Bibel in gerechter Sprache: Zwanzig Jahre Gendern
Als Jesu Geburt verkündet wurde, waren da nur Hirten auf dem Feld oder auch Hirtinnen? Wie kann der unaussprechliche hebräische Gottesname übersetzt werden? Und ist es eigentlich okay, wenn Luther das Wort für Sklav:innen als „Knechte und Mägde“ ins Deutsche überträgt – oder verharmlost er damit die Situation?
Solche Fragen und viele mehr diskutierten die 52 Bibelwissenschaftler:innen, die fünf Jahre lang an einer Bibelübersetzung „in gerechter Sprache“ (BigS) arbeiteten. Gerecht sollte es in dreifacher Hinsicht zugehen: Die BigS sollte Frauen so sichtbar machen, wie es dem Originaltext und der damaligen Realität entsprach, sie wollte antijüdische Stereotype vermeiden und Aspekte sozialer Gerechtigkeit berücksichtigen.
Dabei war die BigS aber kein akademisches Projekt, sondern die Initiative ging von der kirchlichen Basis aus. Insbesondere Frauen hatten schon seit Jahrzehnten die teils fehlerhaften traditionellen Übersetzungen kritisiert. Die neuen Texte sollten nicht nur historisch korrekt, sondern auch eingängig sein, also für Liturgien und Gottesdienste geeignet. Deshalb wurden sie zwei Jahre lang in unzähligen Gruppen erprobt, bevor die BigS schließlich im Herbst 2006, vor genau zwanzig Jahren, auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde.
Das Jubiläum wird am Sonntag, 25. Oktober, von 14 bis 18 Uhr mit einem großen Fest in der Friedenskirche im Frankfurter Gallus, Frankenallee 150, begangen. Unter dem Motto „Diverse Debatten“ gibt es einen Gottesdienst, eine Ausstellung des Bibelmuseums zum Thema „Gendervarianten digital“, sowie Workshops zu verschiedenen Aspekten, etwa über queere Gottespoesie, eine rassismuskritische Kinderbibel oder Diversität in der Bibel. Der Eintritt ist frei.
Informationen zur BigS sowie die gesamte Übersetzung auf >> www.bibel-in-gerechter-Sprache.de. Eine Jubiläumsausgabe für 20 Euro gibt das Gütersloher Verlagshaus im September heraus.
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