Gottesdienst, Ausstellung, Kunst & Kultur

Das Paradies im Bilde

Stadtkirchenpfarrer Olaf Lewerenz predigt zum Szenenenwechsel in Sankt Katharinen

  • Sonntag, 29. August 2021
  • 10:00 Uhr
  • Sankt Katharinenkirche, An der Hauptwache, F-Innenstadt

Eine Doppelempore über die gesamte West-, Nord- und Ostseite mit 83 großformatigen Bildern bestimmte die Innenansicht der evangelischen Sankt Katharinenkirche an der Frankfurter Hauptwache vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Die Bilder, gemalt von Frankfurter Kunstschaffenden in der Zeit des Pietismus, wurden vor dem Bombenangriff ausgelagert, nach dem Krieg gab es kein Bestreben, sie wieder in den Kirchraum zu integrieren. Im Umfeld des Reformationsjubiläums 2017 hat der Stadtkirchenpfarrer an Sankt Katharinen Olaf Lewerenz die Reihe „Szenenwechsel“ ins Leben gerufen, in der die Emporengemälde nacheinander wieder gezeigt werden, nach Themenbereichen gegliedert. „Im Paradies“ lautet das Motto der Auswahl die vom 24. August 2021 bis zum 7. Februar 2022 ausgestellt wird in der Frankfurter Innenstadtkirche.

Tiere vielerlei Art, darunter Hirsch, Pferd, Löwe, Wal und Schwan, Steinbock, sogar ein Einhorn, tummeln sich auf dem Bild von Daniel Thielen (1623 - 1711) das ab 24. August ausgehängt wird. „Das Wasser soll von Lebewesen wimmeln, und Vögel sollen fliegen über der Erde und am Himmel… Die Erde soll Lebewesen aller Art hervorbringen: Vieh, Kriechtiere und wilde Tiere“, heißt es in Genesis 1, 20. 24. Thielen lehnte sich bei seinem Werk an einen Stick von Matthäus Merian an.

In einem anderen auch von ihm geschaffenen Emporengemälde werden Adam und Eva abgebildet. Gott wird als der dargestellt, der Eva zum Leben erweckt, ihn umgibt ein roter Ring. Eva erinnert an eine laienhafte Darstellung der Geburt der Venus von Sandro Botticelli (1445-1510). Die Turteltauben in der Mitte vorne sollen möglicherweise auf die Zuneigung von Adam und Eva anspielen, im Hintergrund ist der Sündenfall zu sehen.

Johann Valentin Grambs (1630/35? – 1708?) „Abend und Morgen“ bezieht sich auf denselben Stich von Matthäus Merian wie Daniel Thielen in seinem Schöpfungsbild. Grambs ordnet die Tiere mehr an den Rändern an, damit Platz für ein Bild im Bild ist. Sehr viel besser zur Geltung kommt hier das Einhorn. Es ist mythologisch ein Symbol von Stärke und Reinheit, ein Symbol für Christus. Das Bild betont Morgen- und Abendröte mit dem Schöpferglanz Gottes in der Mitte. In der Zeit der beginnenden Aufklärung zeigt das Bild die Grenzen menschlicher Erkenntnis und die Eingebundenheit der Erde in den Schöpferwillen Gottes auf.

In einem Zeitraum von insgesamt rund acht Jahren wird der gesamte Bilderzyklus der Emporengemälde von Sankt Katharinen nach und nach präsentiert. Thematisch geordnet werden diese einzigartigen Zeugnisse religiöser Frömmigkeit zwischen Pietismus und Aufklärung der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Sie erlauben einen Blick in eine Glaubens- und Frömmigkeitswelt, die den Menschen heute eher fremd ist, die es aber neu zu entdecken lohnt.

Die Präsentation der Emporenbilder wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung von: Hynsperg-Cronstetten-Stiftung, Ernst Max von Grunelius-Stiftung, die Evangelische Zukunftsstiftung Frankfurt am Main und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Zu besichtigen sind die Gemälde während der Öffnungszeiten der Sankt Katharinenkirche, Montag bis Samstag, 12 bis 18 Uhr.

Am Sonntag, 29. August, hält Pfarrer Lewerenz um 10 Uhr einen Gottesdienst, in dem es um den Szenenwechsel zu „Im Paradies“ geht.

www.st-katharinengemeinde.de