Gott & Glauben

Breite Optionen im Pfarrberuf: Gemeinde vor Ort, auf Mallorca, Seelsorge im Krankenhaus – vieles ist möglich

Franka Henkenborg und Lars Maihöfner kamen auf unterschiedlichen Wegen zur Theologie und sind zusammen im Vikariat in der Evangelischen Hanna-Gemeinde.

Im Vikariat: Franka Henkenborg und Lars Maihöfner  I Foto: Dominique Popp
Im Vikariat: Franka Henkenborg und Lars Maihöfner I Foto: Dominique Popp

„Mit Menschen muss man schon können“, sagt Lars Maihöfner, Vikar der Evangelischen Hanna-Gemeinde, Eckenheim/Eschersheim. Doch auf welche Weise der Kontakt gesucht und gepflegt werde, das könne ja nach Typ sehr unterschiedlich sein. „Laut, leise, da ist alles dabei“, erlebt er bei den überregionalen Vikariatskursen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die auf den Pfarrberuf vorbereiten. Seine Kollegin in der Hanna-Gemeinde, Franka Henkenborg, besucht gerade einen der Kurse im Theologischen Seminar in Herborn. Aus dem Lahn-Dill-Kreis schaltet sie sich zum Zoom- Interview dazu, im Hintergrund Bildungsstättenmobiliar. An dem Vormittag hat sie sich mit anderen aus dem Pfarrnachwuchs mit Verkündigungssendungen im Radio befasst und selber Andachten verfasst. In einer Fünfergruppe gab es Feedback.

Maihöfner war neulich in Herborn, bei ihm ging es um Kirchentheorie, Themen wie Kanzelrecht, die Rolle von Kirchenvorständen. „Der Beruf ist äußerst vielfältig“, sagen die beiden, Philosophie, Soziologie, Sprache, Seelsorge, werfen sie sich wie Pingpongbälle Begriffe zu. „Spiritualität, Glaube“, sagt Henkenborg, „ich spreche gerne von Frömmigkeit“, wirft Maihöfner ein. Er ist 38 Jahre alt, Henkenborg 26. Sehr unterschiedlich waren ihre Wege in Richtung Pfarrberuf.

Der Einschulungsgottesdienst sei für ihn, in Wiesbaden evangelisch getauft, aber aus einem eher glaubensfernen Haushalt kommend, ein Aha-Erlebnis gewesen, berichtet Maihöfner. Statt Pilot habe er daraufhin Pfarrer werden wollen. Bis es konkreter wurde, ist einiges passiert: Mit 17 trat Lars Maihöfner der katholischen Kirche bei. Nach einer Krankenpflegeausbildung arbeitete er als Missionar auf Zeit in einem Kloster in einem Slum der philippinischen Hauptstadt Manila, studierte anschließend katholische Theologie. „Über Zufälle oder besser durch Gottes liebes Walten bin ich dann an meine erste Stelle als Krankenhausseelsorger gekommen“, schrieb der Vikar in dem Vorstellungstext für die Hanna-Gemeinde. Im St. Josefs-Hospital Rheingau war er sieben Jahre tätig. Vor dem Wechsel in Richtung evangelisches Pfarramt 2024 noch ein Schlenker: eine Comedy-Ausbildung. „Ich mag Menschen“ – dieser Satz fällt nicht nur einmal – bei ihm und seiner Kollegin.

Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Solidarität – Begriffe, die in Henkenborgs Elternhaus eine wichtige Rolle spielten. „Wir haben viel über Politik geredet“, erzählt sie, kein Wunder: der Vater war Politikprofessor in Dresden und Marburg, die Mutter Pressesprecherin der Stadt Gießen. Die Eltern sind nicht jeden Sonntag in die Kirche gegangen, eher an Feiertagen, sie seien jedoch nicht glaubensfern gewesen, beschreibt die Vikarin ihren Hintergrund.

Die Konfirmandenzeit und der Religionsunterricht in der Oberstufe gaben bei ihr den Ausschlag für die Berufswahl. Ein Pfarrer, der offen war, „aber an dem man sich auch reiben konnte“, hielt den Unterricht. Henkenborg und ihr bester Freund entschieden sich nach dem Abitur für Theologie, gemeinsam haben sie sich in Marburg durch das Hebräisch- und Griechisch-Lernen durchgebissen. Später wechselte sie nach Berlin, der sozialethische Ansatz dort interessierte sie. Für den Abschluss kam Henkenborg nach Marburg und zur EKHN zurück.

Beide planen, dass sie nach dem Abschluss des Vikariats, es dauert 22 Monate plus sechs Monate Spezialvikariat, in die Gemeinde gehen. Die angehende Pfarrerin lässt alles Weitere auf sich zukommen. Was Henkenborg schon weiß: Das Spezialvikariat soll nach Mallorca, zur deutschen Gemeinde dort, führen., auch wenn aus dem halben Jahr Spezialvikariat dann zwölf Monate werden. Auf Menschen zu treffen in der Ausnahmesituation Urlaub, in der die Seele manchmal ungeahnte Kapriolen schlägt, in der manches überdacht wird, das kann sie sich gut vorstellen. Erste Erfahrungen sammelte sie während eines Gemeindepraktikums an der Costa Blanca.

Kein Wunder: Reisen und Yoga nennt die Vikarin als Hobbys. Während ihres Studiums hat Franka Henkenborg als Hostess bei Messen gearbeitet, in München, auf Sylt. Menschen zu begegnen, in der Kirche, auf der Straße, daran ist den beiden gelegen. Maihöfner nutzt dafür auch gerne Volkshochschulkurse, Karnevalskostüme hat er da beispielsweise nähen gelernt, auch Kulinarisches belegt. Mit Menschen feiern, sie versorgen: Zwei von vielen möglichen Brücken in das zukünftige Amt.


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Bettina Behler 420 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach