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Für eine zukunftsfähige Kirche sorgen

Das evangelische Stadtparlament von Frankfurt und Offenbach hat sich bei seiner gestrigen Sitzung mit Nachbarschaftsräumen, Bauplänen und innovativen Vorhaben befasst.

Der neue Fachbereicheleiter Markus Eisele (li.) stellte sich den Delegierten kurz vor, 2. v.li. Stadtdekan Achim Knecht, daneben Präses und Versammlungsleiterin Irmela von Schenck sowie Wolfram Schmidt, Mitglied des Vorstands
Der neue Fachbereicheleiter Markus Eisele (li.) stellte sich den Delegierten kurz vor, 2. v.li. Stadtdekan Achim Knecht, daneben Präses und Versammlungsleiterin Irmela von Schenck sowie Wolfram Schmidt, Mitglied des Vorstands

Der Prozess „EKHN 2030“, die Reaktion der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau auf zurückgehende Mitgliederzahlen und damit schwindende finanzielle Ressourcen, hat die gestrige hybrid vom Frankfurter Dominikanerkloster aus geführte Tagung der Evangelischen Stadtsynode und Regionalversammlung geprägt. Sowohl der evangelische Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach Achim Knecht als auch der neue Leiter der Bauabteilung des Evangelischen Regionalverbandes, Cornelius Boy, gingen in ihren Reden auf die geplante Schaffung von Nachbarschaftsräumen ein.

Der Stadtdekan sagte in seiner Rede: „Diese Nachbarschaftsräume bilden zukünftig die Bezugsgröße für die Zuweisung von Stellen des Verkündigungsdienstes, also des Pfarrdienstes, des gemeindepädagogischen und des kirchenmusikalischen Dienstes, ebenso für die Organisation der gemeindlichen Verwaltung und für die Finanzierung von kirchlichen Gebäuden durch die EKHN.“ Derzeit laufen insbesondere unter den Gemeinden die Beratungen, im September soll auf Stadtsynodenebene ein Ausschuss gebildet werden, der die Entscheidungen zu den Nachbarschaftsräumen vorbereitet, ein Beschluss zu den Neuordnungen ist für Juli 2023 vorgesehen.

Das eine sei es, in punkto Gebäude, Personal und Kooperationen auf den Rückgang der Mitglieder zu reagieren, eine mindestens ebenso große Herausforderung sei es jedoch, „dass viele Menschen in unserer Gesellschaft nur noch wenig mit Kirche und ihrer Botschaft anfangen können“, äußerte der Stadtdekan. Es sei notwendig, neue, innovative und kreative Formen kirchlicher Arbeit zu entwickeln und auszuprobieren, „damit die Botschaft von Jesus bei den Menschen heute ankommt und um Menschen zur Mitarbeit in Kirche und Diakonie zu motivieren“.

Offene Denkwerkstatt und ein großes Tauffest

Knecht stellte den Delegierten eine für den 10. und 11. Juni 2022 geplante „Offene Denkwerkstatt“ der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach vor, in der ehrenamtliche Kirchenvorstände und Hauptamtliche wie Pfarrerinnen und Pfarrer, im gemeindepädagogischen Dienst oder in der Diakonie Tätige und junge Menschen, die in der Kirche engagiert sind, aber auch Außenstehende, zusammenkommen, um sich in einem „Open Space“-Verfahren über Ideen für die Zukunft der Kirche auszutauschen und gemeinsam neue zu entwickeln.

Achim Knecht nutzte die gestrige Tagung auch, um in seiner Rede den Parlamentarierinnen und Parlamentariern ein innovatives Konzept vorzustellen, das sich schon in der Umsetzungsphase befindet, ein großes Tauffest am Main. Im Offenbacher Stadtteil Bürgel wird es am Samstag, 9. Juli, gefeiert. Dieser Tage gingen 6.500 Einladungskarten an die Haushalte im Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach, in denen mindestens eine Person evangelisch ist und Kinder im Alter bis zwölf Jahren leben, die noch nicht getauft sind.

Einen besonderen Dank sprach der evangelische Stadtdekan in seiner Rede den Menschen aus, die sich in diesen Tagen für die Geflüchteten aus der Ukraine engagieren, beispielsweise in der Großunterkunft in Frankfurt-Kalbach oder im Evangelischen Verein für Wohnraumhilfe, der mit der Vermittlung von Unterkünften für diese Menschen in Frankfurt betraut ist.

Neu formierte Ausschüsse

Da das evangelische Kirchenparlament neu zusammengesetzt ist, mussten bei der gestrigen Sitzung die Ausschüsse neu besetzt werden. Für Bereiche wie Finanzen, Ökumene und Interreligiöser Dialog, Kirchenmusik, Gesellschaftliche Verantwortung, Gebäude und andere Fachgebieten wurden neue Gremienmitglieder bestimmt. Dass die Bereitschaft, sich in den Ausschüssen zu engagieren, hoch ist und manche deshalb erweitert wurden, lobte Versammlungsleiterin Irmela von Schenck, „der Reichtum unserer Stadtsynode spiegelt sich in den Ausschüssen wider“, es freue sie, „dass so viele mitmachen wollen“. Wer in welchen Ausschuss gewählt wurde, lesen Sie hier: Ausschüsse der Stadtsynode

Aktuelle und zukünftige Bauvorhaben

Ein Zeichen dafür, dass die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach nicht auf Resignation, sondern maßvolle Zukunftsplanung setzt, ist die von Cornelius Boy vorgelegte und von den Delegierten verabschiedete Bauprioritätenliste 2023. Sie sieht Ausgaben von etwas mehr als 22,5 Millionen Euro vor, das bedeutet im Vergleich zu diesem Jahr eine Erhöhung, 2022 stehen im Haushalt 18,85 Millionen Euro. Bei Wohn- und Geschäftshäusern bestehe ein hoher Sanierungsbedarf, argumentierte Boy. Als ein Beispiel für gegenwärtige Baumaßnahmen nannte er eine Sanierung und Aufstockung in Frankfurt-Oberrad, in Zukunft sollen 14 Studierende in dem neuen Obergeschoss an der Wiener Straße Platz finden.

Zu den Bauarbeiten, die aktuell im Gange sind, zählt auch die Außensanierung der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche in Frankfurt-Niederursel, bei der Lutherkirche im Frankfurter Nordend stehen sowohl innen als auch außen Arbeiten an, innen wird unter anderem die Akustik verbessert, außen zeigt der Sandstein deutliche Schäden. In Unterliederbach wird es Arbeiten an der Kita an der Wartburgstraße geben.

Ähnlich wie der für den Frankfurter Nordwesten zuständige Prodekan Holger Kamlah, der darauf hinwies, dass angesichts der neu entstehenden Nachbarschaftskooperationen, manches schon festgezurrte Bauprojekt „auf Eis gelegt“ werden müsse, erwähnte auch Boy wiederholt unter Hinweis auf „EKHN 2030“ mögliche Moratorien.

Manches, etwa die Sanierungsarbeiten der Offenbacher Friedenskirchengemeinde, seien schon mit Blick auf mögliche zukünftige Nutzungen geplant, so Boy. Während in Frankfurt schon für Kirchen und Gemeindehäuser 2017 ein Gebäudekonzept verabschiedet wurde, gilt es für Offenbach dieses zu verabschieden, vorgesehen ist das für 2023. Aber auch in Frankfurt wird angesichts von „EKHN 2030“ noch einmal nachjustiert.

Zu den Offenbacher Baumaßnahmen unter der Federführung des Evangelischen Regionalverbandes, die Boy vorstellte, gehört die Sanierung des Pfarrhauses in Bürgel. In der Lukas- und Matthäusgemeinde soll im Sommer das neue Gemeindehaus eröffnet werden. Auch die Kita steht auf der Bauliste.

Berichtet hat der Leiter der Bauabteilung den Delegierten auch über das Heizungsmonitoring. Anhand von fünf Kirchen, in denen schon eine entsprechende Box installiert sei, werde deutlich, dass auf diese Weise „deutliche Einsparpotenziale“ beim Energieverbrauch möglich seien. Auch hier sollen weitere Installationen in den anderen Kirchen des Stadtdekanats folgen.


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Bettina Behler 199 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach