeditation“ lehnt der 60-Jährige ab: „Hier ist einfach nur Musik“. Am kommenden Donnerstag, beim Jubiläumskonzert, spielt Lücker Stücke von Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach, Max Reger und César Franck. Anschließend lädt die Katharinengemeinde zu einem Empfang ein.


Schlagwörter

Autorin

Antje Schrupp 137 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com