Politik & Welt

Christliche Angstprediger spalten die Kirche

Auch in Deutschland hat sich inzwischen ein vernetztes, rechts-christliches Milieu herausgebildet, das den Kirchen zu denken geben muss. Liane Bednarz hat die inhaltlichen und organisatorischen Verflechtungen der rechten Christen und Christinnen detailliert herausgearbeitet.

Liane Bednarz: Die Angstprediger. Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern, 256 Seiten. Droemer. Erhältlich jetzt auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung , 4,50 Euro.
Liane Bednarz: Die Angstprediger. Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern, 256 Seiten. Droemer. Erhältlich jetzt auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung , 4,50 Euro.

Es ist ein Vorgang, der alle Christinnen und Christen, aber besonders die Kirche als Institution in Alarm versetzen müsste: „Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern“ beschreibt Liane Bednarz in ihrem Buch über „Die Angstprediger“. Die inhaltlichen und organisatorischen Verflechtungen dieser Netzwerke können der Kirche nicht gleichgültig sein. Es ist zu wünschen, dass innerhalb und außerhalb der Kirche die Sensibilität für das Erstarken der rechten Christen wächst. Auch der Bundeszentrale für politische Bildung war die Thematik so wichtig, dass sie das Buch jetzt in ihr Programm aufgenommen hat und für nur 4,50 Euro vertreibt.

Im Vorwort schreibt die Autorin, dass es in beiden christlichen Konfessionen zu einer regelrechten Spaltung gekommen sei. Auf der einen Seite die Konservativen, die katholischerseits den Zölibat befürworten und die Frauenordination ebenso wie Kritik an der Kirchenhierarchie ablehnen, sowie die so genannten „bibeltreuen“ Protestanten, die sich regional im im „Bibelgürtel“ rund um Dresden, in schwäbischen Gebieten Bayerns, in Wuppertal sowie im Siegerland und Nordhessen konzentrieren. Auch das hessische Hinterland rund um Biedenkopf ist weltanschaulich vom Siegerland geprägt, auch dort sind die geschilderten gesellschaftlichen Veränderungen in den Dörfern offensichtlich.

Wie unter einem Brennglas lasse sich hier etwas verfolgen, das auch gesamtgesellschaftlich zu beobachten ist: Aus ehemals harmlosen Konservativen werden Menschen, die schrittweise rechte Positionen übernehmen und sich nicht selten nach und nach immer weiter radikalisieren. Als Feindbilder halten die Themenkomplexe „Genderwahn“ und Homosexualität, „Islamisierung des Abendlandes“ und „GEZ-Medien“ herhalten. Überstrahlt wird alles von dem „typisch neurechten“ Zerrbild der „Überfremdung“.

Detailliert zeichnet die Autorin die Argumentationslinien der rechten Christen und Christinnen sowie ihre Verbindung zur AfD auf. So wird etwa in der evangelikalen Publikation „idea Spektrum“ in der Kontroverse um die Ehe für alle der EKD vorgeworfen, dort herrsche „die Diktatur des Zeitgeistes und nicht die Leitung durch den Heiligen Geist“.

Die Integration konservativer Christen und Christinnen sieht die Autorin als vielleicht größte Herausforderung für die evangelische Kirche. „Je mehr man konservative Stimmen in den evangelischen Gliedkirchen marginalisiert, umso mehr treibt man sie de facto in die Radikalisierung hinein und macht sie anfällig für rechtschristliche Kreise“, schreibt sie. Die Unterscheidung der Geister, die klare Trennung zwischen konservativ und rechts, wird, so Bednarz „eine ebenso große Aufgabe für die Kirchen sein wie die Integration Konservativer“. Die Kirchen seien gefordert, streng fromme konservative Positionen auszuhalten und gleichzeitig dort eine Grenze zu ziehen, wo ein Menschenbild vermittelt wird, das mit dem Evangelium nicht mehr kompatibel sei.

Zur Vorbereitung zum Diskurs mit Menschen, die konservative Positionen vertreten ist dieses Buch eine große Hilfe. Und für alle, die Verantwortung in der Kirche tragen, hilft die Analyse, zu sehen, dass sich im Nebel eines konservativen Christentums längst auch in Deutschland ein gefährliches, vernetztes, rechts-christliches Milieu gebildet hat.

Link zur Bundeszentrale für Politische Bildung


Autor

Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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