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Pfarrerin Luisa Karge traut sich zu zweifeln und von Gott zu reden

Am 1. September fängt die 41-Jährige als Pfarrerin der Ginnheimer Bethlehemgemeinde an.

Pfarrerin Luisa Karge wechselt in die Ginnheimer Bethlehemgemeinde I Foto: Rolf Oeser
Pfarrerin Luisa Karge wechselt in die Ginnheimer Bethlehemgemeinde I Foto: Rolf Oeser

Zu einer guten Predigt gehört auch die Körpersprache. Wildes Gestikulieren, ausgefahrene Zeigefinger sind Tabu, aber das Gesagte mit den Händen unaufdringlich unterstreichen, macht es neben dem Blickkontakt anschaulicher, stellt Kontakt her. Luisa Karge, 41, ab 1. September Pfarrerin der Evangelischen Bethlehemgemeinde in Frankfurt-Ginnheim, nutzt im Gespräch zu ihrem Stellenwechsel von Egelsbach-Langen an den Main die Hände, sparsam und kommunikativ. Gut vorstellbar wird, wie sie beim Predigen agiert.

„Eine Teamplayerin“ sei Karge, attestierten ihr unisono Pfarrkollegin und Kirchenvorstandsmitglied in einem Artikel zu ihrer Verabschiedung. Ihre „offene, freundliche und empathische Art“ lobte ihr Vorgesetzter, Dekan Steffen Held, in dem Beitrag der Lokalzeitung.

Der Weggang aus dem Landkreis Offenbach bedeutet allein beruflich einen Ortswechsel. Luisa Karge wohnt mit ihrem Mann, gleichfalls Theologe und an einer Frankfurter beruflichen Schule tätig, im Frankfurter Nordend. Wenn die Pfarrwohnung fertig ist, wird die Patchworkfamilie umziehen, zu der gemeinsame Zwillinge, acht Jahre alt, und zwei weitere Kinder, die oft vor Ort sind, gehören. Luisa Karge freut sich darauf, mehr Platz zu haben in der neuen Bleibe und das Umfeld der Bethlehemgemeinde auf der Straße oder auch im Supermarkt besser kennenzulernen.

Abgesehen von einem Freiwilligendienst mit Aktion Sühnezeichen in Israel nach dem Abitur, dem Studium in Mainz und Berlin, einem überkonfessionellen Auslandsjahr in Oxford, dem Vikariat in Seligenstadt und bei Brot für die Welt in Berlin und Kenia, ist die Pfarrerin durch und durch Frankfurterin. An der Elisabethenschule hat sie Abitur gemacht, Olaf Lewerenz, heute Stadtkirchenpfarrer an Sankt Katharinen, war ihr Religionslehrer. In der Petersgemeinde im Nordend wurde sie von Pfarrerin Lisa Neuhaus konfirmiert.

Der Weg in Religionsunterricht und Kirche war für Luisa Karge nicht selbstverständlich. Der Vater war für den Suhrkamp-Verlag tätig, die Mutter hat den Verein zur beruflichen Förderung von Frauen mit aufgebaut: „Meine Eltern gehören zur 68er-Generation. Sie haben uns Gleichberechtigung und gesellschaftskritisches Denken vorgelebt“, berichtet sie. Die Großmutter, „eine sehr fromme Frau“, brachte religiöse Impulse rein. Die Eltern waren beide aus der Kirche ausgetreten. „Als sie mit mir schwanger war, ist meine Mutter wieder eingetreten“, erzählt Karge. „Bei meiner Taufe haben sie alle gestrahlt, das ist für mich ein sehr schönes Bild.“

Zweifel zu haben, gehört für Karge zum Glauben, aber auch von Gott reden zu können. Das habe sie von den Mainzer Lehrveranstaltungen von Professorin Christiane Tietz, der gegenwärtigen Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), mitgenommen. Dieser Ansatz, der auf den berühmten Theologen Karl Barth Bezug nimmt, habe sie geprägt, sagt Karge.

Sozusagen zwischen den Zeiten fängt sie in Ginnheim an. Ein Nachbarschaftsraum ist gebildet mit anderen Gemeinden, vor sämtlichen Kirchenvorständen hat sie sich beworben. Doch bis zum Jahresende nennt sich ihr Arbeitsplatz allein Evangelische Bethlehemgemeinde. Luisa Karge freut sich auf die anstehenden Gespräche und Planungen mit dem Team im Nachbarschaftsraum: „Mir macht es Spaß, das gemeinsam zu entwickeln.“


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Bettina Behler 429 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach