Mit „Simme“ oder E-Roller zum Jugendtreff
Neue Gemeinde, neue Wege: Seit Beginn dieses Jahres arbeitet der Gemeindepädagoge Marvin Lehmann in der neu gegründeten Schöpfungsgemeinde im Frankfurter Südwesten. Dort ist der dreißigjährige Pädagoge für die evangelische Kinder- und Jugendarbeit verantwortlich.
Die Schöpfungsgemeinde entstand zum Jahresbeginn aus drei bisherigen Gemeinden: der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Niederrad, der Martinusgemeinde in Schwanheim und der Dankeskirchengemeinde in Goldstein. Durch den Zusammenschluss hat sich das Gebiet der Jugendarbeit deutlich vergrößert. Für Lehmann bedeutet das vor allem neue organisatorische Aufgaben. „Ich muss mehr Schulungen anbieten“, sagt er. Zwar könnten Jugendliche über entsprechende Kurse die Jugendleitercard erwerben, doch auch Erwachsene benötigten Qualifizierung. „Einfach Eltern sein reicht nicht“, so Lehmann.
Mit der größeren Gemeinde wachsen auch die Wege zwischen den einzelnen Stadtteilen. Jugendliche allein im Auto zu transportieren komme für ihn aus Gründen des Kinderschutzes nicht infrage, sagt der Gemeindepädagoge. Doch meist organisierten sich die Jugendlichen ohnehin selbst: Sie träfen sich an Haltestellen, begleiteten sich gegenseitig oder würden von Eltern gemeinsam abgeholt.
Unterschiede hat Lehmann auch bei der Mobilität der Jugendlichen erlebt. Während seiner früheren Tätigkeit in Sachsen sei das Simson-Moped, liebevoll „Simme“ genannt, für viele Jugendliche ein begehrtes Fortbewegungsmittel gewesen. In Frankfurt dagegen seien eher elektrische Roller verbreitet.
Erfahrungen aus Sachsen
Vor seiner Tätigkeit in Frankfurt arbeitete Lehmann zunächst in Dresden-Klotzsche, anschließend im sächsischen Kirchspiel Maria und Martha Pulsnitz und danach zwei Jahre in der Lößnitz. Sein Studium der Gemeindepädagogik absolvierte er an der Evangelischen Hochschule Moritzburg. Zum Masterabschluss gehört auch eine Zusatzqualifikation in interreligiöser Kompetenz. In Gesprächen mit Jugendlichen beobachtet Lehmann in Sachsen und Hessen ähnliche Herausforderungen: Leistungsdruck in Schule und Ausbildung, Fragen rund um Körperbilder und zunehmend auch antifeministische Strömungen im Internet. Gleichzeitig erlebte er in Sachsen auch eine starke familiäre Verwurzelung vieler junger Menschen.
Persönlicher Weg in die Kirche
Aufgewachsen ist Lehmann in einer Handwerkerfamilie. Ursprünglich wollte er Musiker werden. Über die Punk- und Metal-Szene fand er schließlich zur kirchlichen Jugendarbeit. Zunächst engagierte er sich selbst in einer Jungen Gemeinde, später übernahm er Verantwortung als Jugendleiter.
Nach Frankfurt zog Lehmann schließlich auch aus privaten Gründen: Seine Verlobte arbeitet hier als Wirtschaftsjuristin. Begleitet wird er im Alltag häufig von seinem Hund Ari – kurz für Aristoteles –, einem Mischling aus Dalmatiner und Labrador, der gelegentlich auch bei Gruppentreffen auftaucht.
Ein nächstes Projekt hat Lehmann bereits im Blick: einen möglichen Jugendaustausch zwischen Frankfurt am Main und Frankfurt an der Oder.