Leben & Alltag

Wenn Zukunftsperspektiven auf dem Spiel stehen

BAG-EJSA-Sommerreise zu Gast beim Evangelischen Verein für Kinder- und Jugendhilfe Rhein-Main e.V.

In großer Runde unterwegs - zu Orten und Aufgaben der Jugendhilfe. I Foto: EVKJ
In großer Runde unterwegs - zu Orten und Aufgaben der Jugendhilfe. I Foto: EVKJ

Wenn taube junge Menschen ihre Gäste mit Applaus in Gebärdensprache begrüßen und junge Erwachsene von ihrem Weg in Ausbildung oder Studium erzählen, wird schnell klar, worum es in der Jugendsozialarbeit geht: um Chancen, Perspektiven und gesellschaftliche Teilhabe. Genau darüber wurde am 18. Juni beim Evangelischen Verein für Kinder- und Jugendhilfe Rhein-Main e.V. (EVKJ) diskutiert. Im Rahmen der Sommerreise der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA) kamen Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, Wohlfahrtspflege und Fachpraxis mit Jugendlichen, jungen Erwachsenen, ehemaligen Teilnehmenden und Mitarbeitenden der Projekte ins Gespräch. Im Mittelpunkt standen die Jugendmigrationsdienste (JMD), die Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule (GF-H) sowie das inklusive Ausbildungs- und Qualifizierungsprojekt Rothschild.

Die persönlichen Berichte der jungen Menschen machten eindrucksvoll sichtbar, welche Bedeutung verlässliche Unterstützungsangebote für ihren Lebensweg haben. Gleichzeitig zeigte sich, wie sehr bewährte Programme durch Kürzungen und unsichere Finanzierung unter Druck geraten. Frankfurts Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg appellierte an die Politik, Verantwortung auf allen Ebenen zu übernehmen: „Wir sprechen immer von Chancengerechtigkeit. Aber wenn die Finanzierung wegbricht, werden Chancen aktiv genommen.“ Deshalb setze sie sich dafür ein, dass Kommunen, Land und Bund gemeinsam Verantwortung für die Finanzierung von Inklusion übernehmen.

Wie wichtig diese Unterstützung für den persönlichen Lebensweg ist, beschreibt Betül, die ihre Ausbildung zur Fachpraktikerin im Gastgewerbe im inklusiven Ausbildungs- und Qualifizierungsprojekt Rothschild erfolgreich abgeschlossen hat: „Im Projekt Rothschild werde ich nicht auf meine Hörbeeinträchtigung reduziert. Hier geht es darum, was ich kann und welche Ziele ich habe.“

Am Beispiel der Jugendmigrationsdienste zeigte sich, dass der Unterstützungsbedarf junger Menschen weiter wächst. Allein der Jugendmigrationsdienst des EVKJ begleitet inzwischen jährlich 617 junge Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung. Gleichzeitig laufen bundesweit Programme aus oder werden eingestellt, die bislang wichtige Unterstützung bei Bildung, Integration und gesellschaftlicher Teilhabe geleistet haben. Auch das inklusive Ausbildungs- und Qualifizierungsprojekt Rothschild steht vor einer ungewissen Zukunft: Die Finanzierung notwendiger Gebärdensprachdolmetschleistungen ist bislang nicht dauerhaft gesichert – obwohl das Angebot nach aktuellem Kenntnisstand im Rhein-Main-Gebiet einzigartig ist.

Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, fand dafür klare Worte: „Wenn unsere Gesellschaft zunehmend von Extremismus und Anfeindungen geprägt ist, wie können wir gleichzeitig Programme wie Respekt Coaches, den Garantiefonds Hochschule oder die Finanzierung von Gebärdensprachdolmetscher*innen für inklusive Projekte infrage stellen?“

Die Botschaft der Veranstaltung war eindeutig: Wer gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, Integration fördern und Fachkräfte gewinnen will, muss jungen Menschen verlässliche Perspektiven eröffnen. Dafür braucht es keine kurzfristigen Sparmaßnahmen, sondern langfristig gesicherte Investitionen in Jugendsozialarbeit, Bildung und Inklusion.

Weitere Informationen zum Evangelischen Verein für Kinder- und Jugendhilfe Rhein-Main e.V. unter anderem auf www.evkj.de


Autorin: Anna-Maria Rose,
Stabsstelle Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelischer Verein für Kinder- und Jugendhilfe Rhein-Main e.V.


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