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Susanne Domnick verlässt „die Bühne für Gottes Wort“

Die Ginnheimer Pfarrerin wird am Sonntag, 10. Mai, um 16 Uhr in einem Festgottesdienst in den Ruhestand verabschiedet.

Susanne Domnick Foto: Tamara Jung-König
Susanne Domnick Foto: Tamara Jung-König

Die Bethlehemkirche in Ginnheim gefiel Pfarrerin Susanne Domnick auf Anhieb, als sie vor sechs Jahren dort ihre letzte Dienststelle antrat. Den sechseckigen Innenraum empfand sie als „großartigen Spielraum“, als „Bühne für Gottes Wort“. Etwa mit Stationen wie „grüne Aue“, „finsteres Tal“, „Tisch im Angesicht der Feinde“, an denen Gemeindemitglieder im Gottesdienst beispielsweise erleben konnten, wie sich Psalm 23 anfühlt. Die Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand der Bethlehemgemeinde war entspannt und angenehm, sagt sie. Er habe sie von Verwaltungsaufgaben entlastet und sich nicht mehr vorgenommen, als er leisten konnte.

Neben besonderen Gottesdiensten hat sich Domnick in Ginnheim – wie auch schon in früheren Dienststellen - für die Konfirmandenarbeit eingesetzt. Wichtig war ihr, den Prozess in der Gruppe jedesmal neu anzunehmen und mit den Jugendlichen zu gestalten sowie Selbst- und Gottvertrauen zu stärken. Ihre eigene Konfirmandenzeit erlebte sie, 1959 in Oldenburg geboren, als so positiv, dass der Wunsch entstand, Theologie zu studieren. Das tat sie später in Marburg und Bern. „Auf einer tieferen Ebene hat mich – als adoptiertem Kind – immer die Frage nach dem Vater fasziniert“, erzählt sie.

Über die Gemeindearbeit hinaus engagierte Domnick sich bei „MainSegen“: So heißt ein Projekt des Evangelischen Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach, bei dem evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer auf Wunsch in besonderen Situationen Segen spenden (www.mainsegen.de). Besonders gut konnte die angehende Ruheständlerin in diesem Rahmen mit Trennungen und Abschieden umgehen. Dabei kam ihr auch ihre Ausbildung als Psychodramaleiterin zugute.

Bevor Domnick nach Frankfurt zog, nahm sie selbst Abschied von Friedberg, wo sie 23 Jahre als Pfarrerin gearbeitet hat. Das schöne große Pfarrhaus dort empfand sie als Verpflichtung, ein offenes Haus zu führen und Menschen Zuflucht zu geben. Insbesondere auch im Kirchenasyl. Siebzehn Kirchasyle hat sie mit ihrer Friedberger Gemeinde begleitet. Auch in Frankfurt engagierte sie sich dafür - beim Verein mAqom. Sie betont, wie sehr Mitgefühl und echtes Interesse an Menschen bei diesem Einsatz wachsen, in der Gemeinde, aber auch bei Menschen, die nicht kirchlich sind. Geflüchteten Schutzraum zu bieten und den Staat zu bitten, ihre Situation noch einmal zu überdenken, empfindet sie als großes Privileg christlicher Gemeinden und anderer religiöser Gruppen.

Nach 41 Dienstjahren freut sich die 66-Jährige nun darauf, nicht „immer vorne stehen und animieren zu müssen, nicht mehr diese Rolle zu haben“. Richtig vorstellen kann sie es sich aber noch nicht und will sich deshalb ein Jahr Pause nehmen. Danach will sie sich voraussichtlich für die Stärkung der Demokratie einsetzen, die ihr selbst so viel ermöglicht habe. „Ich bin ein politischer Mensch, in dem Sinne, dass ich wahrnehme, was um mich herum geschieht. Demokratie ist kein Selbstläufer.“

Die Verabschiedung von Pfarrerin Susanne Domnick findet am Sonntag, 10. Mai, um 16 Uhr in einem Festgottesdienst in der Bethlehemkirche in Ginnheim statt.


Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin des EFO-Magazins.

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