Leben & Alltag

Diakonie wirbt für ihre Kitas Fachkräfte aus anderen Ländern an

Weil es in Deutschland an pädagogischen Fachkräften fehlt, wirbt das Diakonische Werk für Frankfurt und Offenbach Arbeitskräfte in anderen Ländern an. Zum Beispiel in Spanien, aber auch in Lateinamerika oder in Bosnien, Kroatien und Serbien.

Tamara Romero Ruoss liebt es, mit Kindern zu arbeiten. Für den Job in einer Frankfurter Kita ist sie von Spanien an den Main gezogen. | Foto: Rolf Oeser
Tamara Romero Ruoss liebt es, mit Kindern zu arbeiten. Für den Job in einer Frankfurter Kita ist sie von Spanien an den Main gezogen. | Foto: Rolf Oeser

Tamara Romero Ruoss liebt es, mit Kindern zu arbeiten. Auf eine Anwerbung des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach hin ist die 28-Jährige 2019 aus Spanien nach Frankfurt gezogen. Hier hat sie eine Stelle als Erzieherin in der Kindertagesstätte Elisabeth in Nied angenommen.

Seitdem hat sie viel gelernt. Vor allem auch im Umgang mit Kindern. „Jedes Kind ist anders“, sagt sie. Es gehe darum, die individuelle Persönlichkeit anzuerkennen. Und die älteren Kinder neben dem freien Spiel auf die Schule vorzubereiten. Außerdem hat sie ihr Sprachniveau durch weitere wöchentliche Deutschkurse verbessert und wurde über gesetzliche Grundlagen, Bildungspläne und Elterngespräche in deutschen Kindertagesstätten informiert.

Romero Ruoss hatte in Spanien bereits eine zweijährige Ausbildung zur Erzieherin für Krippenkinder abgeschlossen. Danach fing sie das vierjährige Studium zur Vorschullehrerin für Kinder von drei bis sechs Jahren an. Doch die staatliche Hochschulabschluss-Prüfung dafür gilt als sehr schwer, und selbst, wenn man sie besteht, gibt es danach nur verschwindend wenige verbeamtete Stellen.

Die junge Frau hörte sich um und erfuhr, dass in Deutschland Erzieher:innen gesucht werden. Ihre Bewerbung beim Diakonischen Werk war erfolgreich, und Anfang 2019 zog sie aus ihrem kleinen galizischen Dorf zunächst nach Madrid um, wo sie zusammen mit 14 anderen Anwärterinnen an einem sechsmonatigen Intensivkurs Deutsch teilnahm. Im Herbst 2019 konnte sie dann in der Kita in Nied anfangen – ein Stadtteil, in dem 90 Prozent der Menschen ebenfalls eine Migrationgeschichte haben.

„Der Fachkräftemangel im Bereich Erziehung ist ja bekannt“, sagt Kim Wiesner, die Leiterin der Personalgewinnung beim Diakonischen Werk für Frankfurt und Offenbach. „Deshalb müssen wir auch in anderen Ländern Personal suchen.“ Seit 2019 hat die Diakonie 39 spanische Erzieherinnen und Erzieher nach Frankfurt geholt, 2021 zudem zum ersten Mal auch vier aus Südamerika. In Bosnien, Serbien und Kroatien wurde ebenfalls Personal gewonnen: Seit 2016 sind 44 professionell Erziehende aus diesen Ländern nach Frankfurt gekommen.

„Wir setzen auf diese Länder, weil es dort qualifizierte Abschlüsse im Bereich Erziehung gibt“, sagt Wiesner. „Deutschland wiederum ist für Fachkräfte aus anderen Ländern nicht zuletzt deshalb attraktiv, weil sie hier im Vergleich viel besser verdienen.“

Ruoss Romero hat sich inzwischen in Frankfurt eingelebt. „Es gibt eine große spanische Community hier“, erzählt sie. Der Leiter ihrer Kita, Luis Gonzalo, kommt ebenfalls aus Spanien und hat seit 2017 ein multikulturelles Team aufgebaut.

Außerdem, erzählt Ruoss Romero, mache sie in ihrer Freizeit viel Sport und versuche immer, mit Deutschsprachigen ins Gespräch zu kommen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. „Ich geniere mich nicht, Fehler zu machen, wie einige meiner Freundinnen, die leider schnell verstummen, wenn Deutsch gesprochen wird. Ich werde gerne korrigiert“, sagt sie lächelnd. Ob sie auf die Dauer in Frankfurt leben oder möglicherweise in Spanien in einer bilingualen privaten Einrichtung arbeiten will, weiß sie noch nicht. Jetzt freut sie sich erst einmal auf weitere Corona-Lockerungen und wieder mehr Partys. Die Zukunft ist offen.


Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".