Krieg, Klima, Benzinpreise – die Politik mischt beim Reisen mit
Es gibt diese seltsamen Momente, in denen die Welt gleichzeitig zu groß und zu klein wirkt. Zu groß, weil irgendwo zwischen Gaza, Teheran und Washington Entscheidungen fallen, die man selbst kaum beeinflussen kann, und zu klein, weil die Auswirkungen plötzlich bis zur eigenen Zapfsäule reichen, wo der Literpreis leise, aber bestimmt die Urlaubspläne durcheinanderbringt.
Früher war die Flucht nach vorn einfach: Wenn es kompliziert wurde, buchte man einen Flug, suchte das Weite, legte sich an einen Strand und vergaß mal kurz alles um sich herum. Heute ist die Nachrichtenlage hektisch und die Klimakrise ist nicht mehr nur eine abstrakte Nachricht, sondern kündigt konkret den nächsten Hitzesommer an. Da bekommt der Gedanke, einfach mal zu Hause zu bleiben, eine unerwartet politische Note. Und der Verzicht auf den Wochenendtrip nach Barcelona ist nicht bloß eine Frage des Geldbeutels, sondern fast schon ein Kommentar zur Lage der Welt.
Die Frage, ob man wirklich ins Flugzeug steigen muss, hat ja schon länger einen Beigeschmack. Und will man wirklich auf dem Weg nach Bali in einem Golfstaat zwischenlanden? Kriege und Krisen haben nicht nur gefühlt, sondern auch nachweislich Auswirkungen auf die Urlaubspläne der Menschen in Deutschland. In einer Umfrage des Deutschen Instituts für Tourismusforschung gaben 16 Prozent an, dass sie ihre Reiseideen für das erste Halbjahr 2026 aufgrund der globalen politischen Lage geändert haben – nicht wenige verzichteten sogar ganz.
Immerhin liegt in dieser erzwungenen Bescheidenheit eine überraschende Entdeckung: Es gibt sie noch, die schönen Ecken in der unmittelbaren Umgebung. Wann waren Sie zuletzt bewusst im eigenen Stadtviertel unterwegs, ohne Ziel, ohne Google Maps, einfach nur, um zu sehen, was da ist? Zum Beispiel den kleinen Park zwei Straßen weiter, in dem sich abends ein improvisiertes Boule-Turnier entwickelt, das Café an der Ecke, dessen Besitzer seit Jahren denselben Witz über den schlechten Sommer macht, oder den Radweg durch die Felder und am Main entlang, der plötzlich länger und schöner ist als gedacht? Viel Spaß!
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