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Warum Kirchen bei der „Netten Toilette“ mitmachen sollten

Kirchengemeinden suchen nach neuen Wegen, um mit Menschen in Kontakt zu kommen. Eine überraschend einfache Möglichkeit könnten öffentliche Toiletten sein. Einzelhandel und Gastro zeigen, wie es funktioniert.

Frankfurter Geschäfte und Restaurants beteiligen sich bereits an der Aktion "Die nette Toilette". | Foto: Rolf Oeser
Frankfurter Geschäfte und Restaurants beteiligen sich bereits an der Aktion "Die nette Toilette". | Foto: Rolf Oeser

Wer in Frankfurt eine öffentliche Toilette sucht, wird in Bäckereien, Restaurants und Kiosken fündig. Möglich macht das die Aktion „Nette Toilette“, an der sich die Stadt seit Mai 2025 offiziell beteiligt. Das Prinzip: Betriebe stellen ihre Toiletten kostenlos zur Verfügung, die Stadt unterstützt sie dafür monatlich mit 120 bis 200 Euro. Das Geld soll die Kosten für Reinigung und Instandhaltung abdecken.

36 Betriebe beteiligen sich bislang an dem Projekt. Darunter sind Bäckerei-Filialen, Restaurant und Cafés, kleinere Geschäfte und Kioske. Kirchliche Einrichtungen sind leider noch nicht dabei. Dabei könnte das Konzept für Kirchengemeinden interessant sein. Viele verfügen über Gemeindehäuser mit sanitären Anlagen. Sie werden bei Veranstaltungen, Gruppenstunden oder Gemeindefesten genutzt. Warum also nicht während der Öffnungszeiten auch Passant:innen den Zugang ermöglichen?

Seit Jahren beschäftigen sich Gemeinden schließlich mit der Frage, wie sie Menschen erreichen können, die keinen regelmäßigen Kontakt mehr zur Kirche haben. Sie entwickeln neue Veranstaltungsformate, organisieren Begegnungsangebote und versuchen, ihre Gebäude stärker für den Stadtteil zu öffnen. Eine öffentlich zugängliche Toilette könnte dazu einen hilfreichen Beitrag leisten. Wer ein Gemeindehaus betritt, begegnet möglicherweise einem Mitarbeiter oder einer Ehrenamtlichen. Vielleicht entsteht ein kurzes Gespräch. Vielleicht bleibt es auch bei einem freundlichen Gruß. Beides zeugt von Offenheit und einer Botschaft der Willkommenskultur.

Dass Kirchen solche Aufgaben übernehmen können, zeigt der Blick nach Dänemark. Dort ist es in weiten Teilen des Landes selbstverständlich, dass Kirchengemeinden und Friedhöfe öffentliche Toiletten anbieten. Meist können sie kostenlos genutzt werden. Die kirchlichen Einrichtungen erfüllen damit eine praktische Funktion für Einheimische, Spaziergängerinnen und Touristen. In Deutschland wird die gesellschaftliche Bedeutung der Kirchen dagegen häufig an Mitgliederzahlen, Gottesdienstbesuchen und sozialen Angeboten gemessen. Dabei könnte auch die Bereitstellung einer alltäglichen Infrastruktur ein Ausdruck christlicher Gastfreundschaft sein.

Natürlich gibt es praktische Hürden. Nicht jedes Gemeindehaus ist regelmäßig geöffnet. Fragen der Reinigung, Sicherheit und Barrierefreiheit müssten geklärt werden. Doch genau hier setzt das Frankfurter Förderprogramm an. Die Idee der „Netten Toilette“ ist erprobt. Mehr als 400 Städte und Gemeinden im deutschsprachigen Raum beteiligen sich bereits an dem Netzwerk. Für Kommunen ist die Zusammenarbeit mit vorhandenen Einrichtungen deutlich günstiger als der Bau und Unterhalt neuer öffentlicher Toiletten.

Für Kirchengemeinden könnte sich daraus eine doppelte Chance ergeben. Sie würden einen konkreten Bedarf im Stadtteil decken und zugleich ihre Präsenz im öffentlichen Raum stärken. Nicht jeder Toilettenbesuch führt zu einer Begegnung. Und aus einem kurzen Kontakt wird nicht automatisch eine Bindung an die Kirche. Entscheidend ist aber das Signal: Die Kirche ist offen. Nicht nur für ihre Mitglieder. Sondern für alle Menschen, die gerade etwas brauchen. Manchmal beginnt gelebte Gastfreundschaft mit einer ganz einfachen Frage: „Darf ich bei Ihnen kurz aufs Klo?“


Autorin

Angela Wolf 146 Artikel

Angela Wolf ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins. Sie wurde 1978 in Aschaffenburg geboren. Heute lebt sie in Frankfurt am Main, wo sie Soziologie, Politikwissenschaften und Psychoanalyse studierte.

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