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125 Jahre evangelisches Engagement für die Werktätigen in Zeilsheim

Der Arbeitnehmerverein lädt am 29./30. August zu einem Festwochenende ein

125 Jahre EAV: v. li. Ulrich Matthei und  Bernd Blecker I Foto: Bettina Behler
125 Jahre EAV: v. li. Ulrich Matthei und Bernd Blecker I Foto: Bettina Behler

„Zeilsheim war 1901 ein katholisches Bauerndorf“ - doch die Arbeiter der Farbwerke Höchst, die sich hier ansiedelten, wurden mehr, und viele brachten ihren evangelischen Glauben aus der bisherigen Heimat mit, erzählt Ulrich Matthei, 70, pensionierter Pfarrer der Gemeinde im Frankfurter Westen und Präses des Evangelischen Arbeitnehmervereins Zeilsheim, der am letzten Augustwochenende 125 Jahre Bestehen feiert. Als Präses ist er sozusagen der theologische Vorstand des EAV, den ersten Vorsitz hat Bernd Blecker inne – und das seit 1990.

1972 ist Blecker in den Arbeitnehmerverein eingetreten, sein Vater war dort schon Schriftführer gewesen. Der gebürtige und langjährige Zeilsheimer, der heute in Sossenheim wohnt, ist Kfz-Meister. Nach der Lehre ging Bernd Blecker für vier Jahre zur Marine, 47 Jahre arbeitete er für die Verkehrsgesellschaft Frankfurt VGF. Aus seiner viele Jahrzehnte währenden Ehe ging eine Tochter hervor, sie hat Zwillinge. Stolz ist der 75-Jährige, dass auch sie schon im Vereinsleben und als Teamer in der Kirche aktiv sind, die Enkelin beispielsweise ist Mitglied der Jugendfeuerwehr in Sossenheim. „Das ist Verlässlichkeit und Kontinuität“, äußert Matthei voller Respekt angesichts dieser Lebensdaten.

Erste Sitzungen im Hinterzimmer des Gasthauses „Zum Löwen“
22 Arbeiter taten sich im Gründungsjahr zusammen zum „Evangelischen Arbeiterverein Zeilsheim“, erste Sitzungen wurden im Hinterzimmer des Gasthauses „Zum Löwen“ abgehalten. Eine evangelische Gemeinde oder auch einen Pfarrer gab es damals noch nicht vor Ort, Treffen der Protestantinnen und Protestanten fanden in der frisch eröffneten Käthe-Kollwitz-Schule statt. Über Jahrzehnte lag die Zahl der Mitglieder des Evangelischen Arbeitnehmervereins im dreistelligen Bereich, aktuell gehören ihm 26 Personen an. „Wir würden uns schon mehr wünschen“, sagt Bernd Blecker.

Ökumene, auch mit internationaler Perspektive ist Matthei ein Anliegen – und die soziale Frage. Beides schlägt sich im Programm nieder, das früher auch mehrtägige Fahrten enthielt. Blecker hat nach Corona aufgehört, größere Busreisen, auch ins Ausland, für den Arbeitnehmerverein zu organisieren, aber ein vielfältiges Jahresprogramm kennzeichnet weiter den EAV.

Im Frühjahr beispielsweise führte eine Exkursion in den Hessischen Landtag. Uwe Serke, CDU-Abgeordneter aus dem Frankfurter Westen, empfing die Gäste. Im Herbst stehen drei Vorträge an: „Ohne Judentum gibt es kein Christentum und keinen Islam. Wo bleibt Gottes Barmherzigkeit?“ lautet ein Thema, über „Faulheit-Müßiggang und Fleiß“ spricht beim nächsten Termin ein Gastredner, gen Jahresende begibt sich der Mainzer Theologe Ernst Fellechner auf die Spurensuche nach dem Glück. Weitere Informationen zum Jahresprogramm sind erhältlich unter den E-Mailadressen u.matthei@gmx.de und bernd.blecker@t-online.de.

Der einzige in Frankfurt fortbestehende evangelische Arbeitnehmerverein war in der NS-Zeit verboten
„Ich sage immer, wir machen Erwachsenenbildung“, kommentiert Blecker das Programm. Stolz ist er auf die Geschichte des Vereins, er ist der einzige seiner Art, der bis heute in Frankfurt fortbesteht. Nur eine Unterbrechung gab es: In der NS-Zeit war der Evangelische Arbeitnehmerverein Zeilsheim verboten. Dass der Evangelische Arbeitnehmerverein bis heute kirchliches, bildungs- und sozialpolitisches Engagement verknüpft, wird am 29. und 30. August gefeiert. Am Samstag, 29. August, ab 15 Uhr, mit einer Veranstaltung im Evangelischen Gemeindezentrum, Pfaffenwiese 111, Zeilsheim, Ulrich Matthei wird dort einen Vortrag zu der Rolle der Kirche in der Gesellschaft halten, Blecker eröffnet, eine Andacht gestaltet die aktuelle Zeilsheimer Pfarrerin Milena Papenbrock. Der Festnachmittag mündet in einem Abendessen, das für die Mitglieder und geladene Gäste vorgesehen ist.

Tags darauf predigt der frühere Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, in dem Festgottesdienst in der Kirche, Frankenthaler Weg 33a, im Anschluss wird zu einem Jubiläums-Empfang in den Luthersaal eingeladen.


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Bettina Behler 423 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach