Hochzeitssegen im „7. Himmel”
Es ist schon spät an diesem heißen Freitagabend vor der jugend-kultur-kirche sankt peter in der Frankfurter Innenstadt. Im Hintergrund klingt gerade ein Saxophon aus. Es begleitete eine Segnung am „Hochzeitsbogen“. Aus dem Haupteingang kommen Christina und Volker Überall einander an den Händen haltend auf den Kirchhof. Das Paar hat sich im Rahmen der bundesweiten evangelischen Aktion „einfach heiraten” trauen lassen.
Pfarrerin Sandra Hämmerle aus der Schöpfungsgemeinde hat die Brautleute zu einem kurzen Traugespräch unter einem Pavillon empfangen. Derweil sind die Gäste von Christina und Volker auf den Hof von sankt peter geströmt, einen geschmückten Bollerwagen hinter sich herziehend. „Eine Überraschung für das Brautpaar”, ruft einer von ihnen. Der Bräutigam ist überrascht und „sehr aufgeregt”, wie er sagt.
Seit sechs Jahren sind die beiden inzwischen verheiratet. Ihre standesamtliche Trauung fand am 4.4.2020 statt, in den Anfangstagen des Corona-Lockdowns. „Plötzlich standen wir ganz allein vor der Standesbeamtin”, erzählt Christina Überall. Die Trauung konnte noch stattfinden, Gäste waren keine mehr erlaubt. „Deswegen sind wir heute hier. Das Schnapszahl-Datum passt perfekt zu unserer amtlichen Trauung”, sagt die 61 Jahre alte Braut. Dann versammelt sich die Hochzeitsgesellschaft auf dem Rollrasen unter dem Hochzeitsbogen vor der Kirche. Wieder setzt das Saxophon ein.
Rund um das beliebte Datum 26.06.2026 gab es in ganz Deutschland an etwa 370 Orten Events unter dem Motto „einfach heiraten”. Dabei trauten Pfarrerinnen und Pfarrer standesamtlich verheiratete Paare kirchlich. Oder segneten diejenigen, deren Wunsch das war. Elf Segnungen gab es neben der Hochzeit von Christina und Volker ab dem späten Nachmittag in sankt peter.
Andrea und Florian Wenske kommen gerade aus dem „7. Himmel”, wo sie ihren Segen empfangen haben. Ein Raum mit riesigem Kirchenfenster im Obergeschoss der jugend-kultur-kirche wurde mit Hockern und Sesseln hergerichtet. Das Paar ist seit 26 Jahren verheiratet. Ursprünglich war eine Segensfeier in Thailand zur Silberhochzeit im vergangenen Jahr geplant. „Gesundheitliche Gründe haben unsere Pläne durchkreuzt”, erläutert der 66-jährige. Dann entdeckten die beiden eine Anzeige für das Event von „MainSegen“ im Gemeindeblatt. „Wir wollten nichts mehr aufschieben und haben uns für ,einfach heiraten‘ entschieden”, sagt die 59 Jahre alte Braut. Strahlend posiert das Paar für Fotos, die ihre engsten Freunde schießen. Dann wird noch mit einem Glas Sekt angestoßen.
Pfarrerin Katja Föhrenbach von „MainSegen” der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach zieht Bilanz. „Trotz der extremen Hitze gab es fünf spontane Segnungen. Darüber haben wir uns sehr gefreut.” Das Thermometer zeigt am späten Abend 38 Grad an, niemand vom Team rechnete mehr mit weiteren Paaren. Drei Absagen gab es. Und dann kam eine Überraschung: Pfarrerin Anja Harzke, die mit Katja Föhrenbach das MainSegen-Duo bildet, erzählt: „Ein sehr besonderer Moment war, als sich das junge Gastro-Paar, das den ganzen Tag über die Paare und das Team bekochte, spontan um 21.30 Uhr entschloss, sich auch kirchlich segnen zu lassen. Gäste waren die Pfarrerinnen und Pfarrer und Helfer:innen, das war ein sehr berührender und schöner Abschluss."
An den Bistrotischen wird kurz vor dem Ende der Veranstaltung um 22 Uhr noch angestoßen, auf der romantischen „Liebesbank” unter einer Linde gibt es letzte Fotos für die Hochzeitsalben. Dem Brautpaar Christina und Volker Überall wird ihre Heiratsurkunde überreicht. Gemeinsam mit Freunden und der Familie wollen die beiden den Abend gemütlich ausklingen lassen. „Wir sind happy, heute hier geheiratet zu haben”, sagen beide. Die Erleichterung und Freude ist ihnen anzumerken. Dann steigen beide in ein Cabrio und fahren davon.