Das freie Spiel der Töne
Zu einem Stück können die Improvisationen zusammenfließen, aber auch mehrere aufeinanderfolgende Abschnitte sind möglich, wenn Christof Lauer in der Alten Nikolaikirche zum Saxofon greift: „Ich bin Jazzmusiker“, sagt der ehemalige Solist der NDR Bigband, der nach seiner Pensionierung 2018 nach Frankfurt zurückgekehrt ist, auf die Frage nach seinem Stil. Vieles geht, auf eine Richtung festnageln lässt er sich nicht, das belegt seine langjährige internationale Karriere. Die Stadt am Main ist dem 1953 im nordhessischen Melsungen Geborenen vertraut. Nach dem Studium in Graz an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, kam er 1979 nach Frankfurt zurück und wurde Mitglied des Jazz-Ensembles des Hessischen Rundfunks, 1996 holte ihn Albert Mangelsdorff in sein Quintett. Den Musikpreis „Echo“ hat Lauer im Regal, der Hessische Jazzpreis wurde ihm verliehen, den Preis der deutschen Schallplattenkritik hat der Musiker zugesprochen bekommen.
Von melodisch bis freiem Spiel der Töne ist bei seinen Konzerten in der Alten Nikolaikirche vieles möglich. Inspirieren lässt Lauer sich von der Stimmung, vom Raum, der Akustik, zu der beispielsweise auch das Publikum beiträgt. Rund 100, 130 Personen kommen durchschnittlich zu seinen Konzerten in das Gotteshaus der Evangelischen Sankt Paulsgemeinde auf dem Römerberg. Am Montag, 13. Juli, um 19 Uhr, tritt Lauer wieder dort auf. Bei der Reihe „Saxofon-Improvisation“ handelt es sich um eine Kooperation von Sankt Paulsgemeinde und Jazz-Initiative Frankfurt.
Abgesehen von einer Winterpause tritt Lauer in diesen auf ihn zugeschnittenen Konzerten in der Regel am zweiten Montag eines Monats auf, für 30 bis 40 Minuten. In verschiedenen Frankfurter Kirchen hat der Jazz-Saxofonist nach seiner Rückkehr Auftritte ausprobiert, 2019 machte er die Alte Nikolaikirche zum Stammhaus und startete die Improvisationsreihe. Für seine Auftritte verzichtet der Künstler auf ein Honorar. Der Eintritt ist kostenlos, es werden für wechselnde Zwecke Spenden gesammelt, zuletzt unter anderem für die Frankfurter Tafel und Ärzte ohne Grenzen.
„Es hat für mich einen besonderen Reiz in dem weiten Kirchenraum zu spielen. Aus dem Moment heraus entsteht eine Klang- und Motivreise, auf die ich meine Zuhörer;innen mitnehmen will“, äußert der Jazzmusiker. Kirchbauten sind ihm von früh an vertraut: Lauer ist Pfarrerssohn, aber das ist eher nebenbei zu erfahren.
Nach zehn Jahren Pause hat Christof Lauer Ende Mai 2026 erstmals wieder ein Album veröffentlicht, bestehend aus Mitschnitten von Improvisations-Konzerten in der Alten Nikolaikirche. Eines der drei Stücke ist der Jazz-Legende Heinz Sauer gewidmet. Der Saxofonist, Jahrgang 1932, saß am 6. Oktober 2025 im Publikum in der Alten Nikolaikirche, „This Is For Heinz“, hat Lauer die Improvisation auf dem Album „Odyssea Sonorum“ benannt, das bei dem Berliner Label An:Bruch erschienenen ist. „Christof Lauer, das bestätigt auch diese ungewöhnliche Produktion, ist ein phänomenaler Stilist, ein Klangmaler ohne Grenze und Rand, aber doch immer auch ein Ästhet, der sein Instrument achtet, nie in Gefahr gerät, es zu verschlingen oder auszuquetschen“, schrieb der Jazz-Experte, Journalist und Musikwissenschaftler Wolfgang Sandner über das neue Album.
Auf die Frage, was ihn inspiriert sagt Christof Lauer: „Der gewisse Moment.“ Solche Momente werden am 13. Juli, aber auch am 10. August, 14. September und 9. November, jeweils um 19 Uhr, wieder in der Alten Nikolaikirche auf dem Römerberg geboten.