Kunst & Kultur

Hanna Krause, Floristin und Kranführerin

Annett Gröschners Roman über eine Frau, die sich dem Werden und Vergehen des Lebens anpasst, nie unterkriegen lässt, aber immer menschlich und anständig handelt, ist mit dem Evangelischen Buchpreis ausgezeichnet worden.

Annett Gröschner: Schwebende Lasten. C.H.Beck Verlag. 279 Seiten, 26 Euro
Annett Gröschner: Schwebende Lasten. C.H.Beck Verlag. 279 Seiten, 26 Euro

Hanna Krause, 1913 geboren, verliert früh ihre Eltern und wächst bei ihren Halbschwestern in Berlin und Magdeburg auf. Sie wird eine begabte und passionierte Floristin. Die beiden Weltkriege, Faschismus, Sozialismus und der Übergang in den Kapitalismus bestimmen ihren Lebensweg.

Autorin Annett Gröschner, 1964 in Magdeburg geboren, erzählt, ohne zu psychologisieren, stattdessen mit genau beobachteten und recherchierten Details: Dadurch wirkt die Geschichte sehr real und lebendig. Der Ton ist frisch, oft heiter, nie wird es langweilig.

Hanna ist eine normale, durchaus emanzipierte Frau. Sie heiratet den Versicherungsvertreter Karl Krause, bekommt sechs Kinder und betreibt einen eigenen Blumenladen im Magdeburger Armenviertel - bis er ausgebombt wird und ihr einziger Sohn bei einem Luftangriff ums Leben kommt. Karl verliert bei einem Arbeitsunfall ein Bein, von da an muss Hanna die Familie allein durchbringen.

In der DDR wird sie Kranführerin in einem Schwermetallbetrieb, gibt aber ihren Traum vom perfekten Blumenstrauß nie auf: Einmal hatte ein Mann in ihren Laden einen unmöglichen Blumenstrauß im Stil eines alten Meisters bestellt – unmöglich, weil die gewünschten Blumen nie zur selben Zeit blühen.

Diese Blumen geben dem Roman auch seine Struktur. Jedes Kapitel ist nach einer Blume oder einem Insekt benannt, die in dem barocken Bild zu sehen sind. Die Blumen stehen für Schönheit und Trost, aber auch für Vergänglichkeit. Durch den Realismus schimmert die Poesie. Hanna ist so beeindruckend, weil sie sich dem Werden und Vergehen des Lebens anpasst, sich nie unterkriegen lässt, aber immer menschlich und anständig handelt.

Der Roman war für den deutschen Buchpreise 2025 nominiert und wurde 2026 mit dem Evangelischen Buchpreis ausgezeichnet.


Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin des EFO-Magazins.

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