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Politikwissenschaftler soll Strategien gegen Rechts entwickeln

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Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat einen Referenten für Rechtsextremismus eingestellt. Der Politikwissenschaftler Matthias Blöser soll Kirchenleitung und Gemeinden beim Umgang mit Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus - auch in den eigenen Reihen - beraten. 

Matthias Blöser entwickelt für die evangelische Kirche Strategien gegen Rechtsextremismus.
Matthias Blöser entwickelt für die evangelische Kirche Strategien gegen Rechtsextremismus.

Wie kann die Kirche ihre ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen und -helfer vor Anfeindungen schützen? Wie geht sie mit nationalistischer „Asylkritik“ in den eigenen Reihen um? Wann ist es besser, zu diskutieren, und wann muss man inakzeptable Äußerungen unterbinden? Bei solchen Fragen sind seit dem Aufstieg der AfD auch viele Kirchengemeinden und kirchliche Funktionsträgerinnen unsicher.

Matthias Blöser soll jetzt dabei helfen, den Zustand allgemeiner Ratlosigkeit zu überwinden. Der 36 Jahre alte Politikwissenschaftler ist von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) angestellt worden. „Am ersten Arbeitstag lag schon ein Dutzend Anfragen auf dem Schreibtisch“, sagt der Rechtspopulismus-Experte.

Auf zunächst sechs Jahre ist seine bundesweit in dieser Form einzigartige Projektstelle beim landeskirchlichen „Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung“ befristet. Die neue Aufgabe empfindet er wie auf den Leib zugeschnitten: Blöser war zuvor mehrere Jahre lang Referent der katholischen Friedensbewegung „pax christi“ im Bistum Limburg und engagierte sich ehrenamtlich in einem antirassistischen Bündnis.

Für die Anfangszeit will er einen Arbeitsschwerpunkt in der Region um Büdingen im Wetteraukreis legen, die eine Hochburg der rechtsextremen NPD ist – die Nazi-Partei bekam dort bei den vergangenen Kommunalwahlen über zehn Prozent der Stimmen. Blöser macht sich aber keine Illusionen, das Weltbild gestandener Rechtsradikaler zu verändern: „Es geht um die, die dabeistehen“, sagt er. Deshalb will er auch ausloten, welche Dialogangebote die Kirche denjenigen Menschen machen kann, die lediglich einzelne Aspekte eines rechten Weltbildes teilen.

Davon gibt es auch in den eigenen Reihen eine ganze Menge: „Kirchenmitglieder sind nicht weniger anfällig“, sagt Blöser. In den vergangenen Jahren hat er mehrere Entwicklungen verfolgt, die er für besorgniserregend hält. Zum Beispiel, dass immer mehr Menschen Hasskommentare im Internet unter ihrem Klarnamen verbreiten, und dass menschenfeindliche Ansichten auch in durchaus bürgerlichen Kreisen auf fruchtbaren Boden fallen.

Und dann ist da noch eben noch die AfD, die die direkte Konfrontation mit den Kirchen sucht und sich zugleich von ihnen ausgegrenzt sieht. Matthias Blöser hatte lange Bedenken gegen offizielle Gespräche zwischen Kirchenvertretern und Parteifunktionären und gegen die Einladung von AfD-Politikerinnen zu Veranstaltungen wie dem Kirchentag. Seit dem Einzug der Partei in den Bundestag sei ein totaler Boykott aber schwer zu rechtfertigen. Daher findet er es vernünftig, mit denjenigen AfD-Abgeordneten das Gespräch zu suchen, die sich nicht durch offen menschenfeindliche Äußerungen diskreditiert haben: „Wir gegen die AfD – und wir sind dabei die Guten – das bringt uns nicht weiter.“ Pauschale Empfehlungen, wann Dialog und wann Abgrenzung und Protest angemessen sind, könne es nicht geben, sagt der Politologe. Darüber müsse in jedem Einzelfall entschieden werden.

Karsten Packeiser (epd)


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