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Auch stumm geschaltet kann das Lob der Musik ankommen

In der Evangelischen Maria-Magdalena-Gemeinde in Frankfurt-Sachsenhausen wurde am vergangenen Sonntag ein Zoom-Gottesdienst gefeiert. Weit mehr als 100 Menschen verfolgten die Predigt von EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung am Sonntag „Cantate".

Vorbereitung auf den Zoom-Gottesdienst daheim: Pfarrer Ingmar Maybach-Neserke  I Foto: privat
Vorbereitung auf den Zoom-Gottesdienst daheim: Pfarrer Ingmar Maybach-Neserke I Foto: privat

Wenn der Kirchenpräsident in die Zoom-Gemeinde hinein aus dem Kolosserbrief zitiert, „lasst das Wort Christi reichlich unter Euch wohnen“, hat das einen besonderen Klang. Es hört sich bei dem Video-Beisammensein anders an, als in eine sechziger Jahre Kirche gesprochen oder von der Kanzel eines Barockbaus verkündet. Die Gottesdienstteilnehmerinnen und –teilnehmer sitzen auf ihren heimischen Sofas, gruppieren sich am Esstisch rund ums Laptop. Gerahmte Fotos sind zu erahnen, Tapeten zu erkennen.

60 Monitore seien zugeschaltet gewesen bei dem „GaAbriEl“-Gottesdienst der Evangelischen Maria-Magdalena-Gemeinde, Frankfurt-Sachsenhausen, mit EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung am Sonntag Cantate – im Kirchenjahr der Musik gewidmet. 120 bis 150 Leute hätten gelauscht, gesungen und gebetet bei der „Video-Konferenz“, berichtet Pfarrer Ingmar Maybach-Neserke. Ganze Familien gruppieren sich an dem Vormittag ab 11 Uhr auf den Zoom-Kacheln. In anderen Zeiten kommen in die beiden Kirchen der Gemeinde insgesamt rund 70 Menschen.

Jutta Vogel und ihre Mutter Hilde Kolleck zählen zu denen, die mit dabei sind, bei Predigt, Gebet und Gesang via Zoom. „Sie glauben gar nicht, was mir das bedeutet“, sagt Kolleck, mit 95 das älteste aktive Gemeindemitglied von Maria-Magdalena. Unter der Woche hat sie in der Corona-Zeit Hörfunkandachten für sich entdeckt, erzählt sie. Ihre Stimme am Telefon ist jung, in anderen Zeiten trägt sie regelmäßig noch den Gemeindebrief aus. Jetzt freut Hilde Kolleck sich, auf anderen Kanälen Gottes Wort zu hören.

„GaAbriEl – der Name des Verkündigungs-Engels steht in dieser Schreibweise für: Gemeinsam auf Abstand real- integrierend Evangelium leben“, sagt Maybach-Neserke. Der Gottesdienst am 10. Mai auf Zoom ist der dritte seiner Art in der Gemeinde. „Eigentlich hatte ich für diese Zeit einen Jazz-Gottesdienst geplant“, berichtet der Pfarrer. Den will er auch nicht aufgeben, aber verschoben ist er. Live und vor Ort sollen Musikprogramm und Predigt dann sein, aber jetzt lässt sich der Sachsenhäuser Pfarrer erst einmal auf das Online-Projekt ein, einmal im Monat einen Zoom-Gottesdienst zu feiern, daneben gibt es Kurz-Andachten – abrufbar im Netz. Bei den Zoom-Gottesdiensten gilt „dabei sein ist alles“, aufgezeichnet wird nicht, die jeweilige Gemeinschaft bleibt unter sich.

Mit „vor die Kamera setzen, Mikrofon an und los geht es“, ist es für Maybach-Neserke nicht getan. „Das ist bis auf die Sekunde geskriptet“, erzählt er. Kurz vor elf verschwindet der Pfarrer vom Schirm, zieht sich den Talar an, bevor es losgeht. Auch Volker Jung ist im Talar zu sehen. Klar ist vorab, wer wird wann zum Gebet dazu geschaltet, wer ist beim Singen zu hören. Würden alle vernehmbar sein, wäre es disharmonisch, mit den Lautesten im Vordergrund – das habe man getestet. Doch Kirchenvorstandsmitglieder übernehmen zwischenrein das Wort, Konfis haben ihren Part, die Kirchenmusikerin Michaela Kögel greift in die Tasten und wird übertragen.

Bei den anderen „Anwesenden“ sind nur Mundbewegungen zu erkennen, unbeschwert können sie auf der Couch singen, schmettern, brummen oder eher leise über das per E-Mail versandte Gottesdienstblatt den Blick schweifen lassen, das Mikrofon bleibt rot und durchgestrichen. Auch der Zoom-Link ging Interessierten auf Bestellung über E-Mail zu.

Eine halbe Stunde dauert es, dann ist der „GaAbriEl“-Gottesdienst am Sonntag „Cantate“ vorbei. Zum Schluss wird Abbas „Thank You or the Music“ eingespielt. Manche wippen, viele winken – durchaus vertraut fühlt sich das Miteinander an. Einblicke wurden gewährt und wann sonst gibt es bei Gottesdiensten Gelegenheit, den Menschen ins Gesicht zu schauen, über die IDs, unten eingeblendet in der „Kachel“, einen Hinweis auf den Namen des Gegenübers zu bekommen?


Autorin

Bettina Behler 99 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach