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Ein Herantasten „an den neuen Sonntag“

Es ist wieder möglich – bei Einhaltung der Schutzmaßnahmen – Gottesdienste vor Ort zu feiern. Manche Gemeinden in Frankfurt und Offenbach beginnen an diesem Wochenende, andere später. Nicht verschwunden sind die anderen medialen Formen im Netz – Kirchenpräsident Volker Jung beispielsweise hält in der Sachsenhäuser Maria-Magdalena-Gemeinde am 10. Mai eine Zoom-Predigt.

Die Kirchengemeinde Offenbach-Bieber wechselt zwischen Gottesdiensten in der Lutherkirche und im Netz. I Foto: Rolf Oeser
Die Kirchengemeinde Offenbach-Bieber wechselt zwischen Gottesdiensten in der Lutherkirche und im Netz. I Foto: Rolf Oeser

Wie können wir wieder vor Ort Gottesdienste feiern? Eine Frage, die dieser Tage auch in Frankfurt und Offenbach die evangelischen Kirchenvorstände umtreibt. Denn zur Freude darüber, dass Gottesdienste wieder in „unseren“ Kirchen gefeiert werden können, kommen einige Herausforderungen, die geklärt werden müssen: Distanz und Hygiene im Gottesdienst sind sicherzustellen, für Abstände beim Sitzen ist zu sorgen, auf Gesangbücher und Singen muss verzichtet werden, die Ein- und Ausgänge sind zu kennzeichnen – um nur einiges zu nennen. Von einem „Herantasten“ ist vielerorts die Rede. Mit der staatlichen Erlaubnis allein ist es nicht getan, eine neue „Gottesdienstkultur“ muss vor Ort gefunden werden, abhängig von Faktoren wie Kirchengröße, Ausstattung, üblichem Zuspruch und gemeindlichen Gottesdienstgewohnheiten.

Einige Beispiele aus Frankfurt und Offenbach:

Schon seit Beginn dieser Woche gibt es in der an der Frankfurter Hauptwache gelegenen Sankt Katharinenkirche werktäglich um 12.30 Uhr wieder die ökumenischen Gebete am Mittag. Montags und donnerstags wird für 16.30 Uhr zu musikalischen Andachten mit Professor Martin Lücker und Stadtkirchenpfarrer Olaf Lewerenz in die Kirche im Zentrum geladen, diesen Sonntag, am 10. Mai, um 10 Uhr, steht der erste Gottesdienst in Sankt Katharinen an. 70 Gottesdienstblätter wird es geben – für so viele Menschen soll Raum sein, der Küster und ein Mitglied des Kirchenvorstands werden sie am Eingang verteilen und sicherstellen, dass auf den Kirchenbänken der markierte Abstand eingehalten wird. Es wird darum gebeten werden, die Blätter hinterher – mit Name und Kontaktdaten versehen – zurückzugeben, damit bei Meldungen von Infektionen informiert werden kann. Nach drei Wochen werden diese Zettel vernichtet, sichert Lewerenz zu.

Die Evangelische Dreikönigsgemeinde beginnt an diesem Wochenende sowohl in ihrer am Sachsenhäuser Ufer gelegenen Kirche als auch in der Bergkirche am Sachsenhäuser Hang wieder mit dem Gottesdienstfeiern vor Ort. Zum Schutzkonzept nennt Pfarrerin Silke Alves-Christe folgende Eckpunkte: „Abstand zwei Meter im Umkreis, Abstandsmarkierung auf dem Boden, Sitzplatzmarkierung, das ergibt in der Bergkirche maximal 25 Personen und in der Dreikönigskirche maximal 80 Personen, Mund-Nase-Schutz beim Betreten und Verlassen der Kirche.“ Die Dreikönigsgemeinde will die Gottesdienstpräsenz im Netz aber nicht aufgeben, sondern Audio- und Lesepredigten zur Verfügung stellen.

Die andere Sachsenhäuser Gemeinde, die Evangelische Maria-Magdalena-Gemeinde, setzt auf Virtuelles und hat einen prominenten Prediger für den „GaAbriEl“-Zoom-Gottesdienst gewinnen können: Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Volker Jung ist von 11 bis 11.30 Uhr zu Gast. „Der Name des Verkündigungs-Engels steht in dieser Schreibweise für: Gemeinsam auf Abstand real- integrierend Evangelium leben!“, so Pfarrer Ingmar Maybach-Neserke, der in den vergangenen Wochen diese Form des Online-Gottesdienstes in seiner Gemeinde eingeführt hat. Weitere Informationen über den Zoom-Zugang gibt es auf der Gemeindeseite www.maria-magdalena-gemeinde.de
Pfarrer Thomas Diemer von der Bornheimer Wartburggemeinde, der in den vergangenen Wochen sonntags „über den Gartenzaun“ grüßte und mit gebührender Distanz Kontakt aufnahm, öffnet diesen Sonntag um 10 Uhr wieder die Kirche an der Hartmann-Ibach-Straße für einen Gottesdienst - auf Abstand, mit Desinfektionsmitteln und Maskentragen bei Ein- und Ausgang. Geschlossen wird der in den vergangenen Wochen genutzte Youtube-Kanal aber nicht, genauso wenig enden die anderen gottesdienstlichen Angebote der Wartburggemeinde im Netz und per Telefon.

Open Air feiert die Evangelische Kirchengemeinde Frieden und Versöhnung im Frankfurter Gallus an diesem Wochenende „bei gutem Wetter“ um 11 Uhr einen Gottesdienst, die Woche darauf wird es am Sonntag, 17. Mai, aus der Gemeinde einen Video-Gottesdienst geben „Wir gemeinsam gegen Homophobie“. Wer das Gotteshaus an der Frankenallee für Einkehr oder Gebet aufsuchen will, hat dazu freitags von 8 bis 17 Uhr Gelegenheit.

Schon vergangene Woche hat die Nazarethgemeinde in Frankfurt-Eckenheim ihr Konzept beschlossen: Am Sonntag, 17. Mai, wird mit zwei Andachten à 20 Minuten gestartet, die erste um 10, die zweite um 10.30 Uhr. „Vor, zwischen und nach den beiden Kurz-Gottesdiensten (eher Andachten) werden die Flächen desinfiziert“, schreibt Pfarrerin Christine Streck-Spahlinger. „Abgesehen von der Nutzung des Geländers an der Treppe muss nichts angefasst werden.“ Die Stühle sind auf Sicherheitsabstand gerückt, aufs Singen wird verzichtet, zum Tragen einer Maske wird geraten. Am 10. Mai, auch am 17. Mai wird die Nazarethgemeinde zudem eine Video-Botschaft einstellen, an Himmelfahrt auch, wie es längerfristig auf Youtube weitergeht, wird in der Nazarethgemeinde noch geklärt.

Zwei Beispiele aus Offenbach

Pfarrerin Irmela Büttner, Evangelische Kirchengemeinde Bieber, lädt am 10. Mai für 9.30 Uhr anlässlich des Sonntags „Cantate“ zu einem musikalisch geprägten Gottesdienst mit Solisten der „Just Harmonists“ in die Lutherkirche ein. Am Sonntag, Rogate, dem 17. Mai, wechselt sie aufs Video-Format, genauso wie an Pfingsten, davor zeigt sie aber auch wieder physische Präsenz, beispielsweise an Himmelfahrt bei einem Gottesdienst der Südgemeinden.

Die Friedenskirchengemeinde, ansässig im Offenbacher Westend, will bis Pfingstsonntag warten. Um 10 Uhr läuten dann die Glocken einen Gottesdienst im Pfarrgarten ein. Pfarrerin Henriette Crüwell hat schon mal ausgerechnet, das Areal ergibt bei zwei Metern Abstand 34 Plätze. Bis auf Weiteres – auch über Pfingsten hinaus – will Crüwell Telefongottesdienste feiern. Das in der Corona-Krise eingeführte Angebot stößt auf positive Resonanz. Menschen, die mal wieder in die Friedenskirche an der Geleitstraße kommen wollen, wird das ermöglicht. Zum Gebet, aber auch zum Gespräch, wird mittwochs von 17 bis 19 Uhr eingeladen.

Am kommenden Montag, 11. Mai, sind die Mitarbeitenden der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach erstmals wieder zu einer Andacht in die Heiliggeistkirche eingeladen, die dem Verwaltungssitz, dem Dominikanerkloster in der Frankfurter Innenstadt, angegliedert ist. Selbstverständlich gelten die aktuellen Hygienevorgaben der Landeskirche. „Es ist auch für mich gewöhnungsbedürftig, eine Andacht mit diesen Vorgaben zu feiern. Andererseits freue ich mich sehr darüber, dass wir unsere wöchentliche Arbeit wieder mit einem gemeinsamen Hören auf die Botschaft der Bibel und einem gemeinsamen Gebet beginnen können!“, schreibt der evangelische Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach Achim Knecht in seiner Einladung.


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Bettina Behler 99 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach

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