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Die Tüte enthält mehr als Lebensmittel

Die Kinder- und Jugendhäuser des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit sind geschlossen. Mit Lunch-Tüten, die bei den Familien an der Tür abgegeben werden und Balkonaktionen bleiben die Mitarbeitenden mit denen, die sonst bei ihnen ein- und ausgehen, in Kontakt.

Wir sind für Euch da - diese Botschaft wird überbracht.  I Foto: Evangelischer Verein für Jugendsozialarbeit
Wir sind für Euch da - diese Botschaft wird überbracht. I Foto: Evangelischer Verein für Jugendsozialarbeit

„Heute hatte ich noch gar kein Frühstück, dann esse ich das jetzt gleich!“ Die Lunchtüten des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit in Frankfurt am Main für Kinder und Jugendliche im Gutleut- und Bahnhofsviertel, in Bonames und am Frankfurter Berg finden täglich begeisterte Abnehmer*innen.

In diesen Stadtteilen hat der Evangelische Verein für Jugendsozialarbeit vor der Corona-Pandemie in seinen Kinder- und Jugendeinrichtungen täglich ein warmes Mittagessen oder Imbiss angeboten, das gerne von vielen Kindern und Jugendlichen in Anspruch genommen wurde. Nach dem das Betretungsverbot auch in den Einrichtungen für Kinder und Jugendliche umgesetzt werden musste, entstanden sehr schnell neue digitale und mobile Angebote, so finden jetzt beispielsweise täglich am Bügel die „Balkonaktionen“ statt. Zu festen Zeiten ziehen die Mitarbeiter*innen des Kinderhauses am Bügel vor die Hochhäuser und die Kinder treten hinaus auf die Balkone, dann wird gemeinsam für jeweils eine Stunde gespielt, geraten, gesungen und vor allem viel gelacht! Doch auch die Versorgung der Kinder sollte sichergestellt werden und es entstand die Idee, die Familien täglich mit einer lecker gefüllten Lunchtüte für die Kinder zu unterstützen.

Alle Familien freuen sich sehr über das Angebot und den täglichen kurzen Kontakt auf Abstand und unter Einhaltung der rechtlichen Vorschriften, der sich daraus ergibt. Die Mitarbeitenden des Jugendhauses Frankfurter Berg, des Internationalen Kinderhauses und des Kinderhauses am Bügel bringen die 100 Lunchtüten persönlich vorbei und oftmals ergibt sich die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit den Kindern und Eltern. Thema ist natürlich auch immer wieder der Inhalt der Lunchtüten, denn die Auszubildenden und ihre Fachanleiterin im Lernbetrieb Frankfurt – Produktionsschule – Produktionsbereich Gastronomie stellen das Essen für die Lunchtüten der Kinder täglich frisch her und freuen sich deshalb über die Rückmeldungen und Wünsche, die sie so erhalten. Was mögen die Kinder besonders gerne, was kommt nicht so gut an und was wird gebraucht?

Frankfurts Sozialdezernentin Professorin Daniela Birkenfeld freut sich sehr über die Initiative des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit und über die positive Resonanz der jungen Menschen und aus den Familien für dieses Projekt, das aus Mitteln des Programms „Pädagogischer Mittagstisch“ und Spendengeldern des Sozialdezernates finanziert wird: „Die Lunchpakete sind nicht nur ein wertvoller Beitrag zur gesunden Ernährung, sondern auch eine Brücke zum Alltag der Kinder und Jugendlichen vor Beginn der Corona-Maßnahmen und willkommene Kontaktpflege mit ihren vertrauten Bezugspersonen aus den Einrichtungen.“

Das Team des Internationalen Kinderhauses, das seit dem 14. April 2020 täglich 30 Lunchpakete an Kinder im Gutleut- und Bahnhofsviertel verteilt, gibt einen Einblick in seine Arbeit vor Ort: „Die Kinder waren begeistert uns wiederzusehen! Aus manch einer Sprechanlage war großes Freudengeschrei zu hören, als nach Wochen des Abstandhaltens die Kinder bemerkten, dass wir vor der Tür stehen. Die Lunchpakete werden sehr gut angenommen und es tut auch den Mitarbeitenden des Internationalen Kinderhauses gut, täglich den Kontakt zu den Kindern zu erhalten, wenn auch nur kurz.” Das im Bahnhofsviertel ansässige Internationale Kinderhaus möchte gerade in dieser außerordentlichen Situation den Kindern so gut wie möglich beistehen und persönlich ansprechbar bleiben. Über die Lunchpakete können sie den Kindern zeigen, dass sie an sie denken, für die Kinder da sind und sich um sie kümmern.

Am Frankfurter Berg kommen die Kinder und Jugendlichen täglich einzeln zwischen 12 und 17 Uhr im Jugendhaus vorbei, um ihre Lunchtüten abzuholen. Kurz nach 17 Uhr machen die Mitarbeitenden des Jugendhauses täglich einen Rundgang durch den Stadtteil, vorbei an den Plätzen, auf denen sich trotz des Begegnungsverbotes kleine Gruppen von Jugendlichen bei dem schönen Wetter treffen. Sie verteilen nicht abgeholte Lunchtüten und nutzen die Möglichkeit zu einem kurzen Gespräch, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben, herauszuhören was diese gerade beschäftigt, wo vielleicht Probleme aufgetreten sind und um ihre Hilfe und Unterstützung anzubieten. Das Feedback auf die Lunchtüten und Kontaktmöglichkeiten ist auch am Frankfurter Berg sehr positiv.

Das Interesse an den Lunchtüten wird von Tag zu Tag größer, da es sich im Stadtteil herumrumspricht.

Yagmur Mengilli

Öffentlichkeitsarbeit, Evangelischer Verein für Jugendsozialarbeit in Frankfurt am Main e.V.


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Regelmäßig veröffentlichen wir im EFO-Magazin Gastbeiträge von Frankfurter und Offenbacher Pfarrerinnen und Pfarrern oder anderen interessanten Persönlichkeiten.