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Abraham-Pokal für Toleranz und Dialog geht an drei Schulklassen

Erinnerungskoffer, Erinnerungsbücher und ein Podcast werden ausgezeichnet von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Frankfurt am Main

Web Abrahamspokal
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Da ist sichtlich Vertrauen gewachsen: Vorne werden Reden gehalten, Andrew Steiman, Rabbiner des christlich-jüdischen Henry- und Emma Budge-Altenheims, und ein Schüler der IGS Friedrich-Ebert schlagen in den hinteren Publikumsreihen ein: „Gib Check“. Verleihung des Abraham-Pokals der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) Frankfurt am Main e.V. im Jüdischen Museum Frankfurt. Drei Klassen sind ausgezeichnet worden, der Ethikkurs der 8c in Seckbach, eine 10. Klasse der Musterschule, ein Kurs Jahrgangsstufe 11 der Musterschule im Nordend.

Koffer haben die Mittelstufenschüler:innen der IGS gepackt, neben Steiman hat Pfarrerin Melanie Lohwasser die Schüler:innen der unweit der Senioreneinrichtung in Frankfurt-Seckbach gelegenen Schule begleitet. Ein Koffer voller Fotos wird ausgestellt im Saal des Jüdischen Museums – anknüpfend an Recherchen zu Stolpersteinen, ein anderer fast leer, bis auf einen Chanukkaleuchter – oft konnten die Menschen kaum etwas mitnehmen. Ein weiterer Koffer knüpft an das Sechziger-Jahre-Deutschland an: gepackt von einem sogenannten Gastarbeiter. Einige der Vorfahren der Schüler:innen sind nach Deutschland zugewandert, haben erfahren, was es heißt, die Sachen zu packen.

„Erinnerungskultur wird dann lebendig, wenn sie anhand von Persönlichem sichtbar wird“, sagte Susanna Faust Kallenberg, Pfarrerin für interreligiösen Dialog im Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach, Vorstand der GCJZ, in ihrer Einführung. Kulturdezernentin Ina Hartwig erinnerte sich in ihrem Grußwort an ihre eigene Schulzeit, damals wurde das Thema Nationalsozialismus und die Shoah vertieft. Heute komme zu dem allgemein historischen Ansatz zunehmend die Frage: „Was geschah hier vor Ort?“.

Kulturdezernentin Ina Hartwig würdigte die mit dem Abraham-Pokal Ausgezeichneten. I Foto: Rolf Oeser
Kulturdezernentin Ina Hartwig würdigte die mit dem Abraham-Pokal Ausgezeichneten. I Foto: Rolf Oeser

Sie hat auch eine zehnte Klasse der Musterschule im Deutsch- und Geschichtsunterricht beschäftigt, die einen der Abraham-Pokale erhielt. Ein Schüler erzählte von dem Besuch des Hochbunkers an der Friedberger Anlage, wo einst eine Synagoge stand. Heute befindet sich in dem massiven Bau eine Gedenkstätte. Am Hochbunker waren sie, in der Gedenkstätte auf dem Gelände der Europäischen Zentralbank. Das Hochhaus im Ostend bezieht die ehemalige Großmarkthalle ein, von dort aus erfolgten einst die Massentransporte in die Konzentrationslager. Auf dem Gelände des Campus Westend waren die Schüler:innen ebenso unterwegs, einst war der Poelzig-Bau Zentrale der IG Farben. Zwangsarbeit, die Herstellung von Giftgas, das in Auschwitz zum Einsatz kam, werden mit dem Areal und der NS-Zeit assoziiert.

In Erinnerungsbüchern haben die Schüler:innen ihre Eindrücke festgehalten. Mit Bittbriefen verfolgter Juden an Papst Pius XII hat sich an der Musterschule ein Kurs katholische Religion der Jahrgangsstufe 11 befasst. Ein Podcast ist daraus entstanden. Deutlich sei den Oberstufenschüler:innen geworden, dass der Papst sehr wohl gewusst habe, welches Leid geschah, so der Religionslehrer. Mit den Jugendlichen war er Anfang des Monats in Buchenwald, auch das dort Gesehene hat tiefe Spuren hinterlassen.

Angesichts der Präsentationen äußerte Petra Kunik, Egalitärer Minjan der Jüdischen Gemeinde, und neben Susanna Faust Kallenberg Vorsitzende der GCJZ: „Ich bin tief bewegt“. Mirjam Wenzel, Direktorin des gastgebenden Jüdischen Museums, erwähnte eingangs, im jüdischen Kalender stehe gerade der Wochenabschnitt, der ins Deutsche übersetzt so viel heißt, wie „Du sollst dich aufmachen“ – eine Ermutigung für die Jugendlichen, nicht wegzuschauen, sondern zu erinnern für die Gegenwart.

Oberbürgermeister Mike Josef hatte die Schirmherrschaft für die Verleihung des Abrahams-Pokals übernommen. Der Frankfurter Künstler Lukas Sünder gestaltet den Pokal, vielfarbige Hände bildet er ab, ein fester Sockel trägt die Trophäe.


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Bettina Behler 436 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach