Neulich in der Schulbibliothek
Haben Sie ein Buch mit Zaubersprüchen?“, fragt mich der Siebenjährige in der Schulbibliothek. „Klar“, antworte ich, „Zaubertricks mit Karten und Tüchern. Komm, das zeige ich dir.“ Empört sieht er mich an. „Nein! Ich meine echte Zaubersprüche! Solche, die Wünsche erfüllen!“
Jetzt bloß nicht lachen. Wie schön wäre das denn! „Hex Hex“ – Putin löst sich in Luft auf. „Simsalabim“ – die Autokraten der Welt setzen sich für Demokratie ein und treiben friedlich Handel. „Abrakadabra“ – die Erderwärmung geht zurück und die Kirche hat keine Geldsorgen mehr. Und natürlich „dreimal schwarzer Kater“ – jeden Tag gibt‘s Schokolade für alle!
„Also, was ist jetzt?“, unterbricht der Junge meine Gedanken. „Wissen Sie, was ich meine?“ – „Ja, ich verstehe. Aber leider, leider haben wir so ein Buch hier nicht.“
Zum Trost schenke ich ihm ein Stück Schokolade. Denn er hat ja recht: Wer sich nichts wünscht, hat schon verloren.
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