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Beistand – wenn Eltern um ein Kind bangen

Nach 25 Jahren als Klinikseelsorgerin in der Frankfurter Uniklinik geht Pfarrerin Elisabeth Knecht in den Ruhestand.

Pfarrerin Elisabeth Knecht     Foto: privat
Pfarrerin Elisabeth Knecht Foto: privat

Morgen verabschiedet sich die Seelsorgerin in der Kinderabteilung der Uniklinik Elisabeth Knecht in den Ruhestand. „Im Mai 1996 habe ich angefangen – 25 Jahre, das passt“. Die 63 Jahre alte Theologin, aufgewachsen mit fünf Geschwistern, selber Mutter von drei erwachsenen Kindern, lässt los, freut sich auf den Ruhestand – Arbeit im Garten, Zeit mit dem Enkelkind, aber tief verbunden fühlt sie sich offenkundig immer noch mit dem, was im vergangenen Vierteljahrhundert ihre berufliche Tätigkeit war: „Wenn ein Kind krank ist, ist das doch für Eltern das Schlimmste.“ Mütter, Väter von Neugeborenen hat sie begleitet, Eltern von Kindern, die im Kindergarten- oder Schulalter in die Uniklinik kamen, stand sie zur Seite. Für die Kinder hatte sie auch ein offenes Ohr, aber meist waren es die Eltern, die über die Stationen oder Ärzte an sie vermittelt wurden in dem Sinne, da wird Hilfe gebraucht, ein Gespräch gesucht.

Wird mein Kind das überleben? Trägt es dauerhafte Schädigungen davon und wie gehe ich dann damit um? Fragen wie diese quälen Eltern bei einem Aufenthalt in der Uniklinik. Der Draht zu Vätern und Müttern ist nahe, „es ist zum Standard geworden, dass ein Elternteil dabei ist im Krankenhaus“, berichtet Knecht. Für Alleinerziehende oder auch wenn andere Kinder da sind, bedeutet das einen organisatorischen Kraftakt – abgesehen von der seelischen Belastung. Nicht bedrängen, nicht mit Standards trösten, ist Knechts Prinzip gewesen. „Die Kunst von Seelsorge ist, den Menschen das zu geben, was ihnen in dem Moment hilft“, fasst sie das Grundprinzip zusammen, das sie geleitet hat.

Studiert hat die angehende Pensionärin in Bethel und Tübingen. Mit ihrem Ehemann, gleichfalls Theologe, teilte sich Elisabeth Knecht Ende der achtziger Jahre in der Evangelischen Kreuzgemeinde in Frankfurt-Preungesheim im Pfarrvikariat eine Stelle. Auch als Pfarrerin konnte sie von 1989 bis 1992 auf „Job-Sharing“ mit ihrem Mann in der Praunheimer Wicherngemeinde setzen. Nach der Geburt des jüngsten Kindes ging sie in Elternzeit – an deren Ende tauchte die Position in der Uniklinik auf. Für Elisabeth Knecht „so etwas wie ein Traumjob“ – 1985 hatte sie in Hannover ihr Spezialvikariat in einem Kinderkrankenhaus absolviert, „da merkte ich, so etwas will ich gerne machen“.

In den zurückliegenden 25 Jahren hat Elisabeth Knecht es nicht selten mit sehr kurzen Lebenswegen zu tun gehabt, Eltern deren Kinder nur wenige Tage oder Monate alt wurden, hat sie begleitet, in Einzelfällen auch die Beerdigung gehalten. Als Klinikseelsorgerin war die Seelsorgerin neben den unmittelbaren Angehörigen und Medizinerinnen und Pflegekräften oft die einzige, die diesen Babys begegnet ist.

Eingesetzt hat sich die Pfarrerin dafür, dass es für den Abschied von „Sternenkindern“, von Stillgeborenen oder Kindern, die nur wenige Stunden überlebten oder nicht atmend auf die Welt kamen, einen Ort, einen Gottesdienst gibt. Vor 21 Jahren fand der erste ökumenische Gedenkgottesdienst für gestorbene Kinder in der Heiliggeistkirche am Dominikanerkloster statt. Im vergangenen Jahr wurde in hybrider Form dazu eingeladen.

Knecht gefällt es nicht, wenn von „Unruhestand“ die Rede ist. Sie will jetzt erst einmal schauen, wie sich Ruhestand und Muße anlassen. Zugesagt hat sie jedoch, weiter mitzumachen im Team des „Gottesdienstes aus der Stille“. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wird viermal im Jahr sonntags dazu eingeladen, in meditativer Stimmung ohne viel Worte einen Gottesdienst zu erleben. Ursprünglich ist Elisabeth Knecht da „eher reingeschliddert“, vielleicht auch, weil sie vor Jahren eine Zusatzqualifikation in geistlicher Begleitung erworben hat. Einzuladen, zur Ruhe zu kommen, das liegt ihr, ist zu merken – ob es um diesen Gottesdienst geht oder auch ihre nun zu Ende gehende berufliche Tätigkeit.


Autorin

Bettina Behler 170 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach