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Ehrenamtliche gegen die Vereinsamung alter Menschen in Heimen

Ein neues Projekt soll Ehrenamtliche für den seelsorgerlichen Einsatz in Altenheimen qualifizieren. Denn auch wenn sie dort körperlich gut versorgt werden, leiden doch viele alte Menschen unter Einsamkeit.

Pfarrer Harald Müller (2. von links) und Pfarrerin Silke Peters (rechts) starten im Januar einen neuen Kurs für ehrenamtliche Altenheimseelsorge. Bereits engagiert sind Renate Krauß (links) und Brigitte Gößling (2.v. rechts). | Foto: Doris Stickler
Pfarrer Harald Müller (2. von links) und Pfarrerin Silke Peters (rechts) starten im Januar einen neuen Kurs für ehrenamtliche Altenheimseelsorge. Bereits engagiert sind Renate Krauß (links) und Brigitte Gößling (2.v. rechts). | Foto: Doris Stickler

Wenn im Alter der Freundeskreis schrumpft und es keine oder nur weit entfernt lebende Angehörige gibt, droht Betroffenen nicht selten die Vereinsamung. Vor allem Hochbetagten, die durch körperliche und kognitive Beeinträchtigungen nur schwer soziale Kontakte pflegen können. Daran ändert auch das Wohnen in einer Altenhilfeeinrichtung wenig.

Da hier die hauptamtliche Altenseelsorge stark reduziert worden ist, brachten die Agaplesion Markus Diakonie, das Evangelische Stadtdekanat und die Innere Mission einen Ausbildungskurs für ehrenamtliche Altenseelsorge auf den Weg. Geleitet und entwickelt von der Pfarrerin für Altenseelsorge, Silke Peters, und dem Pfarrer i.R. Harald Müller, wird der Kurs im Januar starten.

Bislang konzentrierte sich die ehrenamtliche Seelsorgeausbildung eher auf den Einsatz in Kliniken. Nun werde in der Altenseelsorgeausbildung auch gerontologisches Fachwissen vermittelt und der Fokus auf Themen wie Alterungsprozesse, Demenz oder Depression gerichtet, fasst Silke Peters die inhaltliche Ausrichtung zusammen.

Angesichts der steigenden Lebenserwartung sei es „wichtig zu wissen, was in der Hochaltrigkeit passiert und wie man mit körperlichem und kognitivem Abbau umgehen kann“. Derlei Kenntnisse eignete sich Renate Krauß, die seit 2009 im Offenbacher Elisabeth-Maas-Haus als ehrenamtliche Seelsorgerin tätig ist, durch Learning by Doing an.

Weil ihr Ehemann seine letzten Lebensjahre in der Einrichtung der Inneren Mission verbrachte, war sie täglich vor Ort und kam hierbei oft auch mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern ins Gespräch. „Nach dem Tod meines Mannes wurde ich gebeten, weiterhin zu kommen und bin kleben geblieben“, beschreibt die als Prädikantin ausgebildete 77-Jährige den Einstieg in ihr Engagement.

Seit 2011 die Stelle der hauptamtlichen Seelsorgerin gestrichen wurde, feiert sie im Elisabeth-Maas-Haus zudem Gottesdienste, bietet Bibelstunden an und begleitet Menschen beim Sterben. „Ich bin immer noch empört, dass in den Heimen die Leute alleine gelassen werden“, sagt Renate Krauß, die nur allzu gut weiß: „Mit niemandem reden, niemanden seine Sorgen und Ängste anvertrauen zu können, ist für die alten Menschen am schlimmsten.“

Diese Erfahrung kann Brigitte Gößling nur bestätigen. Eigentlich in der Frauenarbeit tätig – unter anderem gründete sie das interkulturelle Beratungszentrum „Frauenrecht ist Menschenrecht“ – fing sie vor mehr als 20 Jahren an, sich daneben auch um die Bewohnerinnen und Bewohner des Frankfurter Hufelandhauses zu kümmern.

Dorthin kam auch sie durch ihren Gatten – wenngleich unter anderen Bedingungen: Pfarrer Siegfried Gößling war lange Leiter der Einrichtung der Inneren Mission und machte seine Frau damals mit den Facetten der seelsorglichen Arbeit vertraut. Die heute 77-Jährige begleitet im Hufelandhaus noch immer Menschen und legte nur einmal eine etwas längere Pause ein.

„Was den Erfahrungsschatz anbelangt sind Renate Krauß und Brigitte Gößling ein Spitzenteam“, freut sich der theologische Vorstand der Inneren Mission, Pfarrer Martin Barschke. Wie der Initiator des Altenseelsorgekurses beruhigte, sind die Anforderungen der Ausbildung niedrigschwelliger. „Das oberste Ziel ist die Begegnung von Mensch zu Mensch. Die Ehrenamtlichen sollten aber auch über theologische Dinge reden können.“

Die Auseinandersetzung mit Glauben und Religion gehöre ebenso zur Ausbildung wie fachliche Impulse, Fallbesprechungen und Gruppengespräche, klärt Kursleiter Harald Müller auf. Nach etwa der Hälfte der Ausbildungsphase stünden überdies wöchentliche Besuche in einer diakonischen Pflegeeinrichtung auf dem Programm.

Es gehe darum, „ein Gespür für die Bedürfnisse der Menschen in Altenhilfeeinrichtungen zu entwickeln“, so der Pfarrer, der als Supervisor bereits seit mehreren Jahren bei der Inneren Mission ehrenamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger betreut. Daher sei die „Ausbildung für alle geeignet, die eine sinnvolle Tätigkeit suchen“.

Da „Hochbetagte oft in einer komplizierten seelischen Verfassung“ sind und deshalb die „Gefahr der Ausgrenzung“ besteht, erachtet es Prodekanin Ursula Schoen als Auftrag der Kirche, hier Beistand zu leisten. Umso mehr freue es sie, dass dieses Ausbildungsprojekt zustande gekommen ist.

Es stelle sicher, dass die hauptamtliche Seelsorge künftig in rund zehn diakonisch stationären Altenhilfeeinrichtungen in Frankfurt und Offenbach durch den Einsatz Ehrenamtlicher Unterstützung erfährt. Da der Altenseelsorgekurs zudem „eine neue Form der Bildungsarbeit“ sei, rechne sie damit, dass darüber „viele Menschen in Erstkontakt mit der Kirche kommen“ werden.

Informationen zum Ausbildungskurs bekommen Interessierte bei Pfarrerin Silke Peters, Telefon 069 95517632 oder Pfarrer Harald Müller, Telefon 06081 582425.


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Doris Stickler 46 Artikel

Doris Stickler ist freie Journalistin in Frankfurt.

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