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Der Muezzin-Ruf gehört wie die Kirchenglocken zu Deutschland

In Köln dürfen islamische Gemeinden jetzt offiziell einen Muezzin-Ruf zum Freitagsgebet per Lautsprecher senden. Das ist auch richtig so.

Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins. | Foto: Tamara Jung
Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion des EFO-Magazins. | Foto: Tamara Jung

Die Stadt Köln hat islamischen Gemeinden einen Muezzin-Ruf zum mittäglichen Freitagsgebet per Lautsprecher erlaubt. Zehn Gemeinden bekundeten Interesse. In der islamischen Welt kündigt der Ruf des Muezzins vom Minarett, dem Turm der Moschee, die Zeit zum Gebet an. Fünf Gebete Richtung Mekka am Tag schreibt der Koran vor, das Gemeinschaftsgebet der Männer in der Moschee ist nur freitags Pflicht. Eigentlich bedarf es hierzu gar keiner Erlaubnis, da es als Teil der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit angesehen wird.

In Deutschland leben schätzungsweise über fünf Millionen Muslime. Deshalb ist es sicher ein Zeichen von Toleranz, wenn der Muezzin-Ruf ebenso wie das christliche Glockengeläut ermöglicht wird. Die Frankfurter Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg weist darauf hin, dass das Bundesgesetz beim Gebetsruf des Muezzin, wie auch bei Kirchenglocken, kein Genehmigungsverfahren vorsieht. Bislang beabsichtige aber wohl keine Moscheegemeinde in Frankfurt, einen Muezzin-Ruf einzuführen. In Offenbach übrigens auch nicht. Nur während des Versammlungsverbotes in der Corona-Pandemie hatten einige Moscheegemeinden um Genehmigung gebeten, manche, unter anderem die in Frankfurt-Hausen, haben den Ruf auch ertönen lassen. Von Beschwerden ist nichts bekannt geworden. „In Frankfurt gibt es ein friedliches und nachbarschaftliches Miteinander – gerade dort, wo sakrale Gebäude stehen“, sagt Bürgermeisterin Eskandari-Grünberg, die auch Dezernentin für Diversität, Antidiskriminierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt ist.

Auch Kirchenglocken können als störend empfunden werden. Erst kürzlich musste ein Gericht sich mit der Klage einer Nachbarin der evangelischen Kirche in Merzhausen bei Usingen beschäftigen. Sie fühlte sich gestört. Die Glocken dürfen aber weiterhin zum Gottesdienst rufen. Glockengeläut wird von vielen auch als eine Form akustischer Beheimatung empfunden. Wenn sich die 50 Glocken der zehn Frankfurter Innenstadtkirchen im Geläut vereinen, lockt das immer Tausende an. Das Große Stadtgeläut erklingt am Samstag vor dem 1. Advent, 27. November, um 16.30 Uhr, sowie am Heiligen Abend, 24. Dezember, um 17 Uhr.


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Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

3 Kommentare

2. Februar 2022 14:17 Pfarrerin Petra Lehwalder

Der Artikel nimmt Bezug einzig auf Lautstärke und verfassungsmäßige Rechte, nicht aber auf den Inhalt des Rufs. Ich bin leidenschaftliche Vertreterin eines offenen und toleranten Austauschs der verschiedenen Religionen, in gegenseitigem Respekt, was ich in den Berufsschulen gelebt habe, halte allerdings einen Muezzinruf gerade nicht für einen Ausdruck des gegenseitigen Respekts. Wohingegen Glocken Klang und Ton sind, hat der islamische Gebetsruf eine klare und deutliche Aussage: "Allah ist der Allergrößte (Allahu akbar). Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt. Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist." Bei aller Diskussion habe ich immer den Eindruck, dass genau dieser Inhalt nicht gesehen wird. Würde von unseren Kirchen statt Glockenklang gerufen: "Jesus Christus ist Gottes Sohn. Niemand kommt zu Gott außer durch den Sohn. Ich bezeuge Gott als Vater, Sohn und Heiligen Geist." würde es höchstwahrscheinlich sofort die Forderung geben, solche Aussagen abzustellen, weil sie ein tolerantes und respektvolles Miteinander verhindern. Was ist mit den Religionen, die dem Muezzinruf nicht zustimmen? Der Muezzin Ruf, den ich in Kairo, als ich bei meiner Freundin war, jeden Tag und jede Nacht hörte, ist nicht nur ein Gebetsruf, sondern eben auch ein Bekenntnis. Und er wird bei uns genutzt werden vor allem von konservativen Islamverbänden zur Demonstration ihrer Macht.

3. Februar 2022 16:18 Volker Gumpinger

Frau Lehwalder trifft hier den Nagel auf den KopfGuter Beitrag

28. Februar 2022 18:15 Natalie Kulisch

Ich bin hierbei einer anderen Meinung. Ein Ausruf mit Worten statt ausschließlich Tönen, ist nichts, was auf eine Respektlosigkeit gegenüber anderer Religionen hindeutet. Mit dem Ruf des Muezzins bekennen sich Muslime zu ihrer Religion. Für sie ist es ein Symbol der Anerkennung und etwas spirituelles. Sie wissen somit auch wann ihr Gebet anfängt. Es ist eine Tradition die Tausende Jahre zurückliegt und sogar im Koran beschrieben steht. Wäre das auch bei der christlichen Religion der Fall, würde niemand aus Deutschland etwas dagegen sagen, denn Deutschland ist auch für seine Religionsfreiheit bekannt. Der Ruf des Muezzins hindert niemanden daran sich gegenseitig zu respektieren, außer jemand hätte generell etwas gegen andere Religionen. Neben diesen ganzen Punkten, finde ich es auch keines Wegs respektvoll den Muslimen zu unterstellen, sie würden den Ruf des Muezzins als Machtdemonstration verwenden wollen. Eine solche Unterstellung zeigt mir, dass sich die Person nicht wirklich über diese Religion informiert hat und vermutlich so schon wenig Respekt gegenüber dieser Religion hat.

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