Pfarrerin wechselt vom Dornbusch nach Stockholm
Tina Greitemann zieht es ins Ausland. Nach zehn Jahren in der Evangelischen Dornbuschgemeinde verabschiedet sich die 52-Jährige zu „Midsommar“, am 21. Juni, gen Schweden. Am 1. September beginnt ihr Dienst als Pfarrerin der deutschen Gemeinde St. Gertrud in Stockholm. Es ist keine Abkehr vom Dornbusch – „ich bin ausgesprochen gerne hier“ – sondern passt zum Lebenslauf der Theologin und Volkswirtin.
Blickt man auf die Schul-, Studien- und Berufsjahre von Tina Greitemann, könnten auf einer Weltkarte viele Stecknadeln platziert werden: Schuljahre am United World College in Hongkong, Studienjahre in den Fächern Theologie- und VWL in Heidelberg, Brighton und Jerusalem.
Im Lauf der Jahre begann sich die Waage von Tina Greitemann in Richtung Theologie zu neigen. Hinzu kam ein weiterer entscheidender Aspekt: Die Liebe zu einem Juristen. „Da war erstmal klar, ein Beruf in der Entwicklungszusammenarbeit im Ausland wird es nicht“, Jura ist schließlich ans deutsche Recht gebunden.
Vier Kinder kamen auf die Welt, die drei Ältesten sind inzwischen im Studium oder haben es schon hinter sich, allein die Jüngste, 13, zieht mit in die schwedische Hauptstadt – und der Ehemann. Pfarrerin Greitemann hatte nach der intensiven Familien- und Berufsphase in Frankfurt noch mal Lust auf Ausland. „Wann, wenn nicht jetzt“, dachte sie sich und bewarb sich auf die auf sechs Jahre ausgeschriebene Stelle an der Sankt Gertrud-Kirche. Danach möchte sie gerne nach Frankfurt zurückkehren.
Bei Sankt Getrud handelt es sich um die älteste deutsche Auslandsgemeinde. 450 Jahre liegt die protestantische Gründung zurück. Erhaben steht der Kirchturm von Sankt Getrud mitten in der Altstadt von Stockholm unweit des Wassers. Rund 1.800 Mitglieder zählt die deutsche Gemeinde.
Die Frankfurter Dornbuschgemeinde hat ihren Ort inmitten eines 50er-Jahre Quartiers, geprägt von Reihenhäusern und Wohnblöcken. Zahlreiche Schulen sind hier ansässig. Ein bisschen hoher Norden liegt in der Luft: früher war die Schwedische Gemeinde in dem Bau zwischen Goerdeler- und Mierendorffstraße mit ansässig, heute ist es die Finnische Gemeinde. Das Dichterviertel mit seinen Villen zählt zum Einzugsgebiet der Dornbuschgemeinde, der Hessische Rundfunk liegt fußläufig. Gerne hat Tina Greitemann in der Heinrich-Seliger-Schule unterrichtet, die gegenüber der Kirche liegt. Mit Freude hat sie manche Schülerinnen und Schüler im Konfi-Kurs wiedergesehen. Die Besuchsdienstarbeit der Dornbuschgemeinde, die Meditationsgruppe und das Kindergottesdienstteam hat sie gerne unterstützt und mit großem Engagement Vikarinnen beim Einstieg in den Pfarrberuf begleitet. Eine Aufgabe der jüngsten Vergangenheit war die Integration der Gemeinden in den Nachbarschaftsraum. Acht Gemeinden, ansässig zwischen Preungesheim und Ginnheim. haben jetzt am Dornbusch ihren gemeinsamen Verwaltungssitz. Zu Greitemanns übergemeindlichen Aufgaben gehörte im Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach der Vorsitz des Ausschusses für Ökumene und Interreligiösen Dialog. Ausdrücklich dankte ihr Versammlungsleiter Stefan Majer in dieser Woche in der Sitzung von Synode und Regionalversammlung für ihr übergemeindliches Engagement.
Viele Fäden hat Tina Greitemann mit ihrer Pfarrkollegin Anja Harzke in der Hand gehalten, beide sind weit über die Gemeinde hinaus tätig. Besonders gerne denkt die scheidende Pfarrerin mit Blick auf den Dornbusch an die Nachfrage hinsichtlich Seelsorge. In Freud und Leid gefragt zu sein, sieht sie als zentralen Sinn ihres Pfarrdienstes.
Auch die Gottesdienste lagen Tina Greitemann besonders am Herzen. Ein Foto von dem deckenhohen Buntglasfenster, das den Dornbusch-Kirchraum prägt, soll in ihrem Büro in Stockholm hängen, „verbunden mit Freude und großer Dankbarkeit“ für die erfüllte Zeit im Frankfurter Nordosten.
Verabschiedungsgottesdienst, Sonntag, 21. Juni, 18 Uhr, Dornbuschkirche, Mierendorffstraße 5, anschließend Empfang.