Prodekanin Amina Bruch-Cincar gibt Amt ab: Sehnsucht nach der Begegnung im Gottesdienst
„Zukünftig wird sie weniger Gottesdienst halten“, hieß es vor vier Jahren in einem Portrait, das anlässlich Amina Bruch-Cincars Antritt als Prodekanin im Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach erschien. Für den Frankfurter-Süd-Osten und Offenbach war die im März 1965 in Kleinmachnow bei Potsdam Geborene seitdem zuständig. Sitzungen, Ortstermine, Aktenstudium, Erarbeiten von Konzeptpapieren für die landeskirchliche Reform ekhn 2030 prägten ihren Alltag. Sie wurde Dienstvorgesetzte für 52 Mitarbeitende in Pfarrdienst, Kirchenmusik und Gemeindepädagogik und Verwaltung. Bruch-Cincar hat Buch geführt über die Besuche in den Frankfurter und Offenbacher Gemeinden, „weil es mir wichtig ist, dort die Menschen zu treffen und keinen zu vergessen“. Mitarbeitendengespräche, überhaupt den Kontakt zu den Beschäftigten zählt Amina Bruch-Cincar zu ihren Schwerpunkten.
Zum 1. April gibt die Theologin das Leitungsamt im Frankfurter Dominikanerkloster ab und wechselt als Pfarrerin in die Darmstädter Paulusgemeinde. Unweit der Zentrale der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat diese ihren Sitz. Aber das ist mehr ein geographisches Stichwort. Bruch-Cincar, die vor der Tätigkeit als Prodekanin 19 Jahre Pfarrerin der Gustav-Adolf-Gemeinde in Offenbach-Bürgel war, möchte auf der Schlussstrecke ihres Berufs noch „mal etwas machen, was mir viel bedeutet“. Vor Ort, nahe bei den Menschen sein.
Ein Aha-Moment sei für sie ihre Reaktion gewesen bei einer Fortbildung 2025 in Wien auf die Frage: „Vermisst du nicht die Gemeinde?“. Ein „ja“ aus tiefstem Herzen habe sie empfunden, so die Prodekanin bei einem Gespräch in ihrem Büro unweit der Frankfurter Konstablerwache. Diese Begegnungen am Ende des Gottesdienstes, wenn am Ausgang Menschen zu ihr sagten, sie seien betrübt gekommen und gingen nun gestärkt, „die haben mir gefehlt“. Und die Musik: „Ich freue mich sehr darauf, mit den beiden hauptberuflichen Musikern dort zusammenzuarbeiten“, sagt Amina Bruch-Cincar, die gelegentlich als Sopranistin an Konzerten mitwirkt. Als Prodekanin hatte sie die Verantwortung für die Kirchenmusik übernommen. Zahlreiche Konzerte besuchte Amina Bruch-Cincar, „um zu verstehen und zu würdigen, was unsere Kirchenmusiker tun“.
Gerne denkt sie auch das Programm anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Evangelisches Gesangbuch zurück, „das lag mir besonders am Herzen, weil es den Gemeindegesang in seinen verschiedenen Ausprägungen, den Lieblingsliedern der Generationen in den Mittelpunkt stellte“. Gut gefallen hat ihr an der Konzertwoche in den Gemeinden in der Frankfurter Innenstadt die ökumenische Zusammenarbeit mit der Frankfurter Bläserschule und der Domsingschule.
Aus dem Wechsel ist nicht abzuleiten, dass Amina Bruch-Cincar vor Leitung zurückschreckt, von 2013 bis 2018 war die Pfarrerin, Mutter zweier erwachsener Töchter, Versammlungsleiterin des Kirchengemeindeverbands Offenbach. In den Jahren 2016 bis 2018 übte Bruch-Cincar das Amt der Stellvertretenden Dekanin des damaligen Dekanats Offenbach aus. Als die evangelischen Kirchen beider Städte 2019 zusammengingen, wechselte sie in den Vorstand des Stadtdekanats und Regionalverbandes Frankfurt und Offenbach. Die Theologin blieb daneben vielfältig aktiv, als Pfarrerin in Offenbach-Bürgel, Autorin der Mitgliederzeitung der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach, als Ausbilderin von Prädikantinnen und Prädikanten für die ehrenamtliche Verkündigung.
Zu den Höhepunkten ihrer Arbeit als Prodekanin Im Evangelischen Stadtdekanat zählt Amina Bruch-Cincar unter anderem die Einführung von Lektorinnen und Lektoren, die fürs Gottesdiensthalten qualifiziert wurden, unlängst in Frankfurt-Seckbach. Dass darunter einige als Kirchenvorstand Engagierte waren, hat ihr gefallen: die Bereitschaft in Sachen Verkündigung und Organisatorischem Verantwortung zu übernehmen.
Bauprojekte hat Amina Bruch-Cincar in ihrer Amtszeit als Prodekanin begleitet und deren Eröffnung mitgefeiert: Anfang Februar 2026 die Eröffnung des Gemeindezentrums Sankt Nicolai im Frankfurter Ostend, Im Frühjahr 2023 die Eröffnung des neuen Gemeindezentrums der Lukas- und Matthäusgemeinde mit Freiluftkirche in Offenbach-Tempelsee, „das war ein richtiger Pfingstmoment“, nicht nur, weil das Fest auf den Feiertag fiel, sondern „da war der Heilige Geist besonders intensiv spürbar“.
In dem Regal neben Bruch-Cincars Schreibtisch steht ein farbenfrohes Bild von einem Phantasietrio – Bruch-Cincar zeigt darauf, „ein bisschen wie wir drei,“ Stadtdekan Holger Kamlah, ihre Kollegin als Prodekanin Stefanie Brauer-Noss. Sie hat gerne mit den beiden zusammengearbeitet. Doch eine Mischung aus gesundheitlichen Signalen und dem Wunsch, noch einmal „Gemeinde zu machen“, haben Amina Bruch-Cincar zur Bewerbung nach Darmstadt bewogen. Im Gottesdienstplan der Paulusgemeinde für Ostern steht sie schon, eingetragen in ihren Kalender hat Amina Bruch-Cincar für den Sommer die Betreuung einer Familienfreizeit. „Auf meine alten Tage“, sagt sie und lacht, „das habe ich früher mit meinen Töchtern gemacht“. Sie freut sich auf die Reise.
Am Freitag, 27. März 2026, 17 Uhr, wird Amina Bruch-Cincar im Rahmen eines Gottesdienstes und anschließenden Empfangs in der Heiliggeistkirche, Kurt-Schumacher-Straße 23, Frankfurt- Innenstadt, als Prodekanin des Evangelischen Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach verabschiedet.