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20 Jahre Bibel in gerechter Sprache: Anlass zur Freude und zum Weiterdenken

Rund 200 Gäste versammelten sich zum Gottesdienst, debattieren und Geselligkeit

v. li. Ulrike Scherf, Nulf Schade-James, Ulrike Hofmann, Birgit Pfeiffer, Ute Kniegisela Matthiae alias Frau Adele Seibold. I Foto: Renate Hoyer
v. li. Ulrike Scherf, Nulf Schade-James, Ulrike Hofmann, Birgit Pfeiffer, Ute Kniegisela Matthiae alias Frau Adele Seibold. I Foto: Renate Hoyer

Eingangs flimmern an diesem Oktobersonntag 2026 Portraits über die Leinwand im Altarraum der Friedenskirche im Frankfurter Gallus – Portraits von Menschen, die vor 20 Jahren dabei waren, damals, als die „Bibel in gerechter Sprache“ erstmals veröffentlicht wurde: der frühere Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Professor Peter Steinacker, beispielsweise, die Theologin Hanne Köhler, die EKHN-gab ihr damals eine Projektstelle für das Mammutwerk, Heidi Rosenstock, 1996 Gründerin des Vereins für feministische Theologie und eine der Initiatorinnen der Bibelfassung, Ute Knie, lange Vorsitzende des Vereins, Christa Kirschbaum, damals Kirchenmusikdirektorin in NRW, später Landeskirchenmusikdirektorin der EKHN, tauchten in dem Kurzfilm auf.

Einige der Gezeigten sind inzwischen verstorben, die feministische Theologin Eva Renate Schmidt beispielsweise wurde in dem Film gewürdigt, auch der 2015 verstorbene Steinacker oder der Erziehungswissenschaftler Micha Brumik. Viele der Gezeigten feierten jedoch glücklicherweise mit, Professorin Claudia Janssen beispielsweise, sie sprach ein Grußwort, leitete auch einen Workshop zu „Diversität im Römerbrief - Aufregend damals und heute“. Pfarrer Nulf Schade-James freute sich, erneut Gastgeber zu sein, seit 20 Jahren liegt die BigS an der Frankenallee auf dem Altar. Vor einigen Jahren wurde in dem Kirchraum vandaliert, Seiten herausgerissen aus dem Band. Die Gemeinde hat die Fetzen aufgehoben, sie zu einem Engelsflügel zusammengefügt.

Stellvertretende Kirchenpräsidentin Scherf lobt Einbeziehung christlich-jüdischen Dialogs

„Die BigS hat Widerstände ausgelöst und Mut zum Widerspruch gegeben“, sagte die stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN, Ulrike Scherf, in ihrem Grußwort zum 20. Professor Rainer Kessler, erinnerte in seiner Ansprache: „Was war das für eine Aufregung, als damals von den Hirtinnen Jesus die Rede war“. Scherf, aber auch andere erwähnten, dass die BigS sich neben Geschlechterfragen mit Engagement weiteren Themen widme. Sie nehme beispielsweise Erkenntnisse des christlich-jüdischen Dialogs auf und korrigiere antisemitische Muster, äußerte Scherf. „Gerade angesichts wachsenden Antisemitismus ist mir das wichtig.“

Anja Schwier-Weinrich, Geschäftsführende Pfarrerin der Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau, hielt ihre Kinderbibel von Anne de Vries hoch, „viel Weiß“ ist da zu sehen, so Schwier-Weinrich. Weniger an der Kolorierung zu erkennen als an den Physignomien. Heutzutage gebe es zunehmend Darstellungen, „wie man aussieht im östlichen Bereich des Mittelmeerraums“. Als ein Beispiel für eine zeitgemäße Fassung nannte sie Andrea Karimés „Alle-Kinder-Bibel“.

Mehr als ein Jubiläum – Ausdruck von dem Wunsch nach konstruktiven Debatten

Kinder sollten ein Fokus des Jubiläums sein. Nicht nur als Rückblick, sondern als Weiche in die Zukunft war der Nachmittag geplant. Unter anderem repräsentiert durch eine Gruppe Studierender der Goethe-Universität. Zwei Studierendenpfarrerinnen leiteten in der Friedenskirche Workshops, Kerstin Söderblom, Mainz, zu „Divers und queer mit Gottespoesie“. Ilona Klemens, Frankfurt, lud zusammen mit ihrer Studierenden Maxima Dickhaut ein, sich über „Diversity in der Seelsorge“ auszutauschen.

Die Themen haben sich gewandelt seit 2006, der Blick darauf, aber auch die Medien, in denen die Bibel kommentiert wird. Wenn in den Sozialen Medien, Bibelstellen herangezogen werden für Meinungsäußerungen, bleibe außer Acht, dass es eine Reihe an Übersetzungen gibt, so Pfarrer Wolfgang Prawitz, Mitglied der Kirchenleitung der EKHN. Für ihn ist die Bibel in gerechter Sprache „eine Station auf dem Weg, den wir miteinander gehen.“ Es brauche die Bereitschaft, zu sagen und zu hören.

Veit Dinkelaker, Direktor des am Frankfurter Museumsufer ansässigen Bibelhaus Erlebnis Museums, sagte in seinen Fürbitten, „wir sehnen uns nach konstruktiven Debatten“ und nach einer Forschung und Wissenschaft, in der Machtmissbrauch aufgedeckt wird. Gebete, Anstimmen der Lieder „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ und des Segensliedes „Weite Räume meinen Füssen“ gehörten zu dem Gottesdienst, ein üppiges Buffet von Kuchen bis Chips, Kaffee, Sekt und Schokolade bereicherten die Feier. Birgit Pfeiffer, Präses der EKHN, meinte beim Hinausgehen, „Ich nehme viel Segen mit“, Ute Knie, die maßgeblich an den Vorbereitungen beteiligt war, ließ beim Finale ein paar bunte Federn rieseln – ein inhaltsstarker und zugleich heiter-beschwingter Jubiläumsnachmittag.

Ein breites Bündnis hatte zu dem Nachmittag eingeladen, dazu gehörten beispielsweise auch die Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau e.V., die Goethe-Universität Frankfurt, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands und die Evangelische Akademie Frankfurt.


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Bettina Behler 434 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach