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Aus einer Thailand-Initiative gegen Sextourismus entwickelten sie eine Beratungs- und Lobbyinstitution

Brigitte Gößling und Gertrud Mehrens: Zwei Pionierinnen christlicher Solidarität verlassen ihre Vorstandsposten bei FIM

Brigitte Gößling, (2. v. re) und Gertrud Mehrens (3. v. re) werden gerahmt von Gudrun Reinhart und Monika Kittler aus dem aktuellen Vorstand. I Foto: FIM
Brigitte Gößling, (2. v. re) und Gertrud Mehrens (3. v. re) werden gerahmt von Gudrun Reinhart und Monika Kittler aus dem aktuellen Vorstand. I Foto: FIM

„100 Jahre Weltgebetstag“ wird im März 2027 gefeiert. Für Brigitte Gößling und Getrud Mehrens wurde mit dem Weltgebetstag 1980, 46 Jahre ist das her, ein Grundstein in ihrem Leben gelegt. Thailand und das christliche Leben standen in dem Jahr bei der globalen Ökumene-Aktion im Mittelpunkt. Gößling und Mehrens wurden mit dem Thema Sextourismus konfrontiert. Thailändische Frauen berichteten davon, dass ihr Land das Image eines Bordells bekommt, weil männliche Touristen aus den reichen Ländern in Gruppen nach Thailand fliegen, auf der Suche nach billigem Sex.

„Wir wollten etwas dagegen unternehmen“, es nicht nur bei Empörung und kritischen Worten belassen, berichtet Mehrens. Die Ökumenische Thailandgruppe entstand. Mit Plakaten standen sie vor einem Frankfurter Neckermann-Reisebüro – damals ein großer Reiseveranstalter – und haben gegen die Urlaubsreisen, die Frauen zu einer Ware degradierten und mit Sextourismus warben, protestiert. Das war eine der spontanen Aktionen, denen noch viele andere folgten, die zentral zur Entstehungsgeschichte von „Frauenrecht ist Menschenrecht“, kurz FIM, gehört. So nennt sich die Organisation seit 2001, nachdem das Engagement weit über eine Solidaritätsinitative mit Thailänderinnen herausgewachsen ist und nunmehr Frauen aus aller Welt unterstützt.

Ausgezeichnet von Kirche, Kommune und Politik

Über Jahrzehnte gehörten Brigitte Gößling, heute 85, und Gertrud Mehrens, 86, dem Vorstand an, Mehrens war bis vor zwei Jahren Vorstandsvorsitzende, dieser Tage legen beide ihre Ämter nieder. Monika Astrid Kittler, aktuell Vorsitzende des unterdessen an der Voltastraße in Frankfurt ansässigen Vereins, der inzwischen 30 Hauptamtliche beschäftigt, dankt: „Nicht nur als Verein, sondern als Stadtgesellschaft haben wir den beiden Frauen viel zu verdanken. Sie haben dazu beigetragen, dass die Lebenssituation von Frauen, die durch Sextourismus und Zwangsprostitution ausgebeutet werden, auch bei uns in Kirche und Gesellschaft sichtbar wurde und wird.“

„Wir waren anfänglich eher ein 'Kaffeekränzchen' engagierter Frauen“, sagt Mehrens und lacht. „Ich bin stolz auf das, was wir in dieser Zeit entwickeln konnten und auch gelernt haben“. Das Engagement von Gößling wurde mit der Verleihung der Spenermedaille für ehrenamtliches Engagement durch die hiesige evangelische Kirche gewürdigt. Mehrens erhielt für ihr Engagement von den SPD Frauen Hessen Süd den Olympe-de-Gouges-Preis für ihre Arbeit für Frauenrechte. Die Martin-Niemöller-Stiftung zeichnete die Initiative aus, außerdem erhielt FIM auch den Frankfurter Integrationspreis.

Aus den ersten „Treffen am Küchentisch“ wurde ein eingetragener Verein, die Mitgliedschaften im Paritätischen Wohlfahrtsverband und später im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau folgten. Anfänglich erhielt die Initiative wichtige Unterstützung und Räume für Beratung bei der IAF – Verband binationaler Familien und Partnerschaften - erzählt Gößling, sie habe auch durch diese Zusammenarbeit sehr viel gelernt. Und eine Schulung bei der evangelischen Frauenarbeit habe sie gemacht, die sie pädagogisch ertüchtigte.

Ansatz: "Vor Gott sind alle Menschen gleich!"

Beide Frauen haben in der Zeit Kinder großgezogen, Mehrens vier und Gößling drei. Gößling erzählt, „ich war gelernter 'Kauf-Mann'“, hatte angesichts eines vielbeschäftigten Ehemanns wenig Spielraum. Mehrens, die unter anderem Religion auf Lehramt studiert hat und voll berufstätig war, versuchte das Engagement für FIM ins Familien- und Berufsleben einzuflechten, erhielt viel Unterstützung von ihrem Mann. Das Engagement blieb auch nach ihrem Wegzug nach Hamburg in den neunziger Jahren bestehen.

„Der Ansatz der Arbeit war und ist: Vor Gott sind alle Menschen gleich, das verleiht ihnen eine besondere Würde!“, betonen die beiden.

In kirchlichem Rahmen nicht immer selbstverständliche Allianzen wurden eingegangen. Zum Beispiel zur HWG, einer damaligen Frankfurter Prostituierteninitiative, „entstanden freundschaftliche Kontakte“, erzählt Mehrens. Mit der Organisation „Huren wehren sich gemeinsam“ teilte man sich zeitweilig ein Büro.

Über die Jahre wurde immer mehr Raum für die Arbeit benötigt, die Themen erweiterten sich, Menschenhandel, innerfamiliäre Gewalt, Gewalt im Namen der „Ehre“, Genitalbeschneidung, Flucht und Asyl gehören heute dazu. Konkrete Hilfen, aber auch Interessenvertretung, Öffentlichkeitsarbeit und Bildungsarbeit für Fachkräfte, prägen die Arbeit von FIM.

„Es ist nicht so, dass mich das nicht mehr interessiert“, sagt Gößling, bis zuletzt hat sie an Vorstandssitzungen teilgenommen. Sie bewohnt inzwischen ein Apartment in der Seniorenwohnanlage „Hufelandhaus“. 2026 gehörte sie dort zu den Mitorganisatorinnen des dortigen Weltgebetstagsprogramms.


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Bettina Behler 429 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach