Aus Chaos wird Kino
Sie alle wohnen im Frankfurter Stadtteil Berkersheim, und sie alle haben einen ähnlichen Schulweg, zumindest bis zur nächsten Bushaltestelle: Benjamin, Ellaha, Narges, Kosar, Shakila, Sidar und Osman sind übergangsweise mit ihren Familien in der Unterkunft für Geflüchtete und Wohnungslose Sportfeld Edwards zuhause, die von der Diakonie Frankfurt und Offenbach betrieben wird. Jetzt teilen sie nicht nur den täglichen Weg, sondern auch einen sehr schönen Erfolg: Zusammen haben sie einen Kurzfilm gedreht, und das sehr gekonnt. Im Frühjahr wurde „Chaos – vertrau mir!“ beim hessischen Jugend-Medien-Festival Visionale mit dem zweiten Platz ausgezeichnet.
Darauf können sie stolz sein: Das Festival zählt zu den wichtigsten Plattformen für junge Medienmacherinnen und Medienmacher in Hessen. Der Film thematisiert einen lauten und oft chaotischen Alltag, der von Streit und Gewalt geprägt ist, zeigt aber gleichzeitig den tiefen Zusammenhalt und das gegenseitige Vertrauen der Jugendlichen. Die Jury würdigte bei einer Gala im Frankfurter Gallus Theater die authentische und kraftvolle Umsetzung dieses gesellschaftlich wichtigen Themas.
Entstanden ist der Kurzfilm „Chaos – vertrau mir!“ in den Jahren 2025 und 2026 im Rahmen eines Filmprojekts des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt und Offenbach. Gemeinsam erzählen die jungen Filmemacher:innen eine Geschichte, die nah an ihrem eigenen Leben ist und zeigt, wie aus Konflikten Verständnis wachsen kann.
Begleitet wurde das Projekt von Rebekka Waitz, Sozialraumkoordinatorin im Projekt „MitWIRken“. Sie unterstützte die Jungen und Mädchen zwischen 9 und 13 Jahren dabei, ihre Ideen filmisch umzusetzen – ohne ihnen die Geschichte aus der Hand zu nehmen. So stand am Ende der vielen Proben, Szenenschnitte und Diskussionen ein Film, der die Perspektive der jungen Menschen in den Mittelpunkt stellt, eine Perspektive, die stellenweise etwas düster erscheint. Thematisiert wird zum Beispiel ein Autounfall.
„Der Film zeigt den Weg zur Schule und den teils chaotischen Alltag der Schülerinnen und Schüler“, berichtet Rebekka Waitz. Die Regisseurin hat schon oft erlebt, wie das Medium Film auch Gruppen aus Kindern und Jugendlichen zusammenschweißen kann, die unterschiedlich gut Deutsch sprechen. „Das Lernen von Text ist außerdem ein wunderbares Mittel zum Spracherwerb“, sagt Waitz. Über den Verlauf des Projekts hätten manche Kinder deutlich dazugelernt: „Pädagogische Film– und Theaterarbeit ist ein effektives Werkzeug für interkulturelle Verständigung.“
Schon während ihrer Schulzeit drehte Rebekka Waitz mit Klassenkamerad:innen kurze Filme zu verschiedenen Literaturstücken, die sie im Unterricht gelesen hatten: „So entdeckte ich meine Leidenschaft fürs Filmemachen.“ Offenbar ist es ihr gelungen, diese Leidenschaft zu transportieren: „Die Kinder möchten gerne als Gruppe einen weiteren Film drehen. Sie haben schon einige Ideen.“
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