Mit MainSegen Neues ermöglichen
Dass Taufen nicht unbedingt im Kirchraum stattfinden müssen, hat Anja Harzke schon früh erfahren. Die Pfarrerin, im November 1965 in Darmstadt geboren und bei Babenhausen aufgewachsen, wurde zu Hause getauft: Der Ortspfarrer, ein aufrechter Lutheraner, habe gesagt: „Es ist doch viel zu kalt, wir taufen daheim.“ Harzke versichert, „ich war ein vitales Baby, daran lag es nicht“.
Lösungen für Taufen, Hochzeiten, Trauernde und andere Segensgelegenheiten zu finden, die zu den Leuten passen – auch mal jenseits des Kirchplatzes – ist seit einigen Monaten Anja Harzkes Aufgabe. Seit vielen Jahren ist sie Pfarrerin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, hat auch interreligiöse Erfahrung, nun seit einigen Monaten nicht nur in der Frankfurter Dornbuschgemeinde. Zusammen mit Pfarrerin Katja Föhrenbach bildet sie das hauptamtliche „MainSegen“-Team des Evangelischen Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach.
Föhrenbach ist schon seit einem Jahr dabei, unkonventionelle Angebote zu machen. Beispielsweise wenn ein Lebensabschnitt zu Ende geht. Ihre Kollegin habe auch schon den Wunsch einer Frau erfüllt, die angesichts der Abgabe ihres Schrebergartens aus Altersgründen bang in die Zukunft schaute, erzählt Harzke. „Das war ein besonderer Wunsch, aber es ist schon ganz Unterschiedliches an MainSegen herangetragen worden.“
Beim ersten Tauffest des Stadtdekanats im Sommer 2022 – 69 Täuflinge zwischen 0 und 12 Jahren wurden gezählt und über 400 Gäste – wirkten Katja Föhrenbach und Anja Harzke neben vielen anderen Kolleg:innen mit. Ihr habe gefallen, dass sich hier Menschen, die „irgendwie den Richtigen Zeitpunkt für die Taufe verpasst zu haben schienen“, kamen, dass Alleinerziehende das Angebot als Chance verstanden haben, dass Menschen, die nicht den Weg in die Kirchengemeinden fanden, oder Menschen mit weniger Geld es nutzten, sagt Harzke, „überhaupt die Offenheit“ und es war ein wunderbares fröhliches Fest am Main.
2025, am 25. Mai, gab es „einfach heiraten“ – ein Trauungs- und Segensangebot in Sankt Peter. Kirchlicher Segen wurde von einigen Paaren erstmals in Anspruch genommen, von manchen auch wiederaufgefrischt. Im vergangenen Jahr war es eine Tagesveranstaltung, am 26. Juni 2026 handelt es sich um einen Freitag. Damit Paare und ihre Gäste 2026 auch nach einem Arbeitstag das Angebot annehmen können, wurde der zeitliche Rahmen auf 17 bis 22 Uhr festgelegt.
In diesem Rahmen geht viel: Hochzeitsfeier unter dem Blumenbogen auf der Terrasse der Jugendkulturkirche Sankt Peter in der Frankfurter Innenstadt, intime Atmosphäre in der Kapelle von Sankt Peter, große Bühne im Saal. „Das können sich die Leute aussuchen“, erläutert Anja Harzke, genauso wie die Musik. Saxophon wird dabei sein, auf Wunsch auch eine Band, Gesang mit Gitarre oder Orgel. Manuel Dahme, Kirchenmusiker in Heddernheim, sei Teil der Vorbereitungsworkshops auf dieses Fest. Gefreut haben Harzke und ihre Kollegin sich über die Mail eines Paares, das sich im vergangenen Jahr hat trauen lassen, damals mit Baby im Bauch, jetzt würden sie gerne das Kind vom MainSegen-Team taufen lassen.
Zufall ist, dass an einem weiteren 26. in diesem Jahr eine andere größere MainSegen-Veranstaltung stattfindet, am Samstag, 26. September, von 12 bis 17 Uhr in der Sankt Katharinenkirche. Unter dem Titel „geliebt - verflucht - getrennt - gesegnet“ geht es um das schwierige Thema Trennung. Sie haben sich schwer getan mit der Titelwahl, Harzke findet es in Ordnung, dass da nicht einfach flott formuliert oder bagatellisiert wird und Menschen erfahren: auch im Scheitern ist da ein Raum für mich. MainSegen will Schwellen senken, aber nicht den Gehalt des Segens. „Klage über Verlorenes, Trauer, aber auch Befreiungselemente“ sollen das Angebot in der Katharinenkirche prägen, so Harzke, und individuelle seelsorgliche Offerten.
Anja Harzke hat sich wie ihre Kollegin bewusst für zwei Standbeine entschieden, sie ist am Dornbusch weiter mit halber Stelle tätig, Föhrenbach in der Lydiagemeinde in Praunheim/Hausen. Als Pfarrerin engagiert sich Harzke zudem in der Landessynode, und in der Flüchtlingsarbeit. Ihr Beruf ist für sie ein weites Feld, nachdem die beiden Söhne aus dem Haus sind, freut sie sich darauf, nun im Team weitere Segensformen zu entwickeln und anzubieten.