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Mit Sven Sabary wird ein Theologe und Architekt Prodekan für Frankfurt und Offenbach

Die Stadtsynode hat gestern Abend Pfarrer Sven Sabary zum neuen Prodekan gewählt. Das Ehepaar Lüben und Hartmut Volle wurden für ihr ehrenamtliches Engagement mit der Spenermedaille der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach ausgezeichnet.

Propst Stephan Arras (links) von der Kirchenleitung der EKHN und Stadtdekan Holger Kamlah (rechts) gratulieren Pfarrer Sven Sabary zur Wahl als neuer Prodekan. |
Propst Stephan Arras (links) von der Kirchenleitung der EKHN und Stadtdekan Holger Kamlah (rechts) gratulieren Pfarrer Sven Sabary zur Wahl als neuer Prodekan. | Bild: Rolf Oeser

Mit überwältigender Mehrheit hat das evangelische Kirchenparlament von Frankfurt und Offenbach gestern Abend Sven Sabary zum neuen Prodekan gewählt. Er wird für die evangelischen Kirchengemeinden im Frankfurter Bereich Süd-Ost und in Offenbach zuständig sein. Für Nord-West ist Prodekanin Stefanie Brauer-Noss zuständig, an der Spitze steht Stadtdekan Holger Kamlah.

Frankfurt kennt der 1971 in Mönchengladbach geborene Sven Sabary, aktuell stellvertretender Dekan in Darmstadt, aus seiner Zeit des Theologiestudiums. Das Vikariat absolvierte er in der Luthergemeinde im Nordend. Aus seiner Zeit in Heusenstamm, wo Sabary vor der Wahl 2022 zum Darmstädter Vizedekan tätig war, rührt, dass sein Auto das Kennzeichen „OF“ trägt, berichtete er den Delegierten.

Bis 2002 war Sven Sabarys kirchliches Engagement ehrenamtlicher Art. In Aachen, Wien, Delft und Valencia studierte er von 1990 bis 1996 Architektur, nach dem Abschluss in Aachen arbeitete er in Stuttgart in einem Planungsbüro. „Warum der Wechsel“ lautete die erste Frage aus dem Kreis der Parlamentarier:innen von evangelischer Regionalversammlung und Stadtsynode. „Es war ein Prozess“, sagte Sabary. Schon nach dem Abitur habe ihn der Gedanke Theologie zu studieren, bewegt.

2001 zog Sven Sabary „der Liebe wegen“ nach Frankfurt. Sein bisheriger Arbeitgeber räumte ihm ein „Jahr Studium zur Probe“ ein – und Sabary blieb dabei, sagte der Architektur Ade, wenn auch nicht ganz, unter anderem finanzierte er sich durch Mitarbeit in der Bauabteilung des Evangelischen Regionalverband Frankfurt (ERV). Im Kirchenvorstand der Evangelischen Friedensgemeinde im Frankfurter Gallus engagierte Sabary sich während des Studiums, zudem sammelte er Erfahrungen bei der Internetagentur des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik und als studentische Hilfskraft im Bereich christlich-jüdisch-islamischer Dialog der Goethe-Universität. Ein Spezialvikariat führte Sabary zum Präsidium der Diakonie Deutschland in Berlin.

Die diakonische Präsenz interessiere ihn in Frankfurt, „nahe bei den Menschen zu sein, fasziniert mich“, sagte er in dem Zusammenhang. In Darmstadt gehört zu den Verantwortlichkeiten von Sabary der Dekanatsbereich Nord, die Betreuung von Lektor:innen und Prädikant:innen, die Themen Jugend und Diakonie, Spezialseelsorge (Alten-, Krankenhaus-, Hospiz-, Trauerseelsorge), die neu konzeptionierte Kasualagentur sowie die neu aufgestellte Stelle Mission, Ökumene und interreligiöser Dialog. Er schätze Offenheit für neue Projekte, zu denen beim Umsetzen unter anderem Fehlertoleranz und Evaluation gehören, so Sabary bei seiner Vorstellung im Großen Saal des Frankfurter Dominikanerklosters.

Auszeichnung verdienter Ehrenamtlicher

Traditionell verleiht die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach bei ihrer Herbstsynode die Philipp-Jakob-Spener-Medaille für ihre ehrenamtlichen Verdienste. In diesem Jahr ging sie an Hartmut Volle, Hanna-Gemeinde, und das Ehepaar Brigitte und Wolf Lüben.

Hartmut Volle (links) sowie Brigitte und Wolf Lüben bei der Verleihung der Spenermedaille auf der Stadtsynode der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach. |
Hartmut Volle (links) sowie Brigitte und Wolf Lüben bei der Verleihung der Spenermedaille auf der Stadtsynode der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach. | Bild: Rolf Oeser

„Sie beide haben sich mit Ihrem über zwei Jahrzehnte andauernden Engagement verdient gemacht um die ehrenamtlich getragene Seelsorge an Menschen“, sagte Stadtdekan Holger Kamlah in seiner Laudatio auf das Ehepaar Lüben. Wolf Lüben, heute 85, Ingenieur, gehörte 1997 zu den ersten, die an der Ausbildung des Ökumenischen Arbeitskreises Seelsorge (ÖAKS) teilnahmen. Sich in andere hineinfühlen, statt wie im Beruf es mit Präzisem und Plänen zu befassen, kennzeichnet dieses Ehrenamt, dem sich Wolf Lüben mit großem Einsatz widmete. Brigitte Lüben, 83, kam später zum ÖAKS, sie war damals jedoch schon ausgebildete Trauerbegleiterin, schulte auch andere darin. Der ökumenische Arbeitskreis musste über zwei Jahrzehnte um Unterstützung kämpfen, erst nach rund 20 Jahren entschlossen sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und das Bistum Limburg zur Unterstützung. Davor wurden Fortbildungen oder auch Feste für die Ehrenamtlichen aus Mitteln der 2012 von dem Ehepaar gegründeten Lüben-Stiftung finanziert, die beim Evangelischen Regionalverband angesiedelt ist. Seit das Geld dort nicht mehr gebraucht wird, werden wohnsitzlose Frauen unterstützt aus Mitteln der Stiftung des Ehepaars.

„Wir verleihen heute die Spenermedaille einem überzeugten Humanisten, der mit anderen weiter einen Weg sucht, wie wir am Ziel einer gerechten und solidarischen Welt festhalten können“, sagte Stadtkirchenpfarrer Olaf Lewerenz, der auch zum Vorstand von ERV und Stadtdekanat gehört, in seiner Laudatio für Hartmut Volle. Der 73 Jahre alte Kirchenvorstand der Hanna-Gemeinde, früher Andreasgemeinde, hat in Anlehnung an seinen Beruf als Schauspieler vor zehn Jahren „Kultur in Andreas“ gegründet. In jüngster Zeit hat Volle, Pfarrerssohn, ehemaliger Schreinerlehrling, Soziologiestudent unter anderem bei Niklas Luhmann und Theodor W. Adorno, sich stark gemacht für die vielgestalten Abende „Demokratie stärken“ in der Andreaskirche, vollbesetzte Kirchenbänke und vieles zum Nachdenken, dazu Kultur, zuletzt vor zehn Tagen. „Wir müssen uns als Kirche deutlich zeigen“, sagte Volle in seinem Redebeitrag zu den Delegierten.

Bernd Heidenreich, ehrenamtlicher Stadtrat, war anlässlich des Jahrs des Ehrenamts mit einem Grußwort zu Gast. Das Ehepaar Lüben und Hartmut Volle erhielten die Ehrung für „Früchte ihres Glaubens“, sagte er.

Bauliches

Im Anschluss an Personalia ging es um Bauliches. Cornelius Boy, Leiter der Abteilung Bau, Liegenschaften und Hausverwaltung, konnte berichten, dass das im Mai nach umfassendem Umbau wieder eröffnete Hotel Spenerhaus des Evangelischen Regionalverbandes derzeit – nicht zuletzt auf Grund der Messe – voll ausgelastet ist. Erfreulich sei ebenfalls, „dass unser ERV-Projekt ,Zentrum St. Nicolai‘ im Rahmen der ,Vorbildlichen Bauten im Lande Hessen‘ ausgezeichnet wurde“.

Boy stellt auch die Bauprioritätenliste 2028 vor. Sie ergänzt die bereits beschlossene Liste für 2027 und soll in den Doppelhaushalt 2027/28 aufgenommen werden. Für die Bauprioritätenliste 2028 ist ein Gesamtvolumen von 39,265 Millionen Euro vorgesehen. Zum Vergleich: Für 2027 waren es rund 26,2 Millionen Euro. Schwerpunkt 2028 sind Übergemeindliche Bauten, Wohn und Geschäftshäuser, es folgen Kirchen und Gemeindehäuser – die Planungen sind eng mit dem Reformprozess ekhn 2030 verbunden.

Boy verwies darauf, dass ab 2027 die Bauzuweisungen deutlich zurückgehen werden, für Kirchen und Gemeindehäuser sei schon eine Kürzung in Höhe von 35 Prozent gegenüber den bisherigen Werten berücksichtigt. „Wir setzen Schwerpunkte bei der Sicherung und Sanierung bestehender Gebäude, bei Energie und Klimaschutz, bei der Anpassung unserer kirchlichen Gebäude an die zukünftigen Strukturen und – wo es sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist – auch bei der Schaffung neuer sozialer und wohnungsbezogener Angebote“, äußerte Boy.

In Offenbach Rumpenheim beispielsweise wird die noch ölbasierte Heizungsanlage durch eine energetisch sinnvolle Lösung ersetzt werden. Im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach muss der gemeindliche Standort „An der Bleiche“ aufgegeben werden, dafür soll der bestehende Standort an der Kirche gestärkt werden. Das Annexgebäude soll umgestaltet und erweitert werden


Autorin

Bettina Behler 429 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach