Gesegnet: Erste Hilfe für die Seele
Stille in der Heiliggeistkirche am Frankfurter Dominikanerkloster, selbst eine Stecknadel würde sich bemerkbar machen – ein Rund von mehr als 25 Notfallseelsorgerinnen hat sich um den Altar aufgebaut, darunter fünf neue, die an diesem Abend beauftragt werden alle empfangen sie einen Segen. Per Fingerzeig signalisieren die Anwesenden in welcher Form. Christiane Moser-Eggs, Leitung der Katholischen Stadtkirche Frankfurt, Holger Kamlah evangelischer Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach und Diakoniepfarrer Markus Eisele segnen nach Wunsch: in die Hände hinein, durch Auflegen auf die Schulter den Kopf. In die Stille der Innenstadtkirche hinein schallt mitten im Segnen das Martinshorn eines Einsatzfahrzeuges: Fast symbolhaft.
24 Stunden an 365 Tagen im Einsatz
„Notfallseelsorge ist erste Hilfe für die Seele“ formuliert Silke Bründermann, die Leiterin der bei dem Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach angesiedelten Notfallseelsorge. Ein klassischer Satz sei das, aber auch zutreffend, sagt die Sozialarbeiterin, die mit ihrer Mitarbeiterin Birgit Nordquist die Qualifikation geleitet hat. 24 Stunden an 365 Tagen seien diese Ehrenamtlichen im Einsatz, erwähnt Diakoniepfarrer Eisele. „Was Sie hier im Sinne gelebter Nächstenliebe – und für manche auch als Ausdruck ihres Glaubens – tun, ist unverzichtbar für unsere Stadt“, dankte der Theologische Geschäftsführer des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt und Offenbach den neuen und den schon länger Dienst tuenden Ehrenamtlichen.
Ausgehend von einer Heilungsgeschichte im Markusevangelium hielt Eisele die Predigt: Jesus nimmt darin einen Menschen beiseite, spricht ihm „Effatá!“ – „Öffne Dich““ zu und der Taubstumme hört und findet Worte. Markus Eisele leitete daraus drei Aspekte ab: „Behutsamkeit kann man lernen“, „Beiseite – aber nicht allein“ und „Sprache darf wiederkommen“.
Kraft für traumatisierende Situationen
Die anwesenden Notfallseelsorger:innen sind verschiedenen Konfessionen oder auch keiner Glaubensrichtung verbunden, so Bründermann. Religiöse Aspekte werden in der Ausbildung reflektiert, aber in den Notsituationen nicht übergriffig eingesetzt. Christiane Moser-Eggs, die den am Flughafen tätigen Pastoralreferenten Peter Schaderlapp als zusätzlich in Notfallseelsorge qualifiziert in der Heiliggeistkirche begrüßen konnte, befasste sich in ihrem Grußwort mit dem Begriff „Seelsorge“. Für manche klinge das „churchy“, bei „Notfallseelsorge“ komme der Begriff – so sage es auch der Duden, im Alltag an, bei Personen, „die traumatisierendem Ereignis ausgesetzt waren“. Moser-Eggs wünschte den Notfallseelsorger:innen viel Kraft , um in herausfordernden Situationen „nahe bei den Menschen zu sein“.