Gott & Glauben

Kleine Kirche, große Ökumene: Die "Nazarener" gibt es auch in Frankfurt

Seit März ist die "Kirche des Nazareners" Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Die Frankfurter Gemeinde gibt es bereits seit 1958, es war der erste Standort der Freikirche in Deutschland. Weltweit haben die Nazarener heute 2,7 Millionen Mitglieder.

Gottesdienst in der "Kirche des Nazareners" in Frankfurt. | Foto: Rolf Oeser
Gottesdienst in der "Kirche des Nazareners" in Frankfurt. | Foto: Rolf Oeser

Wer kann schon Großes aus so einem unbedeutenden Ort wie Nazareth kommen? Diese alte Frage aus der Bibel hat die "Kirche des Nazareners", benannt nach der Heimatstadt Jesu, zu ihrem Programm gemacht: Der vordergründig Unbedeutende, der sich für andere Unbedeutende einsetzt. Die kleine Freikirche wurde im März 2026 als Vollmitglied in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland aufgenommen — einstimmig, von allen 19 stimmberechtigten Mitgliedskirchen.

Für Simon Grunwald, der im April als neuer Hauptpastor der Frankfurter Gemeinde eingeführt wurde, ist das mehr als ein formaler Akt. „Es freut uns sehr, dass wir an einer großen Kirche mitwirken können, wie Christus sie wollte", sagt er. "Zumal man als kleine Kirche immer in der Gefahr steht, sektiererisch zu werden. Die ACK ist ein willkommenes Korrektiv."

Die Nazarener-Gemeinde am Dornbusch wurde 1958 gegründet und war die erste im Bezirk Deutschland. Sie hat zurzeit 85 Mitglieder, in Bonames gibt es inzwischen eine zweite. Bei seiner Einführung wurde der neue Pastor von der ganzen Gemeinde umringt — Kirchenvorstand und Mitglieder kamen nach vorne, versammelten sich um ihn und sprachen ihm mit Inbrunst Gottes Segen zu. Ein intensiver Moment, danach strahlende Gesichter.

Der neue Pfarrer ist selbst erst seit zwei Jahren Mitglied bei den Nazarenern. Was ihn an der Freikirche überzeugt hat, sei ihr demokratischer Charakter, wie er erzählt: Jede Entscheidung werde von der Gemeinde über den Bezirk bis hin zum Weltkirchenrat getragen. Besonders hat es ihm die Vielfalt der Frankfurter Gemeinde angetan: Fünf Nationen sind im Kirchenvorstand vertreten, insgesamt kommen die etwa 85 Mitglieder aus zwanzig verschiedenen Ländern. Vom Bürgergeldempfänger bis zum Banker sind viele soziale Schichten vertreten. Die Nazarener sind eben eine Weltkirche, in über 165 Ländern zuhause, mit rund 2,7 Millionen Mitgliedern weltweit.

Die Freikirche steht in der Tradition der Heiligungsbewegung, die im 18. Jahrhundert vor allem in Amerika Fuß fasste. Getauft werden nur Erwachsene: Es geht darum, sich bewusst für ein christliches Leben zu entscheiden. „Der heilige Geist gestaltet uns in das Ebenbild Gottes um, gibt uns die Kraft, Gott von ganzem Herzen, Gemüt und Verstand zu lieben und bringt in uns den Charakter Christi hervor“, so steht es auf der Webseite des deutschen Bezirks.

Der Gottesdienst folgt keiner festen Liturgie, hat aber viele liturgische Elemente. Gesungen wird deutsch und englisch, modernes Liedgut mit vielen Wiederholungen und der Text wird für alle sichtbar an die Wand gebeamt. Die Band mit Gitarren, Schlagzeug und Klavier spielt auf professionellem Niveau und die Singenden wirken innerlich beteiligt. Der Gottesdienst wird nicht zwingend von Pastor oder Pastorin gehalten, sondern es gibt einen Pool an Gottesdienstleiter:innen.

Während der Woche finden viele Aktivitäten statt. Hauskreise, Bibelstunde und Gebetskreis Jugendgruppe, Männerfrühstück, Frauenfrühstück und Kreativkreis. Darüber hinaus engagiert sich die Gemeinde im Stadtteil. Unter ihrem Kirchraum in der Hügelstraße 143 stellt sie Räume für eine zweizügige, christlich ausgerichtete Kita zur Verfügung. Im dahinterliegenden Nebengebäude finden Stadtteilaktivitäten wie lettischer Damenchor, Taekwondo oder Yoga statt. Die Gemeinde finanziert sich und ihre Pfarrer selbst über Spenden.

Die ACK-Mitgliedschaft rundet ein Bild ab, das die Frankfurter Nazarener schon lange prägt: Sie verstehen sich als offen, vielfältig, engagiert. Seit März 2026 ist das nun auch ökumenisch verbrieft.


Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin des EFO-Magazins.

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