Politik & Welt

Was Jugendliche zu politischem Protest motiviert

Dass junge Menschen protestieren, ist nichts Neues. Die Art und Weise wie sie es tun, verändert sich allerdings stetig. Noch vor wenigen Jahren war von einer politischen Jugend in der Öffentlichkeit nicht viel zu sehen. Inzwischen ist die junge Generation präsent wie schon lange nicht mehr. Was treibt diese Entwicklung an?

Rayul/ Unsplash.com
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Corona, Klimakatastrophe, Krieg in Europa; das sind nur drei der Krisenbedingungen, unter denen die junge Generation heute lebt und aufwächst – und die sie umtreiben. Deutlich wird das unter anderem in Umfragen, aber auch durch zahlreiche Protestbewegungen, die junge Menschen gegenwärtig ins Leben rufen. Mit diesen Protestbewegungen beschäftigt sich das Buch „Was ist mit der Jugend los?“ (Wochenschau-Verlag). In der Evangelischen Akademie Frankfurt stellten die Herausgeber Maximilian Graeve (Dr. Arthur Pfungst-Stiftung) und Robert Wolff (Goethe-Universität Frankfurt am Main) das Buch vor, Mit-Herausgeberin Hanna-Lena Neuser, die gleichzeitig Leiterin der Evangelischen Akademie ist, wurde auf Grund eines positiven Corona-Tests per Zoom zugeschaltet.

Anlass für das Buch sei die Entwicklung der äußeren Umstände gewesen, erzählte Neuser. „Bevor Greta Thunberg Fridays for Future ins Leben rief, war in unserer Wahrnehmung von jungen Menschen im politischen Kontext nicht viel zu sehen und nicht viel zu hören.“ Aber dann wurden die Fridays for Future-Proteste immer größer und präsenter. Immer mehr Jugendliche gingen zum Protestieren in die Öffentlichkeit. „Es war sehr spannend zu sehen, wie junge Menschen auf einmal sichtbar und hörbar wurden,“ so Neuser.

„Warum schaffen wir Jugendlichen, die keine Experten sind und erst seit wenigen Monaten protestieren etwas, das andere schon seit 30 Jahren versuchen? Wir sagen doch nichts Neues.“ Das fragt sich Jessica Hubbert, junge Aktivistin und Landeskoordinatorin von Fridays for Future in Baden-Württemberg, die ein Kapitel für das Buch geschrieben hat und einen Ausschnitt daraus beim Podium vorlas. Auch wenn sie Teil einer Jugendbewegung ist, könne sie den Erfolg der jungen Generation im Protest manchmal nur schwer glauben.

Eine Antwort zu finden versuchte der Erziehungswissenschaftler Benno Hafeneger von der Universität Marburg, ebenfalls als Autor an dem Buch beteiligt. Globalisierung und neue Familienverhältnisse haben seiner Ansicht nach viel verändert. Das Mitspracherecht von Kindern, vor allem im Familienkontext, hätte stark zugenommen. Insgesamt gebe es mehr Kommunikation zwischen den Generationen, „auch Krisenverhältnisse sind ein Thema in den Familien“. Während Eltern früher kaum mit ihren Kindern über politische Themen gesprochen hätten, sei es heute keine Seltenheit, dass Kinder am Frühstückstisch Fragen zu Corona oder dem Ukraine-Krieg stellten. Auch die Dringlichkeit der Themen, besonders der Klimakrise, treiben die Proteste der heutigen jungen Generation voran, meint Hafeneger.

Noch immer verändert sich das Protestgeschehen unter Jugendlichen rasant. „Wir mussten irgendwann den Deckel zuklappen, wohlwissend, dass da eigentlich schon wieder ganz viele neue Dinge fehlen werden, die da eigentlich reingehören“, stellte Neuser fest. Aber auch, wenn nicht jede einzelne Protestbewegung vertreten ist, gibt das Buch Einblicke in die Protestkultur junger Menschen und über den Weg, den diese in den letzten Jahren gegangen sind, um ihre Anliegen an die Öffentlichkeit zu bringen – aus Perspektive der Expert:innen und auch der Aktivist:innen selbst.

Maximilian Graeve, Hanna-Lena Neuser, Robert Wolff: Was ist mit der Jugend los? Protestbewegung und Protestkultur im 20. und 21. Jahrhundert. Wochenschau-Verlag 2021, 224 Seiten, 28,90 Euro.
Die Buchvorstellung kann bei YouTube nachgeschaut werden.


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Monja Stolz 2 Artikel

Monja Stolz ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins.

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