Kunst & Kultur

Orgel des Monats April: Das Instrument in der Gustav-Adolf-Kirche in Niederursel

Eine rot gestrichene Verkleidung verbirgt in dem Martin-Elsaesser-Bau ein vielfältig tönendes Instrument, geschaffen von der Ludwigsburger Orgelbaufirma Walcker.

Die Orgel in der Gustav-Adolf-Kirche I Foto: Michael-Max Stichling
Die Orgel in der Gustav-Adolf-Kirche I Foto: Michael-Max Stichling

Bundesweit wird 2021 das „Jahr der Orgel" begangen. Das nimmt auch die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach zum Anlass für einige Aktionen. Neben Anregungen zum Orgelspiel gehört dazu die Kür einer „Orgel des Monats". Die „rote Orgel“ der Gustav-Adolf-Kirche in Niederursel ist die Orgel des Monats April. Nicht das Instrument an sich, sondern die Verkleidung ist in dieser Farbe gestrichen. Vor einigen Jahren wurden die Schätze der 1927/1928 im Bauhausstil von Martin Elsaesser errichteten Kirche gehoben, im Frühjahr 2017 erstrahlte der Bau im Inneren wieder in seiner alten abgestimmten Farbigkeit – und die Orgel in entsprechendem Rahmen. Das von der traditionsreichen Orgelbauerfirma Walcker geplante Instrument passt aus heutiger Sicht zum Geist der Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts: zum Aufbrechen der Barrieren zwischen den musikalischen Genres, reduzierte Klarheit trifft auf Jazz, Klassisches wird in einen neuen Kontext gesetzt. „Unsere Orgel ist ein kleines Juwel, charmant in den leisen Klangfarben und erfrischend filigran, sie kann aber auch pompös daherkommen - gut geeignet ist sie für spätromantische und moderne Literatur", sagt der in Niederursel tätige Kirchenmusiker Bernd Hans Göhrig.

Die Ludwigsburger Firma Walcker hatte ein sowohl im Klang als auch in der Form des Orgelprospekts exakt auf die Kirchenform abgestimmtes Instrument gebaut, laut des damaligen Pfarrers Oberschmidt mit modernster Ausstattung. Gemäß der zu der Zeit geltenden liturgischen Vorstellungen sollten als wesentliche Elemente in der Kirche nur Altar und Kanzel herausragen, während alle übrigen Einbauten, so auch die Orgel, formal zurückhaltend eingepasst sein sollten. Die Orgel der Gustav-Adolf-Kirche verbirgt sich deshalb hinter einem schlichten Gitter, im Raster ähnlich den Fenstern, ohne einen aufwendigen oder auffallenden Orgelprospekt. Sie verfügt über ein pneumatisches System mit Lederbälgen, 20 Register auf zwei Manualen und Pedal (weitere Informationen) sowie über eine funktionstüchtige Calcanten-Glocke.

Die Niederurseler ist als eine der wenigen im hiesigen Raum noch vorhandenen Orgeln nach romantischen Klangidealen aufgebaut. Es gibt keine lauten und schrillen Stimmen, dafür verfügt die Orgel über umso mehr dunklere Klangfarben und Flötenstimmen. Obwohl das Instrument einen relativ hohen Unterhaltungsaufwand benötigt, wurde und wird sie sowohl wegen ihres Klanges als auch ihrer Technik als Dokument ihrer Zeit erhalten und gepflegt.


Autorin

Bettina Behler 147 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach