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Froher Mut und Gemeinschaft brauchen Platz zum Atmen

Ökumenischer Gottesdienst auf dem Römerberg: rund 700 Leute feiern mit bei strahlendem Sonnenschein.

Gut behütet und froh gemut   I Foto: Rolf Oeser
Gut behütet und froh gemut I Foto: Rolf Oeser

27 Grad zeigte das Handy am Ende des ökumenischen Gottesdienstes auf dem Römerberg an Pfingstmontag an. Gefühlt stand eine Drei vorne – und doch blieben die rund 700 Menschen, die gekommen waren, um der Predigt des evangelischen Stadtdekans von Frankfurt und Offenbach, Holger Kamlah, zu folgen, gemeinsam mit der Band von Dekanatskantor Simon Graeber und den Ensembles der Frankfurter Bläserschule unter der Leitung von Sunhild Pfeiffer zu singen, alle bei Atem. Die Sanitäter:innen am Rande konnten entspannt bleiben.

„Atem holen – Mut. Für Morgen“ lautete das Motto des Gottesdienstes. Atemlosigkeit – ein Gefühl unserer Zeit: Weniger physisch, eher psychisch gehe den Menschen angesichts der Kriege und Krisen der Atem aus, sagte Kamlah. „Wir leben in einer Zeit, die uns den Atem verschlägt.“ Die Menschen suchten nach Orientierung, stattdessen würden ihnen vielfach „Feindbilder angeboten“. Es gebe nun einmal keine einfachen Lösungen, sagte Kamlah. „Wer flach atmet, denkt auch flach und eng.“ Und das verhindere Gemeinschaft.

Stadtdekan Holger Kamlah lud eingangs zu einer Atemübung ein - 30 Sekunden oder eine Minute hielt die Puste bei den meisten . I Foto: Rolf Oeser
Stadtdekan Holger Kamlah lud eingangs zu einer Atemübung ein - 30 Sekunden oder eine Minute hielt die Puste bei den meisten . I Foto: Rolf Oeser

Der Mensch, gemacht aus Staub und Erde, sei von Gott „angeatmet“, erinnerte der Stadtdekan. Verletzlich und abhängig gehe er durch diese Welt. Kamlah griff an anderer Stelle die biblische Erzählung von Ezechiel auf. Der Prophet steht in einem Tal voller Totengebeine – ausgetrocknet. In diese apokalyptische Erzählung hinein wehe aus vier Richtungen der Geist Gottes, Bewegung ersetze Starrheit. Gemeinschaft werde möglich. Gott frage nicht nach Herkunft: „Er spricht alle Sprachen. Er verbindet, was getrennt war.“

Pfarrer Alexander Bitzel, zu dessen Gottesdienstorten die Alte Nikolaikirche auf dem Römerberg gehört, erinnerte an die Vielsprachigkeit, die mit dem „Pfingstwunder“ verknüpft wird – eine Vielsprachigkeit, die zu Verständnis, Freundlichkeit und Frieden passt. Dass Frieden in dieser Welt eben nicht herrscht, wurde an verschiedenen Stellen deutlich. Viktoriia von Rosen vom Ukrainian Coordination Center e.V. (UCC) erinnerte beispielsweise in ihren Fürbitten an die Bombardements, die ihre Heimat tödlich treffen. Holger Kamlah erwähnte neben der Ukraine auch den Kongo, den Sudan, den Libanon, den Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023, den anschließenden Krieg zwischen Israel und der Hamas sowie die dystopischen Landschaften in Gaza.

Im Wechsel wurde im Gottesdienst die Apostelgeschichte zu Pfingsten vorgelesen: Bitzel begann auf Deutsch, einen Abschnitt übernahm von Rosen in der Sprache ihrer Heimat, Charlotte Njikoufon von der Französisch-reformierten Gemeinde trug den Schluss auf Französisch vor. Njikoufon ist Vorsitzende des in Frankfurt ansässigen Netzwerks KONE e.V., das Schwarze Menschen und Menschen afrikanischer Herkunft verknüpft. Vor dem Gottesdienst erzählte sie im Interview, wie sie Mut geschöpft habe, das Wort zu ergreifen: durchzuatmen und auf Gott zu vertrauen – auch dann, wenn die Runde sehr groß ist. Um Mut zu schöpfen, ging es auch in dem Gespräch mit Amir Joukar auf der Bühne. Vor zwei Jahren ist der Geographielehrer und Dozent aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Mut schöpft er unter anderem aus seinem Ehrenamt im Secondhandshop der Diakonie. Natascha Schröder-Cordes, Leiterin des Evangelischen Familienzentrums in Frankfurt-Höchst, liegt das dortige Eltern-Kind-Café besonders am Herzen. Wenn ein Baby geboren werde, „hat sich die Welt komplett geändert“ – Unsicherheit und Beklemmung machten sich breit, so Schröder-Cordes im Austausch vor dem Gottesdienst. Der offene Treff gebe Gelegenheit, sich zu vernetzen, durchzuatmen, Luft zu holen und zuversichtlich zu bleiben, auch wenn nicht alles perfekt laufe.

Junge Musizierende der Bläserschule nutzten den Römerbalkon als Bühne I Foto: Rolf Oeser
Junge Musizierende der Bläserschule nutzten den Römerbalkon als Bühne I Foto: Rolf Oeser

Zahlreiche Menschen folgten nach dem Gottesdienst der Einladung der neuen Ökumenepfarrerin Maibritt Gustrau in das nahe gelegene Dominikanerkloster, wo ein internationales Fest gefeiert wurde.

Manche hatten jedoch schon zuvor ein erstes kühles Getränk zu sich genommen. Mit Gottesdienstblatt in der Hand saßen nicht wenige auf dem Römerberg auf den Schattenplätzen der umliegenden Cafés.

Überhaupt: Dieser Gottesdienst war ein Rundumerlebnis. Vom Balkon des Römers, wo sonst Pokale hochgehalten werden, erklangen Ensembles der Frankfurter Bläserschule und sorgten für eine besondere Atmosphäre.


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Bettina Behler 414 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach