Politik & Welt

Halleluja, es regnet! Überleben bei 40 Grad

Wir dürfen den Hitzesommer 2026 jetzt nicht verdrängen, sondern müssen die Städte radikal neu denken. Vor allem die Schwächsten brauchen unseren Schutz.

Anne Lemhöfer ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins. |Foto: Tamara Jung-König
Anne Lemhöfer ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins. |Foto: Tamara Jung-König

Ach gut, es kühlt wieder ab. Halleluja, es regnet! Wir alle atmen auf, während es draußen Herbst wird und irgendwann Winter.

War da was? War es wirklich mal so heiß, dass jeder Gang vor die Tür eine Qual war? Haben wir tatsächlich den Brandgeruch von der belgischen Grenze bis nach Frankfurt und Offenbach gerochen? Ja, da war was. Und es wird verlässlich wiederkommen, in ein paar Monaten schon.

Warum scheint es trotzdem so verführerisch, jetzt einfach zu verdrängen, dass die Klimakatastrophe im Hitzesommer 2026 so nah und so gefährlich an uns herangerückt ist wie nie? Vor unsere Türen, in unsere Kindergärten, in unsere Pflegeheime, auf unsere Plätze. Kurzzeitig standen wir unter Schock. Eine Schockstarre indes können wir uns nicht leisten. Allein die 12 500 Hitzetoten, die das Robert-Koch-Institut errechnet hat, sind eine humanitäre Katastrophe. Das alles muss Konsequenzen haben, auf Bundesebene, aber auch in der Kommunalpolitik.

Wir müssen unsere Städte, wir müssen Frankfurt und Offenbach ganz neu denken. Jetzt, und nicht erst nächsten Sommer. Der Ausbau von Solarenergie, Windkraft und vor allem regionalen Speichern muss im Eiltempo entfesselt werden. Dabei geht es auch um Sozialpolitik. Denn auf dem Asphalt der Stadt leiden die Ärmsten und Schwächsten am meisten. Wohlhabende können sich mit Klimaanlage, Balkon, Garten oder einer „Coolcation“ in Norwegen schützen, zumindest zeitweise. Menschen mit wenig Geld sitzen in aufgeheizten Wohnungen und haben außer dem überfüllten Freibad keinen Rückzugsort.

Neue Bauprojekte müssen deshalb nach dem aktuellen Stand der Forschung geplant werden. Wir müssen Flächen entsiegeln, Bäume pflanzen, Dächer und Fassaden begrünen, Regenwasser vor Ort speichern. Die „Schwammstadt“, die so angelegt ist, dass sie Regenwasser wie ein natürlicher Schwamm aufnehmen, speichern und bei Bedarf wieder abgeben kann, darf kein Schlagwort bleiben, sondern muss zum verbindlichen Prinzip werden. Denn es geht ums Überleben.

Pflegeheime, Krankenhäuser, Schulhöfe und Kindertagesstätten müssen dabei höchste Priorität bekommen. Ein positives Beispiel für schnelles Handeln liefert die Diakonie Frankfurt und Offenbach. Sie investiert jetzt eine Million Euro in den Hitzeschutz ihrer rund 80 Kitas. Geplant sind Sonnenschutz, automatisierte Jalousien, bessere Lüftung und Möglichkeiten zur nächtlichen Auskühlung. Das ist ein guter Anfang. Denn Kinder, ältere Menschen, Kranke und Arme brauchen in immer heißeren Städten unseren besonderen Schutz.

Und spätestens dieser Sommer sollte uns das gezeigt haben: Viel Zeit zum langwierigen Planen und Herumüberlegen bleibt uns nicht mehr.


Autorin

Anne Lemhöfer 165 Artikel

Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft.

0 Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare verfasst. Schreiben Sie doch den ersten.

Artikel kommentieren

Wir freuen uns, wenn unsere Beiträge zu Diskussion und Austausch beitragen. Dabei bitten wir, auf angemessene Umgangsformen zu achten und die Meinung anderer zu respektieren. Bei Verstößen gegen unsere Netiquette-Regeln behalten wir uns vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.

Errechnen Sie die Summe der dargestellten Zahlen
Captcha =