Pfarrer Thomas Diemer: Ein „Ermöglicher“ verabschiedet sich in den Ruhestand
Thomas Diemer hat die Puppen tanzen lassen, damals, als die evangelische Kirche zu viel Pfarrnachwuchs hatte, ließ der Theologe sich in Bochum zum Puppenspieler ausbilden. Und kam dann nach drei, vier Jahren auf Tour doch ins Pfarramt. Die vergangenen 34 Jahre war er Pfarrer der Evangelischen Wartburggemeinde im östlichen Nordend, unweit des Günthersburgparks. Nun geht Diemer mit 67 Jahren in den Ruhestand, am Sonntag, 14. Juni 2026, 11 Uhr, wird er in der Wartburgkirche von Prodekanin Stefanie Brauer-Noss in den Ruhestand verabschiedet.
„Wer sich Mühe gibt, hat Glück gehabt!“ steht im Gemeindebrief über der Einladung zum Abschiedsgottesdienst. Kein geläufiger Satz, aber passend. Etwas in Bewegung setzen, nicht resignieren, sich nicht abfinden, das beglückt ihn. Am besten zusammen mit anderen. Als Puppenspielerduo „Buxte & Hude“ war Thomas Diemer unterwegs auf Kirchentagen, in Gottesdiensten. Auf allerlei Festen ist er mit seinem Kompagnon und den rund ein Meter hohen Figuren aufgetreten. Improvisiert habe er dabei oft, berichtet Diemer. „Zauberhaft“ sei gewesen, was das Spiel bei den Anwesenden ausgelöst habe.
Als Gemeindepfarrer nennt Thomas Diemer sich unter anderem einen „Eventmanager“. Man könnte auch sagen ein „Ermöglicher“. Eine Zäsur sei die Abgabe des 600 Quadratmeter großen Gemeindehauses an der Günthersburgallee gewesen, 2004 wurde das neue, unmittelbar neben der Kirche gelegene, an der Hartmann-Ibach-Straße bezogen. Auch wenn mit 130 Quadratmetern seitdem deutlich weniger Fläche zur Verfügung steht, sagt er: „Und damit ging es richtig los.“ Die entstandene Nachbarschaft der Gebäude belebte.
Die Zahl der Konzerte wuchs von einst zwei im Jahr auf heute 30. Gäste kamen, um aufzutreten, aber auch neue Musikgruppen begannen zu proben. Ein Obdachlosenfrühstück erfreut sich Beliebtheit. Das Bienenprojekt im Turm entwickelte sich – „letzten Sonntag bei der Konfirmation haben wir 60 Gläser verkauft“, so der Pfarrer. Seine Frau, eine gartenaffine Kunsthistorikern, trug maßgeblich dazu bei, dass der mit dem Umzug geschaffene Gemeindegarten neben der Kirche wächst und gedeiht.
Kulturaffin ist nicht nur seine Frau, sondern auch Thomas Diemer. Der Wartburgturm wurde wiederholt zur Ausstellungsstätte – mit Portraits oder auch farbigen Ballons. Ein gutes Miteinander von Bienen und Kultur gelang. Wichtig war es dem Pfarrer bei allem Engagement vor Ort, den Horizont zu erweitern. Vor vielen Jahren begann sich die Wartburggemeinde in der Ghanapartnerschaft des Stadtdekanats zu engagieren. Der im rheinhessischen Nierstein Geborene hat auch im Studium das Internationale gesucht, in Tübingen und Marburg, aber auch in Edinburgh besuchte er die theologische Fakultät. Das Spezialvikariat führte ihn nach Palermo. Dort begann Diemers Liebe zum Puppenspiel.
Die Schaffung der Nachbarschaftsräume und die damit einhergehenden Veränderungen haben die Wartburggemeinde und Thomas Diemer herausgefordert. „Wir haben die Talsohle durchschritten“, sagt der Pfarrer. Mit dem Entschluss, dem Evangelische Frauenbegegnungszentrum EVA das Gemeindehaus zu überlassen, sei nicht das Ende der vielfältigen Aktivitäten eingetreten.
Die Gespräche verliefen äußerst erfreulich, das EVA wolle mit den bislang Engagierten die Bienen im Turm, den Garten und das Obdachlosenfrühstück erhalten, freut sich der Pfarrer. Die Treffen bisheriger Gemeindegruppen sollen weiter möglich sein, Wartburg könne damit Heimat bleiben für eine Gemeinde mit viel Engagement. Er geht davon aus, dass es auch ohne eine Pfarrperson wie ihn vor Ort ein lebendiges kirchliches Leben geben wird.
Gespannt darf man sein, was aus den Krippenspielen an Heiligabend wird, die Menschen von weithin seit Jahren anziehen. „Weihnachten in der Zukunft“, „Weihnachten auf der Osterinsel“ waren Themen, vergangenes Jahr hieß das Motto „Weihnachtszirkus“. „Wir haben einen großen Kostümfundus, von Hasenkostümen bis hin zu Raumanzügen“, erzählt Thomas Diemer. Das Ganze mündete nie in Klamauk, betont er, sondern in „ein ganz traditionelles Krippenspiel“.