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Neue Klänge an der Hauptwache

Großzügiges Vermächtnis ermöglicht Ausbau der Rieger-Orgel von Sankt Katharinen: Der 2022 verstorbene Stefan Eisenhardt hat sein Erbe der Orgelmusik gewidmet.

Martin Lücker freut sich auf den Einbau der Pfeifen. I Foto: Bettina Behler
Martin Lücker freut sich auf den Einbau der Pfeifen. I Foto: Bettina Behler

„Ich kann es kaum erwarten“, sagt Professor Martin Lücker und blickt auf die Orgelpfeifen, die vor ihm liegen. Nach Größe sortiert warten sie darauf, dieser Tage eingebaut zu werden in ein neues schwellbares Fernwerk, unsichtbar platziert auf der Rückseite der Orgel. „Eisenhardt-Werk“ soll es heißen zur Erinnerung an Stefan Eisenhardt.

Seit 1989 besuchte Eisenhardt – in der Frankfurter chemischen Industrie tätig – regelmäßig die Konzerte der Reihe „30 Minuten Orgelmusik“, die Lücker seit 1983 montags und donnerstags um 16.30 Uhr in der Kirche an der Hauptwache spielt. 2022 verstarb Eisenhardt überraschend. Sein großzügiges Vermächtnis „zur Förderung der Orgelmusik vornehmlich im Bereich St. Katharinen“ ermöglicht nun einen Ausbau der Rieger-Orgel von Sankt Katharinen.

Ausbau der Tonlagen der Romantik

Am Sonntag, 31. Mai, wird die um romantische Farben in eher zurückgenommenem Piano erweiterte Orgel erstmals morgens um 10 Uhr im Festgottesdienst anlässlich der Fertigstellung der Sanierung von Fassade und Dach der Hauptwachenkirche erklingen.

Die Ergänzung der Rieger-Orgel hat einiges mit dem deutschen Mauerfall 1989 zu tun. In der Bundesrepublik hatten sich nach 1945 klanglich eher barock ausgerichtete Instrumente durchgesetzt, auch in der am 22. März 1944 zerstörten Sankt Katharinenkirche war 1954 eine entsprechende neue Walcker-Orgel installiert worden.

Angesichts fehlender Mittel waren in der DDR recht viele von der Musikromantik geprägte Orgeln erhalten geblieben. Auf eine solche stieß Martin Lücker im Dom zu Merseburg. „Dort habe ich Klänge gehört, die ein Traum sind“, sagt Lücker und fügt hinzu: „zunächst noch unter Patina, später vorbildlich restauriert“. Michael Schönheit, der Merseburger Domorganist, wurde damals zu „einem geschätzten Kollegen und lieben Freund“.

Zum Auftakt Konzert mit Gottes- und Marienlob

Im Frühjahr diesen Jahres veranlasste die Stadt Frankfurt am Main als Besitzerin der Dotationskirche Sankt Katharinen eine turnusgemäße Reinigung der Rieger-Orgel. Das aufgefrischte Instrument konnte Lücker am Gründonnerstag wieder präsentieren. Nach Ostern begannen die Arbeiten am Eisenhardt-Werk, die nun kurz vor dem Abschluss stehen.

Um dem von Stefan Eisenhardt überlassenen Erbe einen angemessenen rechtlichen Rahmen zu geben, wurde die gGmbH „Orgelmusikfonds St. Katharinen“ gegründet. Als Geschäftsführer steht Lücker dabei Deniz Rehbein zur Seite, der Erfahrungen aus dem Hotelmanagement mitbringt und so musik- wie orgelbegeistert ist. Die Kommune dürfte froh sein, dass der Fonds auch Mittel für die langfristige Pflege des neuen Fernwerkes bereithält.

Wegen Erkrankung des Intonateurs werden eventuell bis zur Indienstnahme am 31. Mai noch nicht alle neuen Register spielbar sein. Deshalb wird das ursprünglich geplante Konzert von Michael Schönheit verlegt auf Mittwoch, 26. August 2026, 19.30 Uhr, als Abschluss des Frankfurter Orgelsommers in St. Katharinen.

Martin Lücker springt am 31. Mai ein und wird um 18 Uhr mit einem Orgelkonzert unter dem Titel „Gottes- und Marienlob“ den Dank für diesen Tag musikalisch abrunden.

Informationen über alle Orgelmusiken und -konzerte:

www.stk-musik.de

www.30-min.de


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Bettina Behler 413 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach