Pflege kann Vielfalt
Pflege ist Begegnung. Und Begegnung gelingt nur dort professionell, wo Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit gesehen und respektiert werden. Mit dieser Haltung beteiligen sich die Innere Mission Frankfurt und das Bildungszentrum für Pflege (BiZeP) im Hufeland-Haus am CSD Frankfurt 2026 und setzen ein deutliches Zeichen für mehr Queersensibilität im Gesundheits- und Sozialwesen.
Denn die Realität ist klar: LGBTIQ+-Personen erleben im Gesundheitssystem noch immer Diskriminierung oder fehlendes Wissen über ihre spezifischen Bedürfnisse. Besonders ältere queere Menschen berichten von der Sorge, im Pflegefall ihre Identität verbergen zu müssen. Clarissa Graz, theologische Vorständin der Inneren Mission Frankfurt, betont: „Das können wir natürlich nicht hinnehmen. Deshalb reagieren wir nicht mit Symbolpolitik, sondern mit struktureller Bildungsarbeit und hoher fachlicher Qualität.“
Themen wie sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität und diversitätssensible Kommunikation sind fest in die Pflegeausbildung integriert. Ziel ist es, angehende Pflegefachpersonen auf die Anforderungen einer vielfältigen Gesellschaft vorzubereiten und sie zu einem professionellen, reflektierten Umgang damit zu befähigen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, eigene Unsicherheiten wahrzunehmen und konstruktiv zu bearbeiten. Gerade der respektvolle Umgang mit trans*, inter* und nicht-binären Menschen gehört dabei ausdrücklich zur Ausbildungskompetenz.
„Pflege bedeutet, Menschen in ihrer jeweiligen Lebensrealität zu begegnen. Wer pflegt, muss Vielfalt verstehen und respektieren können. Deshalb vermitteln wir Queersensibilität nicht als Zusatzthema, sondern als selbstverständlichen Bestandteil pflegerischer Kompetenz“, erläutert Anna-Lena Bendel, Leiterin des BiZeP.
Das BiZeP setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz: Lehrende werden in gendersensibler Didaktik und Diversity-Kompetenz fortgebildet, Praxisanleitende in interkultureller Kommunikation und Konfliktbewältigung geschult. Gleichzeitig profitieren die Auszubildenden von fallbasierten „Lernsettings“, Mentoring-Angeboten sowie praxisnaher Sprach- und Fachförderung.
Auch gesellschaftliche Ereignisse wie der CSD Frankfurt, vom 16. bis 19. Juli 2026, mit der Demonstration am 18. Juli, werden bewusst als Lernanlass genutzt. Anna-Lena Bendel fasst zusammen: „Vielfalt bleibt damit kein theoretisches Konzept, sondern wird im Schulalltag sichtbar und erfahrbar.“
Träger des BiZeP ist die Innere Mission Frankfurt. Mit ihren Einrichtungen in der Alten- und Krankenpflege, der Sucht- und Wohnungslosenhilfe, der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Prostituiertenberatung begleitet sie Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen. Rund 1.200 Mitarbeitende aus etwa 70 Nationen engagieren sich hier täglich für mehr als 1.500 Menschen.
Die Offenheit gegenüber Menschen unterschiedlicher Herkunft, Lebensweisen, Religionen und Identitäten gehören zum Selbstverständnis der Organisation. Diese Haltung prägt die Arbeit ihrer Einrichtungen ebenso wie die Bildungsarbeit des BiZeP.
Stefanie Jordan/Anna-Lena Bendel