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Raum für mehr Kultur und Teilhabe? Kirchen als „Dritte Orte“

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Podiumsdiskussion zum Auftakt von Sonic Sites am 13. Juni in der Johanneskirche,

Neue Ein- und Ausblicke hat Luca Ganz schon bei einer früheren Aktion in der Johanneskirche  gewährt. I  Foto: Layla Behme
Neue Ein- und Ausblicke hat Luca Ganz schon bei einer früheren Aktion in der Johanneskirche gewährt. I Foto: Layla Behme

Im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 startet in diesem Juni das Projekt Sonic Sites (>> Informationen zum Projekt) in der evangelischen Johanneskirche Offenbach. Das Ziel der Reihe ist es, kirchliche Gebäude als offene Begegnungs- und Resonanzräume der Stadtgesellschaft neu zu denken. Damit wird angeknüpft an das WDC-Leitmotiv „Design for Democracy. Atmospheres for a better life“.

Als ersten Impuls wird am Samstag, 13. Juni 2026, 15.30 Uhr, zu einer Podiumsdiskussion in die Johanneskirche, Ludwigstraße 135, im Offenbacher Nordend eingeladen. Diese Diskussion ist zugleich ein offizieller Beitrag zum bundesweiten Vernetzungstreffen stadtpolitischer Initiativen „Recht-auf-Stadt-Forum 2026“ (>> rechtaufstadt-forum.de).

Kirchengebäude prägen unsere Städte. Angesichts schwindender Ressourcen der großen Kirchen stellt sich die Frage, wie diese oft zentral gelegenen Gebäude künftig genutzt werden können. Zugleich attestiert die Stadtplanung unseren Innenstädten einen Mangel an „Dritten Orten“ – an öffentlich zugänglichen, konsumfreien Räumen für Kultur, sozialen Austausch und demokratische Teilhabe.

Deshalb soll hier über die Rolle kirchlicher Räume als soziale und kulturelle Infrastruktur gesprochen werden. Initiativen wie „Essen und Wärme“ in Offenbach oder das Frankfurter „Netzwerk Gemeinschaftsküchen FFM“ zeigen bereits, wie Orte bekenntnisübergreifend für gemeinsames Essen und Fürsorge genutzt werden können. Doch wie lassen sich bestehende Strukturen weiter für die Nachbarschaft öffnen? Welche Hürden gibt es? Darüber diskutieren Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft:

Auf dem Podium: Hannah Wittekopf (Architektin, Hochschule Darmstadt), Luca Ganz (Agentur Ort3 / Künstlerische Leitung Sonic Sites, Frankfurt), Alexis Passadakis (Initiative für eine Stadtviertelküche im Riederwald | transit e.V.), Burkhard Weitz (Pfarrer der Evangelischen Friedenskirchengemeinde und Vorsitzender der ökumenischen Initiative Essen und Wärme e.V., Offenbach).

Die Moderation übernimmt Malte Dücker (Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung des Evangelischen Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach).

Der Eintritt ist frei.

Luca Ganz - in Ruhestellung  - bei seinen Performances kommt er in Bewegung. I Foto: Layla Behme
Luca Ganz - in Ruhestellung - bei seinen Performances kommt er in Bewegung. I Foto: Layla Behme

Kirchen als Dritte Orte, Klangräume und Resonanzräume der Stadtgesellschaft

Nach dem Auftakt zu den räumlichen Möglichkeiten in Kirchen wird am Donnerstag, 18. Juni, 19.30 Uhr, zu einem Konzert in die Johanneskirche eingeladen, das Kirchen als Dritte Orte und Resonanzflächen für die Stadtgesellschaft erfahren lässt. Luca Ganz und Professor Jürgen Blume gestalten eine etwa 45- bis 60-minütige Improvisation für Orgel, Perkussion und Bass. Ausgehend von kompositorischen Impulsen der musikalischen Moderne entfaltet sich eine klangliche Untersuchung des Kirchenraums. Anstöße kommen von den dichten Klangflächenkompositionen György Ligetis, den polytonalen Kompositionen Igor Strawinskys, in denen ein Orchester wie ein Schlagzeug wirkt, und von der Ästhetik der Musique concrète, in der konkrete Klänge aufgezeichnet und elektronisch verfremdet werden. Die spezifische Akustik der Johanneskirche wird dabei nicht nur als Resonanzraum, sondern als integraler Bestandteil der musikalischen Praxis begriffen. Im Zusammenspiel der Instrumente entsteht ein prozessuales Gefüge, das die Grenzen zwischen Komposition, Improvisation und Raumklang bewusst verschiebt. Ziel ist es, die materiellen und klanglichen Eigenschaften des Ortes in eine verdichtete Hörerfahrung zu überführen, in der Architektur und Musik in ein wechselseitiges Schwingen geraten.

Seit Jahrzehnten ist Jürgen Blume eine Größe im Offenbacher Kulturleben.  | Foto: Rolf Oeser
Seit Jahrzehnten ist Jürgen Blume eine Größe im Offenbacher Kulturleben. | Foto: Rolf Oeser

Mit Jürgen Blume wirkt eine der prägenden musikalischen Persönlichkeiten Offenbachs an Sonic Sites mit. Blume ist Komponist, Organist, Chorleiter und langjähriger Hochschullehrer; an der Hochschule für Musik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz war er als Professor für Musiktheorie tätig. Seine künstlerische Arbeit verbindet kirchenmusikalische Praxis, Komposition, Chorarbeit und musiktheoretische Reflexion.

Luca Ganz, künstlerischer Leiter von Sonic Sites, arbeitet als Künstler, Kurator und Projektentwickler an der Schnittstelle von Sound, Performance, Theologie und sozialem Raum. Nach Studien der Evangelischen Theologie und der Freien Kunst in Frankfurt und Offenbach entwickelt er ortsspezifische Klang- und Performanceprojekte, die Architektur, Sprache, Ritual und Stadtgesellschaft miteinander verbinden. Er studierte Evangelische Theologie an der Goethe-Universität Frankfurt und hält einen MFA der HfG in Offenbach. Zurzeit lehrt er dort im Bereich Elektronische Medien zum Thema „Soziale Kunst“. Ganz ist zudem Co-Geschäftsführer von ort3 gUG und Vorsitzender von Interzone e.V.

Gestaltet wird Sonic Sites von ort3 gUG und Interzone e.V..

ort3 entwickelt kulturelle Projekte, Zwischennutzungen und Raumformate an der Schnittstelle von Kunst, Stadtgesellschaft und institutioneller Praxis.

Interzone bringt als künstlerisch-kulturelle Struktur Erfahrungen in experimenteller Programmgestaltung, Musik, Performance und interdisziplinärer Produktion ein. Gemeinsam schaffen beide Partner den organisatorischen und kuratorischen Rahmen für ein Projekt, das künstlerische Praxis, theologische Reflexion und Fragen öffentlicher Räume miteinander verbindet.


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