Fakten und Dialog rund um die evangelische Gebäudeplanung
Bis Ende 2026 soll den Anforderungen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und deren Reformprozess ekhn2030 entsprechend ein Gebäudebedarfs- und –entwicklungsplan für das Evangelische Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach vorhanden sein. Die gestrige Tagung von Evangelischer Regionalversammlung und Stadtsynode im Frankfurter Dominikanerkloster diente maßgeblich der Vorbereitung der Entscheidungen, die das Kirchenparlament in seiner Sitzung im Dezember 2026 zu fällen hat.
Unter anderem wurde im Großen Saal des Dominikanerklosters eine Übersicht von sogenannten C-Flächen, für die langfristig keine Nutzungsperspektive gesehen wird, von den Delegierten verabschiedet. Zudem kam es zu einem Beschluss über die Bauprioritätenliste 2027. Sie geht von einer Reduktion der Bauzuweisung der Landeskirche für Kirchen und Gemeindehäuser ab 1. Januar kommenden Jahres um 35 Prozent aus. Und doch will die hiesige Evangelische Kirche mit einem Haushaltsvolumen in Höhe von 26,209 Millionen Euro 2027 eine Reihe an Projekten in Angriff nehmen. Zum Vergleich: Die Budgetzahlen der Vorjahre betrugen 2025 34,013 Millionen, 2026 sind 27,47 Millionen in dem Bau-Topf.
Zu den geplanten Maßnahmen des kommenden Jahres zählt beispielswiese eine Sanierung des barocken Turms der Johanniskirche in Frankfurt-Bornheim, dafür sind 615.000 eingeplant. Eine Fassaden- und Dachsanierung der Erlöserkirche in Frankfurt-Oberrad steht mit 410.000 Euro in der Liste. Da geht es um ein ganzes Ensemble, der größere Posten sind 955.000 Euro, die für die Ertüchtigung des Kita-Gebäudes vorgesehen sind.
Für die Kita der Evangelischen Mirjamgemeinde im Musikerviertel in Offenbach plant die ERV-Bauabteilung Sanierungen innen und außen und hat dafür insgesamt 735.000 Euro vorgesehen. Für den Abbruch der Kindertagesstätte und Kirche sowie des benachbarten Gemeindehauses und des Wohnpavillons der Lukas- und Matthäusgemeinde in Offenbach-Tempelsee und die anschließende Sicherung des Areals sind 645.000 Euro in der Bauprioritätenliste verzeichnet. Anrainend befindet sich ein neues Gemeindehaus, ein Freiluftkirche, die sehr gut angenommen werden.
Der Stadtdekan und der Leiter der Bauabteilung setzen auf Gespräche
„Wir werden aus dem Sparen nicht mehr so richtig rauskommen“, sagte Holger Kamlah, Stadtdekan und Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Regionalverbandes in seiner Einführung der Sitzung. Da bezog er sich auf zurückgehende Projektmittel, ähnliche Töne schlug er beim Bauen an - jedoch zusammen mit dem Leiter der Bauabteilung des Evangelischen Regionalverbandes Cornelius Boy um Aufklärung und Beruhigung bemüht. Beispielsweise bezüglich der C-Flächen: Die bisherigen Nutzer könnten entscheiden, ob sie aus eigenen Mitteln in der Lage sind, die Gebäude weiter zu unterhalten, aber nicht nur das seien Optionen, für den Sozialraum gebe es weitere Möglichkeiten. „Wir werden zuallererst mit den Gemeinden ins Gespräch gehen“, sicherte Kamlah zu. Es gebe auch gute Gespräche mit der Stadt, mit dem Sportkreis Frankfurt, berichtete er. Bauabteilungsleiter Boy wies darauf hin, dass es die meisten kirchlichen Bauten und deren Grundstücke dem Gemeinbedarf, also nicht dem Wohnungsbau, zugutekommen müssen. Vermieden werden solle bei den Gemeindehäusern und anderen Immobilien Leerstand, sicherte Stadtdekan Holger Kamlah zu.
Einzelne Gemeinden haben schon Flächen abgegeben oder sind in intensiven Gesprächen. Eine Entscheidung hat beispielsweise schon die Wartburggemeinde im Frankfurter Nordend getroffen, sie überlässt ihr Gemeindehaus dem Evangelischen Frauenbegegnungszentrum EVA, das seinen Bau an der Saalgasse in der Innenstadt verlässt, weil hier das Haus der Jugendkirchenmusik entstehen soll.
Dritte Orte und Ideen von Darmstädter Architekturstudierenden
Neben dem Gespräch über Prozesse und Fakten hatten die Delegierten auch Gelegenheit, sich mit den Ideen junger Studierender der Hochschule Darmstadt zur Gestaltung der Weißfrauen Diakoniekirche im Frankfurter Bahnhofsviertel und der Neuen Schlosskirche in Offenbach zu befassen. Im Foyer vor dem Sitzungssaal wurden Modelle gezeigt, im Parlament erläuterten Professor Lars Uwe Bleher, Sudiengangsleiter für Architektur in Darmstadt, Professor Robert Zeimer, der dort Innenarchitektur lehrt, und Christian Holl, Geschäftsführer und Landessekretär des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten Hessen, die Entwürfe der Nachwuchsplaner:innen. Diakoniepfarrer Markus Eisele, Theologischer Geschäftsführer des Evangelischen Regionalverbandes sagte in seinem Statement dazu: „Auch Kirchen können dritte Orte sein, gerade auch für Menschen, die keine enge Bindung an Kirche haben“. Der Begriff „dritte Orte“ stammt von Ray Oldenburg, er meint damit soziale Orte zwischen Zuhause und Arbeit.
Begrünung innen und außen, vor allem aber Bildung von „Räumen im Raum“ prägten die Darstellungen der Architekturstudierenden. Mut, Innovation, Polyvalenz, Gemeinschaft, Symbolik gehören zu den Begriffen, die die Entwürfe leiteten. Die Skizzen und Modelle stünden nicht in Verbindung mit konkreten Planungen, sagte Kamlah. Aber sie regen an. Und: In der Weißfrauen Diakoniekirche wird es im Rahmen diesjährigen Programms World Design Capital Rhein-Main im Juni „Mockups“, modellhafte Umsetzungen, geben.