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Den religiösen Austausch nicht den Erwachsenen überlassen

Junge Menschen verschiedener Religionen haben ein "Junges Abrahamisches Forum" gegründet. Sie wollen mit Veranstaltungen und Treffen für mehr Verständnis und Austausch zwischen den monotheistischen Religionen sorgen.

Treffen des Jungen Abrahamischen Forums mit Jürgen Micksch , Ömer Bilgin, Naweed Ahmad, Sertac Heris und Lisa Menzel (von links nach rechts). | Foto: Rolf Oeser
Treffen des Jungen Abrahamischen Forums mit Jürgen Micksch , Ömer Bilgin, Naweed Ahmad, Sertac Heris und Lisa Menzel (von links nach rechts). | Foto: Rolf Oeser

In seine Generation setzt Ömer Bilgin große Hoffnung. Als Muslim ist er immer wieder mit religiösen Vorurteilen konfrontiert. Aber der Fünfzehnjährige ist überzeugt, dass sie bei jungen Menschen noch nicht so verhärtet sind wie bei Erwachsenen. Zumal blöde Witze oder falsche Informationen meist von Medien und Eltern gedankenlos übernommen würden. Was das Ausräumen von Vorurteilen und Missverständnissen anbelangt, traut er dem „Jungen Abrahamischen Forum“ (JAF) deshalb einiges zu. „Das ist eine Art neutrale Instanz, der geglaubt wird“, steht für Ömer Bilgin fest, der sich hier von Anfang an engagiert.

Noch in der Aufbauphase befindet sich das im Sommer gegründete JAF, öffentlich in Aktion getreten ist es noch nicht. Jürgen Micksch, der als Geschäftsführer des Abrahamischen Forums auch den jungen Ableger begleitet, weiß jedoch sehr gut, wie schnell sich Jugendliche verschiedener Religionen verständigen können. Das habe er etwa in der Evangelischen Akademie Arnoldshain beobachtet, wo das Abrahamische Forum mit jungen Juden, Musliminnen, Bahai und Christinnen mehrmals Wochenenden organisierte.

Hierbei seien viele mit „irren Vorbehalten“ angereist, manche sogar mit der „Angst, verprügelt zu werden“. Nach den mit Rollenspielen, Gesprächen und Diskussionen gespickten Tagen hätten sich die Vorurteile weitgehend in Luft aufgelöst, sagt Micksch. „Am Ende waren alle begeistert.“

Am schwierigsten zu gewinnen seien die die christlichen Jugendlichen, und die, die kommen, halten sich dann eher im Hintergrund, wie Miksch bedauert. Orthodoxe machten gar nicht mit, aber auch bei katholischen und evangelischen Jugendlichen herrsche oft Zurückhaltung vor. Er vermutet, dass es mit der „Furcht, sich zu blamieren“ zusammenhängen könnte. Oder auch damit, dass christliche Jugendliche in Deutschland nur selten Anfeindungen ausgesetzt sind und daher weniger unter Druck stehen.

Beim zweiten Treffen des JAF ist als christliche Teilnehmerin Lisa Menzel dabei. Die 24-jährige studiert Religionswissenschaft und als ist Jugenddelegierte in der Kirchensynode der hessen-nassauischen Landeskirche aktiv. Auch sie misst sie dem interreligiösen Austausch großen Stellenwert bei, denn: „Es ist nicht gut, sich immer nur mit sich selbst zu beschäftigen, man muss auch über den eigenen Tellerrand schauen.“

Die Anregung für das JAF sei von muslimischen Jugendlichen gekommen, sagt Micksch. Für Naweed Ahmad von der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde zum Beispiel macht es „definitiv Sinn“, den interreligiösen Dialog nicht nur Erwachsenen zu überlassen. Gerade in einer Zeit, in der die gesellschaftliche Bedeutung der Religionen generell schwinde, seien die Stimmen junger Menschen wichtig, sagt der 26 Jahre alte Jurastudent.

Und was ist geplant? Besuch in Schulen oder Teilnahmen an Veranstaltungen will das JAF organisieren. „Ohne die Unterschiede auszublenden wollen wir uns auf das berufen, was uns eint und dies nach außen tragen“, sagt Ahmad. Bislang ist das Frankfurter Projekt eines Jungen Abrahamischen Forums noch bundesweit einmalig, aber Interesse aus anderen Städten, etwa Dresden, gibt es schon.


Autorin

Doris Stickler 34 Artikel

Doris Stickler ist freie Journalistin in Frankfurt.