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Mut für neue Wege – im Arbeitsleben und mit der Perspektive „Ruhestand“

Pfarrerin Petra Lehwalder wird am 29. August nach 13 Jahren Dienst in Harheim und Nieder-Erlenbach verabschiedet.

Petra Lehwalder - zusammen mit einer ihrer drei Enkelinnen I Foto: privat
Petra Lehwalder - zusammen mit einer ihrer drei Enkelinnen I Foto: privat

„Nichts ist unmöglich“ – der Satz wäre Petra Lehwalder, scheidende Pfarrerin von Nieder-Erlenbach und Harheim, vermutlich zu platt. „Vieles ist möglich“ – passt schon eher zu der Arbeitsweise der 66-Jährigen, die Ende August nach 13 Jahren im Frankfurter Norden in den Ruhestand geht. Vieles hat sie in diesen Jahren auf den Weg gebracht, aber auch anderen Freiräume gewährt.

Beispielsweise: Als ein Gemeindemitglied einen Malworkshop vorschlug, dessen Ergebnisse in einen Gottesdienst einfließen sollten, hat sie „ja“ gesagt, als die gemeindliche Kinder- und Jugendarbeit im Aufbau war und eine Kraft eingestellt werden sollte und die beiden Gemeinden alleine ein Gehalt stemmen mussten, hat die Theologin, die auch Diplom-Pädagogin ist, dafür getrommelt und mit vereinten Kräften das Geld zusammenbekommen.

Petra Lehwalder, geboren in Wiesbaden, später aufgewachsen in Nieder-Selters und Limburg, kommt aus einem katholischen Elternhaus. Mit 19 entschloss sie sich zum Konfessionswechsel und zur Aufnahme des Pädagogikstudiums. In ihr gärte weiter die Frage, „was ist der Mensch, was steht dahinter“ – daraus erwuchs das Doppelstudium, das sie 1989 ins Pfarramt führte.

Lange Jahre war Lehwalder an beruflichen Schulen in Frankfurt tätig – der Bergiusschule, Sachsenhausen, und der Bertha-Jourdan-Schule im Nordend – doch dann hatte sie noch mal Lust auf Gemeinde. „Wichtig war mir, dass die Familie das auch wollte.“ Dem Sohn, damals 14, und dem Ehemann gefiel der erste Eindruck von Harheim und Nieder-Erlenbach. Die Tochter, heute in Niederrad mit ihrer Familie ansässig, war damals schon im Studium.

Auch in den beiden seit 2005 pfarramtlich gemeinsam versorgten Gemeinden blieb das Engagement für Jugendliche zentral für Lehwalder: „Mir war es immer wichtig, ihnen zu vermitteln, dass sie in ihrer Einmaligkeit kostbar sind.“ Jugendliche sind es auch, die mittlerweile hier den Kindergottesdienst verantworten. Die Pfarrerin ist zuversichtlich, dass das auch nach ihrem Weggang fortgesetzt wird.

Gottesdienste sind Petra Lehwalder ein wichtiges Anliegen: Neue Formen entstanden im Laufe der vergangenen 13 Jahre, beispielweise der Gottesdienst zu Himmelfahrt auf dem Obsthof Schneider in Nieder-Erlenbach unter blühenden Apfelbäumen. Die Osternacht im Kirchgarten, am Samstag, ab 23 Uhr, zog viele aus allen Generationen an. Junge Erwachsene hätten oft mit am Feuer gestanden und seien danach noch losgezogen, „Party machen“, erzählt Lehwalder. Gegen 1.30 Uhr hätten sie und ihr Mann die Glut nach Hause getragen. Oder die meditativen Taizé-Gottesdienste am letzten Sonntag eines Monats um 17 Uhr, die Gottesdienste 2.0 mit Band in Nieder-Erlenbach, Friedensgebete in Harheim seit dem russischen Überfall auf die Ukraine – die Ideen sind nur so gesprudelt und Petra Lehwalder fand in beiden Gemeinden Mitwirkende, die sie mit ihr auf eine solide Basis stellten. In Krisen wusste sie zu improvisieren: Beispielweise feierte sie in Coronazeiten einen Pfingstgottesdienst auf dem Aldi–Parkplatz.

Mit ihren evangelischen und katholischen Kolleginnen in der Nachbarschaft schuf Lehwalder vor zwölf Jahren die „Inselabende für Frauen“, eine Gelegenheit, nach dem Alltagsspagat auszuspannen. Sie selber will auch erstmal entspannen, schauen, was der neue Abschnitt „Ruhestand“ bringt.

Aktuell sucht Petra Lehwalder mit ihrem Mann eine Wohnung im Frankfurter Norden. Ihre bisherige Bleibe, das Pfarrhaus, wird als Teil eines Gemeindeensembles demnächst aufgegeben. Lehwalder hat noch mitgewirkt an den Planungen für einen 50 Quadratmeteranbau an die Kirche. Sie wird sich den Fortschritt bestimmt anschauen, vielleicht beim Spaziergengehen mit den drei Enkeltöchtern.


Verabschiedung: Samstag, 29. August, 14 Uhr, evangelische Kirche Nieder-Erlenbach, Zur Charlottenburg 1.


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