„Als Gemeindepädagoge darf ich tun, was ich sowieso liebe“
Als Assefa Mulugeta Assefa vor 24 Jahren geboren wurde, zogen seine Eltern in eine größere Wohnung und waren dann eine richtige Familie. Deshalb, so erzählt es seine äthiopische Mutter, nannten sie ihn „Assefa“ wie das gleichlautende amharische Verb, das „vergrößern, erweitern“ bedeutet.
Der äthiopische Name klingt jetzt auch wie ein Programm für den jungen, gut gelaunten Gemeindepädagogen, der seit September 2025 für den Nachbarschaftsraum Offenbach zuständig ist: Assefa möchte vor allem die Jugendarbeit dort ausbauen.
In der Mirjamgemeinde hat er von der Grundschulzeit an verlässliche, gute Erfahrungen mit der evangelischen Kirche gemacht. An die wöchentliche Spielgruppe erinnert er sich bis heute ganz genau, aber vor allem kam er in der Gemeinde mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen. „So war es schon als Kind ganz normal für mich, offen zu sein und mich auf Jeden und Jede einzulassen.“
Ruth Schlotter, die damalige Gemeindepädagogin, war eine feste Größe für ihn, ebenso wie jährliche Freizeiten und Krippenspiel. Nach der Konfirmation wurde er Teamer. Als Assefa 16 war, wurde sein Vater schwer krank und starb. „Meine Mutter, meine Freunde und Frau Schlotter gaben mir Halt“, erzählt er. Es sei auch sehr wichtig für ihn und seine Familie gewesen, dass sie den Gemeinderaum selbstverständlich für die Trauerfeier nutzen durften. Einen Tag nach der Beerdigung sei er aber schon wieder in die Schule gegangen – im Gegensatz zu seinen Geschwistern. „Ich kann alleine sein, bin aber lieber unter Menschen“, sagt er. „Das entspricht meinem Naturell.“
Deshalb studierte er trotz Leistungskurs „Wirtschaftslehre“ an der Theodor-Heuss-Schule auch nicht BWL, sondern Soziale Arbeit in Frankfurt und arbeitete gleichzeitig im Esswerk Offenbach, einem Cateringservice. Dort war er vor allem mit Koordination und Administration beschäftigt. „Seitdem kann ich wirklich gut Anträge stellen“, sagt er.
Nach dem erfolgreichen Bachelorabschluss hat es nur zwei Wochen gedauert, bis er als Gemeindepädagoge wieder in Lohn und Brot war. Darauf ist er stolz. Im Augenblick arbeitet er vertretungsweise mit halber Stelle in der Friedensgemeinde. Außerdem begleitet er die Konfirmationsarbeit in der Mirjamgemeinde und will dort die Jugendarbeit, die neun Jahre lang brach gelegen hat, neu aufbauen. Da das Gemeindehaus bald geschlossen wird, soll in der Lutherkirche ein neuer Jugendkeller entstehen. „Ideal wäre natürlich, wenn schon bald aus den sieben Pfarrbezirken des neuen Nachbarschaftsraum Offenbach Jugendliche dort hinkämen“, sagt Assefa. „Aber das muss sich entwickeln. Mir ist erst einmal wichtig, Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen, zu fragen, zuzuhören und von ihnen zu lernen.“
Auch in seiner Freizeit ist der junge Mann gerne gesellig und kocht gerne. „Beim letzten Familiengottesdienst in der Friedensgemeinde habe ich moderiert und mitgesungen“, erzählt er. „Danach hatte ich fast ein schlechtes Gewissen, weil ich das so gerne mache. Für viele andere ist Arbeit doch etwas Ernstes, Schweres. Ich darf tun, was ich sowieso liebe. “
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