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Protestantismus in Offenbach, Teil 3: Konfessionelles Miteinander im 19. und frühen 20. Jahrhundert

In einer kleinen Reihe schildern wir die Entwicklung des Protestantismus in Offenbach. Im dritten Teil geht es um das 19. und frühe 20. Jahrhundert. In dieser Zeit schließen sich die protestantischen Konfessionen zu einem Bund zusammen, die Stadt wächst und die Offenbacher Jüdische Gemeinde ordiniert als erste eine Frau zur Rabbinerin.

Im 20. Jahrhundert schrieb Offenbach Religionsgeschichte: 1935 wurde hier mit Regina Jonas die erste Frau zur Rabbinerin ordiniert.
Im 20. Jahrhundert schrieb Offenbach Religionsgeschichte: 1935 wurde hier mit Regina Jonas die erste Frau zur Rabbinerin ordiniert.

Während es in Offenbach bereits im 18. Jahrhundert zwei reformierte und eine lutherische Kirche und dazu noch eine jüdische Gemeinde gab, herrschte in Rumpenheim bis 1818 das lutherische Bekenntnis vor. Dann wird auf Betreiben der Landesherrn des Kurfüstentums Hessen, die Kirchliche Union aus reformiertem und lutherischem Bekenntnis beschlossen. In Offenbach verlief der kirchliche Einigungsprozess relativ zäh, nicht zuletzt wegen Grundstücks- und Finanzangelegenheiten konnte erst 30 Jahre später, 1848, die „Vereinte evangelisch-protestantische Kirchengemeinde“ gegründet werden. Die Französisch-reformierte Gemeinde tritt dem Bund jedoch nicht bei und bleibt eigenständig.

1840 zählt Offenbach 9703 Einwohnerinnen und Einwohner, davon sind 4034 lutherisch, 2862 reformiert, 1703 katholisch und 1015 jüdischen Glaubens. Auch in den katholischen Ortschaften Bieber und Bürgel werden protestantische Familien gezählt, diese werden von Offenbach aus seelsorgerlich versorgt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhalten die Bürgeler und Bieberer Evangelischen ihre Eigenständigkeit, bald aber werden ihre Ortschaften sowieso nach Offenbach eingemeindet: 1908 wird Bürgel ein Stadtteil von Offenbach, 1938 Bieber und Rumpenheim 1942.

Seit 1798 waren katholische Gottesdienste in Offenbach wieder gestattet, 1828 wird die erste katholische Kirche seit der Reformation in der Stadt eingeweiht. Danach entstehen noch eine deutsch-katholische (später: freireligiöse) und eine altkatholische Gemeinde mit Kirchenbau. Auch die jüdische Gemeinde prosperiert und gehört zu den Initiatoren der jüdischen Reformbewegung: 1935 wird mit Regina Jonas die erste Frau Rabbinerin.

Gänzlich konfliktfrei sind die Beziehungen der unterschiedlichen Gemeinden untereinander zwar nicht, doch wird in alten Berichten immer das Miteinander in der Stadt gelobt: Die verschiedenen Gemeinden nähmen Anteil an den verschiedenen Geschehnissen der jeweils anderen, in heutigen Worten würde man wohl eine gewisse liberale Grundstimmung des „leben und leben lassen“ verzeichnen. So singt etwa in der Synagoge ein gemischt-religiöser Chor zu Orgelbegleitung.

Zurück zu den protestantischen Gemeinden: Am Ende des 19. Jahrhunderts, die Stadt zählt rund 50.000 Einwohner, wächst Offenbach. Auch die protestantische Gemeinde, der die Mehrzahl der Einwohner angehört, wächst mit. Daher werden die Gemeindebezirke neu eingeteilt und die Voraussetzung für die Entstehung der heute noch existierenden Gemeinden geschaffen. Besonders im Süden der Stadt entsteht mit den Gemeindebezirken Süd und Südost der Vorläufer der Luthergemeinde, die später weiter aufgeteilt wird und neue Gemeindebezirke entstehen lässt. Einheitlich stellt sich die protestantische Ausrichtung aber in den Offenbacher Gemeinden nicht dar, so gibt es etwa innerhalb der Süd- und Südostgemeinde unterschiedliche Abendmahlstraditionen von Einzel- oder Gemeinschaftskelch.

Zum Anfang der Serie Protestantismus in Offenbach - Der Beginn im 16. Jahrhundert


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