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Eine stabile Verbindung ins Herz von Indien

Im Frankfurter Kuhwald wurde vor 25 Jahren die Deutsch-Indische Zusammenarbeit (DIZ) gegründet. Doch die Verbindungen nach Nagpur, gelegen im Herzen des Subkontinents, sind älter. Ein Flohmarkt am Dornbusch erinnert an diesem Wochenende daran – vor 40 Jahren wurde hier das erste Mal Trödel für den guten Zweck angeboten.

Jona A. Dohrmann am Eingang der Dreifaltigkeitskirche  Foto: Hauke Bietz
Jona A. Dohrmann am Eingang der Dreifaltigkeitskirche Foto: Hauke Bietz

Jona A. Dohrmann ist froh, dass das Wort „eigentlich“ in seinem Arbeitsalltag an Bedeutung verloren hat. „Eigentlich“ sollte im September „25 Jahre Deutsch-Indische Zusammenarbeit“ in Frankfurt gefeiert werden, das Jubiläum der Wirtschafts-, Sozial-, Gesundheits- und Bildungskooperation wurde abgesagt: zum einen weil Partner:innen aus Indien nicht anreisen konnten, zum anderen – ein Fest auf Abstand, das war auch nicht, was er, Vorsitzender und Geschäftsführer der im Kuhwald ansässigen Non-Profit-Organisation und seine Mitstreiter:innen sich vorstellten.

„Eigentlich“ hätte die Süd-Nord-Freiwillige Nisha Jacob schon Anfang des Jahres in der Evangelischen Dreifaltigkeitsgemeinde in der Kuhwaldsiedlung ankommen sollen, Corona hat es verhindert. Jetzt ist die 25-Jährige seit Ende Juli da und umtriebig zwischen Europaviertel und der alten Eisenbahner- und Postlersiedlung am Kuhwald unweit der Messe unterwegs (mehr). Apeksha Kathane ist als DIZ-Freiwillige in einer Frankfurter Kita mit dem Thema „Geschlechtergerechtigkeit“ befasst. „Insgesamt haben wir neun Freiwillige hier in Deutschland, uns ist es wichtig, dass die DIZ keine Einbahnstraße ist“, sagt Dohrmann.

Lange war unklar, ob „40 Jahre Flohmarkt zugunsten von Nagpur“ am Wochenende 6./7. November in der Frankfurter Dornbuschgemeinde stattfinden kann – auch wieder ein „eigentlich?“ Jetzt werden Trödel, Geschirr, Glas, Nippes, Spielzeug, Bücher, Bilder, Elektronik, Weihnachtsdeko und anderes mehr angeboten – am Samstag von 10 bis 17 Uhr und am Sonntag zwischen 11 und 14 Uhr, bei Masken- und Abstandspflicht und 3G-Regel. Der Erlös geht zum einen Teil an die Dornbuschgemeinde und zum anderen nach Nagpur – so die Tradition.

Obgleich eine Millionenmetropole, rund 2,4 Millionen Menschen leben in der Industrie- und Universitätsstadt, ist Nagpur in Deutschland nur wenigen bekannt. Die Verbindung nach Maharashtra ist auf Jona A. Dohrmanns Vater zurückzuführen, er war als Pfarrer für „Dienste in Übersee“, heute Teil des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung, entsandt, heiratete eine Inderin, die am renommierten Tata Institute of Social Sciences (TISS) Soziale Arbeit studiert hatte. Jona Aravind – daher das A., auf das der DIZ-Vorsitzende und Geschäftsführer Wert legt, kam 1972 auf dem Subkontinent zur Welt.

1977 zogen die Eltern an den Main, der Vater wurde Pfarrer der Dreifaltigkeitsgemeinde. Dieser Tage steht Jona A. Dohrmann vor der Dreifaltigkeitskirche, sein Büro liegt um die Ecke: „Dort oben auf der Empore wurde der Plan gefasst, die Deutsch-Indische Zusammenarbeit zu gründen“, 1996 war das. In den Jahren davor war das Band ins Herz von Indien nicht abgerissen, der Flohmarkt am Dornbusch zeugt davon.

Jona A. Dohrmann studierte Jura in Frankfurt, parallel dazu engagierte er sich für Projekte in Nagpur, organisierte Workcamps für ein Dorfentwicklungsprojekt in Maharashtra. Der Jurist und Entwicklungsexperte hat die Zweigleisigkeit zum Lebensprinzip entwickelt, er besitzt zwei Pässe, die Doktorarbeit verglich Aspekte des Grundgesetzes mit der indischen Verfassung. Gut zwei Jahre, Anfang der Zweitausender, war Dohrmann als Anwalt tätig, von 2005 an verschrieb er sich ganz der Entwicklungszusammenarbeit und war seinerseits mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst im Nachfolgeprojekt seiner Eltern für vier Jahre tätig, bevor er 2009 die Geschäftsführung der DIZ übernahm.

Zusammen mit seinen Kolleginnen Sybille Franck und Caroline Link, beides Journalistinnen und lange für Öko-Test tätig, sowie Helena Bartsch betreibt er das Büro unweit der Messe. Es ist winzig, mit Akten und Infos voll, selten mal ein Souvenir dazwischen. Hier koordiniert er die Arbeit, prüft Anträge, stellt welche beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Covid-19-Hilfen, etwa für die Intensivstation eines Krankenhauses im ländlichen Madhya Pradesh, Informationen für Kinder zum Thema „Schulbesuch“, finanziert deutscherseits, zählen zu den jüngsten Projekten, auch die Vermittlung von 50 raucharmen Öfen für im Dorf lebende Familien. „Die Zusammenarbeit mit den Behörden ist gut“ – dieser Satz ist in beide Richtungen gemünzt, hier wie dort. Die Deutsch-Indische Zusammenarbeit vermittelt, im Verständnis für beide Länder.

Weitere Informationen unter: http://www.diz-ev.de/


Autorin

Bettina Behler 181 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach